Pornografie und Holocaust
Berlin, 28. Januar 2011. In einem äußerst spannenden Dokumentarflm mit dem Titel "Pornografie und Holocaust" beschäftigt sich der 1972 geborene israelische Filmemacher Ari Libsker mit zwei Ereignissen, die Israel in den sechziger Jahren aufwühlten: Dem massenhaft verbreiteten Erscheinen von pornografischen Groschenromanen, die in Lagern der Nazis spielten, und der ersten öffentlichen Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nazis im Zuge des Eichmann-Prozesses. Der Regisseur versucht in seinem Film, diesem auf den ersten Blick unerklärlichen Kulturphänomen auf den Grund zu gehen und bekommt erstaunliche Antworten, unter anderem auch von Autoren der „Stalag“-Heftchen.
Auseinandersetzung mit dem Holocaust beginnt mit Tabu-Bruch
Nach dem großen Erfolg des ersten pornografschen Taschenbuchs »Stalag 13«, das 1961 zur Zeit des Eichmann-Prozesses in Israel erschien, entwickelten sich diese reißerischen Heftchen schnell zum modernen Massenphänomen. Die Groschenromane formulierten dabei – in sich stetig steigernder Explizität – sadomasochistische Fantasien um Kriegsgefangene und Nazioffziere in deutschen Stammlagern (Stalags) und brachen damit gleich zwei Tabus: Erstmals gab es in der sittenstrengen Gesellschaft Israels pornografische Literatur und gleichzeitig waren diese Heftchen neben dem Eichmann-Prozess die erste öffentliche Auseinandersetzung mit dem Holocaust.
Dass das eine stark mit dem anderen zu tun hatte, war offensichtlich: Oft wurden Details aus dem Eichmann-Prozess direkt in den Geschichten neuer „Stalag“-Heftchen aufgegriffen und auch in der Presse konnte man Bilder aus dem Prozess neben Coverabbildungen neuer Ausgaben fnden. Ein bisher strikt eingehaltenes Tabu war gebrochen, was aber nicht von allen gutgeheißen wurde.
Zwei Jahre, nachdem die erste „Stalag“-Geschichte veröffentlicht wurde, schob der Staat dem weiteren Erfolg einen Riegel vor und ließ die Heftchen verbieten. Dass eine ganze Generation von Israelis jedoch von der Lektüre dieser Heftchen geprägt wurde, ließ sich nicht mehr verhindern.
Welche Wahrnehmung der „Stalag“-Hefte ist geblieben? Wieso brach sich die Auseinandersetzung mit dem Holocaust in Israel genau auf diese Art und Weise Bahn? Regisseur Ari Libsker lässt Verleger, Autoren und Journalisten zu Wort kommen und verwebt die mit präziser Kamera geflmten Interviews geschickt mit Archivbildern.
Die DVD „Pornografie und Holocaust" kommt ab dem 11. März 2011 in den Handel.



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- Quelle: red | Abbildung: Neue Visionen Medien GmbH
- Erstellt am 28.01.2011 - 09:27Uhr | Zuletzt geändert am 04.05.2021 - 02:11Uhr
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