Sieben populäre Mythen über Investitionen

Bild zu Sieben populäre Mythen über InvestitionenGörlitz, 3. Dezember 2021. In Görlitz sind Begriffe "Investor" und "investieren" immer wieder mal in aller Munde und viele verbinden damit große Geldsummen und komplexe Prozesse. In Wirklichkeit aber ist das Investieren heute genauso zugänglich, so einfach und in etwa so "riskant" wie der tägliche Einkauf – bei dem man ein Schnäppchen machen oder sein Portemonnaie verlieren kann. In der Praxis aber wird man auf seine Geldbörse gut aufpassen und zugleich nach den vorteilhaften Angeboten Ausschau halten.

Abb.: Man muss ja nicht gleich wie Dagobert Duck in Geld baden, aber etwas auf der hohen Kante zu haben, beruhigt ungemein
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Erfolgsfaktor Anlagedauer bedeutet: Abwarten lohnt sich in aller Regel nicht

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Sparen – worauf eigentlich? Neben größeren Anschaffungen stehen für viele die Vorsorge für unerwartete Lebensereignisse und das Alter im Mittelpunkt
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Vor diesem Hintergrund hat der Görlitzer Anzeiger die sieben häufigsten Mythen über das Investieren zusammengestellt, um Ängste und Unwissenheit abzubauen, dafür aber das Risikobewusstsein angesichts der Erfolgsaussichten zu schärfen. Immerhin besteht heute dank einfachem Zugang zu den Kapital- und Wertpapiermärkten die Möglichkeit, mit nur relativ wenigen Euro Einsatz sein Kapital zu vermehren.

Mythos 1: Investieren ist wie Lotto oder Casino spielen

"Risiko" ist das wichtigste Stichwort, um das sich die Anlagewelt dreht. Ein angemessen und möglichst realistisch bewertetes Risiko eröffnet die Möglichkeit, Geld zu verdienen; übertriebene Vorsicht verhindert, sein Vermögen zu mehren, und wer mit zu viel Risikobereitschaft agiert, steigert die Wahrscheinlichkeit enormer Verluste. Bei einem vernünftigen Risikoausgleich hat es sich in Vergangenheit auf lange Sicht gesehen noch immer gelohnt, Geld in Aktien anzulegen – auch wenn man dazu immer sagen muss, dass Entwicklungen der Vergangenheit keinerlei Garantie für zukünftige Entwicklungen darstellen. Ein Beispiel: Der S&P500-Index für US-Aktien ist unter Berücksichtigung aller Höhen und Tiefen früherer Krisen in den letzten 30 Jahren um rund 849 Prozent gestiegen, bei Reinvestition der Dividenden – wenn also die Ausschüttungen wieder angelegt wurden – sogar um 1680 Prozent.

Die Höhe des Risikos ist der vielleicht wichtigste Unterschied zwischen Investitionen in Aktien, Fonds, anderen Finanzinstrumenten und, wenn man das als kurzfristige Geldanlage sehen will, Glücksspielen: Beim Wetten in einem Casino "investieren" die Spieler in ein gemeinsames Spiel, von dem sie wissen, dass es viele Investoren und nur wenige Gewinner haben wird. Das Risiko, zu verlieren, ist daher beim Glücksspiel um ein Vielfaches größer als bei einer gut ausgewählten Investition in den Geld- oder Wertpapiermarkt.

Wer eine Aktie – meist sind es mehrere – eines Unternehmens kauft, investiert in ein reales Produktions- oder Dienstleistungsunternehmen, das Menschen beschäftigt, die Werte schaffen. In gewisser Weise wird der Aktieninvestor Teil dieses Unternehmens, dessen Wachstum allen zugutekommt – nicht nur den Aktionären, sondern auch den Mitarbeitern und Kunden, denn ohne Nutzen für diese könnte das Unternehmen keinen Erfolg haben. Natürlich besteht das Risiko, dass das Unternehmen Rückschläge erleidet oder gar vom Markt verschwindet, auch kann die Wirtschaft insgesamt stagnieren oder in eine Krise geraten. Doch nach der Krise kommt der Aufschwung, Unternehmen werden umstrukturiert oder dem Markt angepasst, wie es gerade beim Übergang der Autoindustrie zur Elektromobilitätzu erleben ist. Jedenfalls besteht nach einer Krise die realistische Chance, dass die Unternehmen wieder florieren und die Gewinne zurückkehren – im Gegensatz zu einer verlorenen Wette in einem Spielcasino, die nicht rückgängig zu machen ist.

