1968 – zwei Welten
Görlitz, 9. Juli 2018. Von Thomas Beier. Wer heutzutage Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland betont läuft Gefahr, sich lächerlich zu machen: Zur Freiheit gehört, sein Glück zu schmieden, wo immer man will. Spannender sind die Entwicklungen in den beiden deutschen Staaten seit ihrer Gründung bis zur Beitritt der "DDR" zur Bundesrepublik, stellvertretend für den West- und den Ostblock.
Die 68er und Prag 1968 haben nichts gemein
Thema: Woanders

"Woanders" – das ist das Stichwort, wenn der Görlitzer Anzeiger auf Reisen geht und von Erlebnissen und Begegnungen "im Lande anderswo" berichtet. Vorbildliches, Beispielhaftes und Beeindruckendes erhält so auch im Regional Magazin seine Bühne.
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Im Westen des neuen deutschen Vaterlandes steht 1968 vor allem für die Achtundsechziger, die heute ihr Altenteil genießen, aber in Anspruch nehmen, unter den Talaren gelüftet, die Emanzipation und sexuelle Befreiung der Frau und die Liberalisierung der Gesellschaft insgesamt vorangebracht zu haben (dumm nur, dass die westdeutschen 68er-Frauen eher sterben als jene im Osten). Bis zur Jahrtausendwende haben die 68er die westdeutsche Gesellschaft maßgeblich geprägt – bis dann die heutige angepasste junge Generation, die sich an den Gegebenheiten orientiert, ohne diese zu hinterfragen, die Gesellschaft zu dominieren begann.
Im Osten hingegen war damals die zumindest berufliche Gleichstellung der Frauen dank chronischem Arbeitskräftemangels weit vorangekommen, Anti-Baby-Pille plus Förderung junger Familien wie auch der geringere Einfluss der Kirchen trugen dazu bei, dass die Gesellschaft (abgesehen von der ständigen Angst vor Bespitzelung und Denunziation) insgesamt unverklemmter war – eine 68er-Bewegung wäre unter den Bedingungen der linken Diktatur nicht denkbar gewesen: mangels Handlungsdruck und mangels Erfolgsaussicht.
Als die Panzer rollten
Meine Erinnerung an 1968 ist eine ganz andere: Im Ostseebad Zinnowitz standen Tschechoslowaken an den Straßen, um aus dem Kofferradio Nachrichten zu hören – während durch das heimatliche Erzgebirge die sowjetischen Panzer rollten, um dem Prager Frühling den Garaus zu machen.Der Prager Frühling scheiterte wie jeder Umsturzversuch im Ostblock, selbst die Friedliche Revolution von 1989 entmachtete zwar die SED-Diktatur, überließ die gewonnene Macht jedoch eilfertig den westdeutschen Interessenten. Darin ähnelt 1989 übrigens dem Jahr 1945, als in der legendären "Freien Republik Schwarzenberg" zwar aus eigener Kraft die Nazis entmachtet und Aktionsausschüsse gebildet wurden, sechs Wochen später aber die Rote Armee dem basisdemokratischen Experiment ein einvernehmliches Ende bereitete: die Macht gewinnen ist das eine, sie zu behalten, das andere.
Vier Autoren und Künstler zum Ende des Prager Frühlings
Zum Scheitern des Prager Frühlings ist nun in genau diesem Schwarzenberg eine Veranstaltung angesetzt, die eine Lesung mit Utz Rachowski, Berlin/Plauen, Musik von Michal Müller aus Warnsdorf (Varnsdorf), eine Dokumentation von Thomas Häntsch aus Weeze und ein Modell der Niederschlagung des Prager Frühlings im Maßstab 1:35 von Matthias Schmeier aus Köln vereinigt. Veranstalter sind der KunstZone e.V. und die Baldauf Villa Marienberg, Veranstaltungsort ist das Atelier Beier, gelegen im Park auf dem Ottenstein. Zugleich ist das eine der selten gewordenen Gelegenheiten, das Atelier des Holzbildhauers, das sich in einer Jugendstil-Turnhalle befindet, zu besuchen.Ausführliche Informationen und Anfahrtskizze:
Haltepunkt Erzgebirge: Der Frühling starb im August
Prädikat: Unbedingt hingehen!
Sonntag, 22. Juli 2018, 17 Uhr,
Atelier Beier, Park Ottenstein,
Karlsbader Straße 3A, 08340 Schwarzenberg/Erzgebirge
Der Eintritt ist frei!



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- Quelle: red | Grafik: Flyer des kul(T)our Betriebs des Erzgebirgskreises / Baldauf Villa Marienberg
- Erstellt am 09.07.2018 - 11:18Uhr | Zuletzt geändert am 05.07.2022 - 12:25Uhr
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