Das LEI-System zur Stabilisierung der Finanzmärkte

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Görlitz, 24. April 2023. Im Zuge der Krise um das Bankhaus Lehman Brothers in den Jahren 2008/2009 geriet das internationale Finanzsystem an den Rand eines Kollapses. Im Anschluss ersuchten die Regierungschefs der G20-Staaten im Jahre 2011 den Rat für Finanzstabilität (Financial Stability Board) um die Einführung eines Systems, das weltweit eine eindeutige Identifikation von juristischen Personen erlaubt, die an Finanztransaktionen beteiligt sind. Daraufhin schlug der Rat das sogenannte LEI-System (Legal Entity Identifier System) vor, welches Ende 2012 mit der Charta des LEI ROC (Regulatory Oversight Commitee) errichtet wurde. Dabei wird jedem professionellen Marktteilnehmer in der Finanzbranche ein eindeutiger Code zugewiesen, der jährlich neu beantragt werden muss. Ziel ist es, die Markttransparenz und -effizienz zu steigern sowie Manipulationen auf den internationalen Finanzmärkten zu unterbinden. Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Architektur des globalen LEI-Systems (GLEIF) und referiert darüber, welche Maßnahmen juristische Personen einleiten müssen, um schnell und komplikationslos einen LEI-Code zu beantragen.

Symbolbild: Das LEI-System wurde zur Stabilisierung der Finanzmärkte eingeführt!

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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Was wird unter LEI genau verstanden?

Der Legal Entity Identifier setzt sich aus einem alphanumerischen Code zusammen, der 20 Stellen umfasst. Er kann mit einer international gültigen Umsatzsteuer-Identifikationsnummer verglichen werden und dient zur Erkennung von Unternehmen und juristischen Personen, die auf den weltweiten Börsenplätzen mit Wertpapieren und Aktien aller Art handeln.


Die Erstellung eines LEI-Codes ist kostenpflichtig und muss jährlich neu beantragt werden. Die Verantwortlichen eines Unternehmens müssen bei einer offiziellen Registrierungsstelle einen LEI-Nummer-Antrag stellen, um den Registriervorgang in die Wege zu leiten. In der Regel wird der Code dann innerhalb zweier Arbeitstage zugestellt.


Welche Systematik steckt dahinter?


Der LEI-Code besitzt für jedes Unternehmen den gleichen Aufbau, wodurch ermöglicht wird, dass alle juristischen Personen in ein global gültiges System integriert werden können. Er enthält Informationen zum betreffenden Unternehmen sowie das Datum der ersten Registrierung.


Jeder Code ist einmalig und besteht aus drei Teilen:




  • Ziffern 1 bis 4: Identifikationsnummer der bearbeitenden Registrierungsstelle.




  • Ziffern 5 bis 18: Zahlenreihe, die die juristische Person eindeutig identifiziert.




  • Ziffern 19 bis 20: Zahlen, die der Kontrolle dienen.




Was ist GLEIF?


Die GLEIF (Global Legal Entity Identifier Foundation) ist die Dachorganisation, welche die LEIs aller Unternehmen und juristischen Personen zusammenfasst und verwaltet. GLEIF hat den Status einer gemeinnützigen Organisation und sorgt dafür, dass die Identifikationscodes transparent und öffentlich zugänglich sind. Sie stellt die Integrität des LEI-Systems sicher und überwacht die Qualität der Daten. Reguliert wird GLEIF von einem übergeordneten Aufsichtsrat (ROC), der sich aus den Abgesandten wichtiger international agierender Finanzinstitute zusammensetzt.


Was wird unter LOU verstanden?


Die GLEIF ist in 34 Betriebseinheiten, den sogenannten LOUs (Local Operating Unit), untergliedert. Diese sind verantwortlich für die eigentliche Vergabe und die Veröffentlichung der LEI-Codes. Dabei arbeiten die LOUs mit lokalen Registrierungsstellen wie deutschelei.de zusammen, welche die Unternehmen bei der Umsetzung der Registrierung unterstützen und den Zugang zum Netz der LOU erleichtern.


Wie kann ein LEI-Code beantragt werden?


Die Registrierung eines LEI-Codes ist ein Prozess, der mithilfe einer offiziellen Registrierungsstelle innerhalb kurzer Zeit bequem und online umgesetzt wird. In der Regel läuft er nach den folgenden Schritten ab:




  1. Identifikation der betreffenden juristischen Person oder des zu registrierenden Unternehmens. Benötigt wird dazu eine gültige Geschäfts-ID aus dem Unternehmensregister.




  2. Erteilung der Genehmigung, dass eine bestimmte juristische Person registriert werden kann.




  3. Die AGB (Allgemeine Geschäftsbedingungen) müssen akzeptiert und die Bestellung bestätigt werden.




  4. Nach der Bezahlung der Gebühr wird der Registrierungsprozess eingeleitet.




  5. Innerhalb zweier Werktage wird der LEI-Code dem Antragsteller übermittelt. Bei einem komplizierten Registrierungsverfahren kann der Prozess etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.




Welchen Zweck hat das LEI-System?