Mythos 2: Man muss Experte sein, um zu investieren

Die Anlagewelt hat sich seit dem 20. Jahrhundert erheblich weiterentwickelt und bietet eine breite Palette an hochentwickelten Finanzinstrumenten. Trotzdem oder genau deshalb kann man auch auf relativ einfache Weise investieren. Natürlich sind Grundkenntnisse über die Investments, die man tätigen möchte, immer hilfreich. Man sollte sich nicht nur von einer einzelnen Quelle beraten lassen, sondern selbst aktiv werden, um an Informationen zu gelangen.

Soll etwa in einen Fonds oder in private Portfolios investiert werden, sollte zunächst Klarheit darüber bestehen, wie viel Geld über welche Zeitspanne hinweg investiert werden soll. Die zweite Frage ist, wie hoch die eigene Risikobereitschaft ist. Mit anderen Worten: Soll das persönliche Anlageportfolio langsam und schrittweise aufgebaut werden oder soll ein eher aggressives Anlagekonzept verfolgt werden? Eine weitere Frage ist, ob das Geld, das für die Investition vorgesehen ist, das einzige verfügbare Geld ist. Wer investiert, sollte mindestens ein Polster von drei bis sechs Monatsgehältern zur Verfügung haben.

Für einen Anleger, der in Aktien investiert, ist es gewöhnlich einfacher, sich in seinem Anlageportfolio und den Kursschwankungen zurechtzufinden, wenn er in Unternehmen investiert, die er kennt und interessant findet. Diese Unternehmen sollten nicht nur nach ihrer Erfolgsbilanz, sondern auch nach ihren Zielen, ihrer Marktposition und ihren Wachstumsaussichten bewertet und entsprechend ausgewählt werden.

Mythos 3: Man braucht Millionen, um zu investieren

Wie bereits erwähnt, hat sich der Anlagemarkt erheblich weiterentwickelt und ist für jedermann zugänglich geworden. Diese Weiterentwicklung hat auch hinsichtlich der Investitionssummen stattgefunden, denn heutzutage reichen schon ein paar Euro aus, um mit dem Aufbau eines Anlageportfolios zu beginnen.

Es gibt eine bekannte Geschichte, welche die Vorstellung widerlegt, dass sich eine Investition in Aktien nur dann lohnt, wenn man über ein großes Startkapital verfügt: Einer der berühmtesten Investoren aller Zeiten, Warren Edward Buffett, tätigte seine erste Investition im Alter von elf Jahren und kaufte nur ein paar Aktien. Indem er sein Portfolio über mehr als sieben Jahrzehnte hinweg regelmäßig aufstockte, gelang es ihm, aus diesem kleinen Vermögen als einer der reichsten Investoren und großzügigsten Philanthropen der Welt hervorzugehen.

Natürlich gab es noch andere Faktoren, die Buffetts Weg zum Milliardär beeinflussten, aber das ändert nichts an der Moral der Geschichte: Jeder kann mit dem Investieren beginnen, selbst mit kleinen Beträgen, denn ein wesentlicher Erfolgfaktor, so zeigt zumindest der Blick in die Vergangenheit, ist die Anlagedauer.

Mythos 4: Geld muss über Jahrzehnte hinweg angelegt werden

Es stimmt, dass langfristige Anlagen die Vorteile kumulierter Renditen bieten und hier die Marktvolatilität einen gewissen Ausgleich erfährt. Kurz- und mittelfristige Anlagen haben jedoch auch ihre Vorteile: Sie ermöglichen es, Marktchancen zu nutzen, indem die Anlage nach einigen Monaten oder Jahren wieder verkauft wird. Wenn also in den Aktienmarkt investiert wird, muss das Geld nicht für Jahrzehnte "eingefroren" werden, sondern es kann durch Aktienverkauf wieder zurückgegeben werden, um in andere Anlagen gesteckt oder auf andere Weise verwendet zu werden.

Langfristige Anlagen mit einer Laufzeit von mehr als fünf Jahren werden oft als erfolgversprechender bewertet, da bei diesen Investitionen die Marktschwankungen zum Entnahmezeitpunkt grundsätzlich eine kleinere Rolle spielen. Je länger die Anlagezeit ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer höheren Rendite zum Laufzeitende, was aber nicht bedeutet, dass je nach Anlage das für Investitionen verfügbare Geld nicht auch früher zur Verfügung stehen kann.

Mythos 5: Investitionen müssen rund um die Uhr überwacht werden

Spricht man mit anderen über Investitionen, taucht oft die Vorstellung auf, dass Investitionen in Wertpapiere bedeuten, die Marktschwankungen rund um die Uhr beobachten zu müssen. Diese Perspektive kann angesichts der täglich zu bewältigenden Aufgaben ziemlich entmutigend sein. Die digitale Welt hat aber auch die Investitionsüberwachung verändert: Technologie macht es heute leicht, die wichtigsten Finanznachrichten zu verfolgen und die notwendigen Entscheidungen "jetzt und sofort" zu treffen.