Vor der Einführung des LEI-Systems nutzten die verschiedenen Länder unterschiedliche Verfahren, um die in der Finanzbranche tätigen Unternehmen zu identifizieren. Daraus ergab sich eine gewisse Unübersichtlichkeit, die als “Verfilzung” bezeichnet werden kann. Viele Transaktionen waren wenig transparent und mit der Pleite einer Bank, Lehman Brothers, wurde ein Schneeballsystem in Gange gesetzt, bei dem viele Unternehmen in den Abgrund gerissen wurden und in der Insolvenz endeten.


Mit dem LEI-System werden eine Vereinheitlichung und Standardisierung dieser Verfahren angestrebt. Die neue Identifikationsmethode erlaubt es, schwarze Schafe innerhalb des Finanzsystems schneller zu identifizieren und gegebenenfalls zu sanktionieren. Unternehmen ohne LEI-Code wird es untersagt, finanzielle Transaktionen vorzunehmen. Inzwischen haben sich etwa 40 Länder, darunter die EU (Europäische Union) und die USA, dem LEI-System angeschlossen. Die Finanzinstitute dieser Länder profitieren von den folgenden Vorteilen:




  • Erleichterung bei der Identifikation der Vertragspartner bei finanziellen Transaktionen.




  • Informationen über die an einer Transaktion beteiligten Rechtspersonen werden leichter zugänglich und nachvollziehbar.




  • Kriminelle Handlungen bei Transaktionen können nicht mehr einfach verschleiert werden.




  • Geringere Kosten, da zur Identifizierung eines Handelspartners einfach auf die LEI-Datenbank zurückgegriffen werden kann. Eine fundierte Recherche, die Mitarbeiter bindet und Zeit kostet, ist nicht mehr notwendig.




  • Das Risiko bei nationalen und internationalen Finanztransaktionen wird minimiert.




Wer benötigt einen LEI-Code?


In der EU müssen sich Unternehmen, die mit Wertpapieren aller Art handeln, um einen LEI-Code bemühen. Diese Vorgabe beinhaltet, dass Abteilungen und Zweigstellen von Firmen, die nicht als juristische Personen gelten, dem LEI-Code der Muttergesellschaft zugeordnet werden. Der Umfang der Transaktionen und der Wert der gehandelten Papiere sind dabei unerheblich. Privatpersonen und Einzelfirmen dagegen müssen dem LEI-System nicht beitreten.


Folgende Institutionen, die Wertpapierhandel betreiben oder Finanztransaktionen durchführen, sind zur Beantragung eines LEI-Codes verpflichtet:




  • Banken




  • Versicherungen




  • Broker




  • Verbände




  • Stiftungen




  • Unternehmen




  • Sonstige Organisationen und Finanzdienstleister




Kritik an der Umsetzung des LEI-Systems


Nicht alle Banken, die dem LEI-System verpflichtet sind, haben dieses bisher vollständig umgesetzt. Zwar grenzen diese Finanzdienstleister ihre Geschäftskunden klar von Privatkunden ab. In den Kundenstammdaten vieler Institute fehlt jedoch die Klassifizierung der “juristischen Person”. Aus diesem Grunde erhalten viele Personengesellschaften, die nicht im Handelsregister eingetragen sind, fälschlicherweise die Aufforderung zur Registrierung.



Mit welchen Kosten ist zu rechnen?


Die Kosten für die Registrierung bewegen sich in einem übersichtlichen Rahmen. Je nach Anbieter ist für einen Erstantrag mit knapp 80 Euro jährlich zu kalkulieren. Die meisten Registrierungsstellen bieten ein Fünf-Jahres-Paket an. Damit lassen sich die jährlichen Ausgaben auf etwa 60 Euro senken. 
Es muss dabei beachtet werden, dass der LEI-Code jährlich neu zu beantragen ist, damit die Daten sich immer auf dem neuesten Stand befinden. Die Aktualisierung wird von den Registrierungsstellen selbstständig und unentgeltlich übernommen.


LEI-System: Transparenz und Übersichtlichkeit auf den Finanzmärkten


Mit der Einführung des LEI-Systems wurde ein Instrument geschaffen, das die internationalen Finanzmärkte transparenter und übersichtlicher gestaltet. Die LEI-Nummer verknüpft Unternehmen, Aufsichtsbehörden und Finanzmärkte, sodass sich letztere leichter überwachen und kontrollieren lassen. Jeder Akteur, der sich professionell mit dem Handel von Wertpapieren befasst, kann nun eindeutig identifiziert werden, sodass sich jede Transaktion zweifelsfrei zuordnen lässt. Unternehmen, die keinen LEI-Code besitzen, sind von zukünftigen Transaktionen ausgeschlossen. Damit ist anzunehmen, dass die Systematik sich Schritt für Schritt durchsetzen wird und in absehbarer Zeit sämtliche Marktteilnehmer beitreten. Schließlich sollen sich die Verwerfungen der Finanzkrise nicht wiederholen.

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  • Erstellt am 24.04.2023 - 21:23Uhr | Zuletzt geändert am 24.04.2023 - 21:41Uhr
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