Im Gegensatz dazu ist es bei der Anlage in Fonds weniger erforderlich, die Wertentwicklung der im Fonds enthaltenen Unternehmensaktien ständig zu beobachten. Stattdessen ist es hier wichtig, einen zuverlässigen Fondsmanager zu wählen und die Wertentwicklung des Fonds einige Male im Jahr zu überprüfen sowie gegebenenfalls daran zu denken, die Anlage regelmäßig aufzustocken.

Mythos 6: Ich warte auf den perfekten Zeitpunkt zum Kaufen und Verkaufen

Um es gleich vorweg zu sagen: Der "ideale Zeitpunkt" für den Kauf und Verkauf von Aktien oder Fonds ist im Grunde nicht vorhersehbar. Es ist unmöglich, diese Zeitpunkte mathematisch zu bestimmen, obwohl: Mit genügend Marktkenntnis und Anlageerfahrung man sie ein Stück weit "erraten" oder "erahnen". Dennoch gibt es immer zusätzliche Faktoren, die für und zugleich gegen eine Transaktion sprechen. Auf diese Weise zu urteilen und auf die idealen Umstände zu warten, wird wohl niemals zu einer Transaktion führen – und schlauer ist man immer erst danach.

Die Empfehlung lautet, mit dem Investieren zu beginnen, wenn die finanzielle Situation es zulässt und man mit Sicherheit sagen kann, dass man bereit ist, mit dem Aktienhandel zu beginnen. Je länger und aktiver investiert wird, umso besser kann man Chancen und Risiken erkennen. Eine langfristige Anlagestrategie trägt dazu bei, nach und nach Anlageerfahrung aufzubauen, was die Erfolgsaussichten verbessert.

Mythos 7: Wer investiert, wird schnell reich werden

Leider nein. Investieren ist eine langfristige Tätigkeit, die für die Wirtschaft und den Privatinvestor persönlich Werte schafft, bringt aber sicherlich keine schnelle Verbesserung der eigenen Vermögenssituation. Wenn Aktienkurse steigen, sind viele Faktoren im Spiel, oftmals darunter eine gehörige Portion Psychologie. Großen Einfluss hat zudem das Wachstum der Unternehmen, das wiederum von mehreren grundlegenden Faktoren abhängt, so etwa von der Entwicklung der Volkswirtschaft insgesamt, die insgesamt gewöhnlich relativ langsam fortschreitet und wie in der Coronakrise auch Rückschläge erleiden kann.

Natürlich gibt es in der Welt der Investitionen Ausnahmen, bei denen einige Menschen durch wenige, glückliche Investitionen zur richtigen Zeit reich geworden sind. Aber man sollte sich hüten, wenn solche Beispiele hoher Renditen angeführt werden, um zu einer Geldanlage zu verleiten. Opfer von unseriösen Investitionen in ein "vielversprechendes" Unternehmen werden schnell leichtgläubige Anleger, die dann unter Umständen ihr investiertes Geld verlieren.

Wer also geduldig und überlegt investiert und seine Finanzen im Gleichgewicht hält, hat die Chance, Schritt für Schritt zusätzliches Vermögen aufzubauen. Fonds, die die Entwicklung mehrerer Unternehmen oder der Gesamtwirtschaft abbilden, können je nach persönlichem Risikoprofil ein guter Eistieg in die Welt der Aktien sein. Erfahrene Anleger vertrauen darauf, dass der Markt früher oder später den Geduldigen belohnt – wobei es tatsächlich um Vertrauen geht, denn eine Garantie darauf, was die Zukunft bringt, gibt es nicht.

Unter dem Strich

In vielen Ländern setzen Sparer stärker als in Deutschland auf Aktien als einen Teil des Vermögensaufbaus, etwa zur Altersvorsoge. Die entsprechenden Anlagestrategien wollen gut überlegt sein. Der Sparer steht vor dem Dilemma, sein Geld mit einem kleineren oder größeren Risiko etwa in Wertpapiere oder Sachwerte zu investieren – oder auf dem Bankonto liegen zu lassen, wo es oft genug noch Gebühren kostet und von der Inflation aufgefressen wird. So gesehen kann es ein ersprießliches Hobby sein, sich mit seinem Geld und den Möglichkeiten seiner Vermehrung näher zu beschäftigen.

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  • Quelle: red | Foto Mann mit Geld: Finance_and_investing, Pixabay License, Foto Miniaturen: wir_sind_klein / Wilfried Pohnke, Pixabay License
  • Erstellt am 03.12.2021 - 10:00Uhr | Zuletzt geändert am 03.12.2021 - 13:39Uhr
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