Görlitzer Handel im Wandel – Jugendstilkaufhaus bekommt neues Gewand
Görlitz, 8. Januar 2015. Der Handel in Görlitz hat es nicht einfach. Mit einer Arbeitslosenquote von rund zwölf Prozent ist die Kaufkraft nicht die größte. Der Landkreis Görlitz belegt den letzten Platz im bundesweiten Vergleich, wenn es um diese Zahlen geht. Viele der aktuell 55.000 Einwohner ziehen in den Westen und lassen Görlitz hinter sich. Ganz im Gegensatz zu den Touristen, die immer noch gerne die Stadt besuchen. Anders als Dresden wurde Görlitz glücklicherweise während des Krieges von Bombenangriffen nahezu verschont und kann daher immer noch mit dem Charme vergangener Jahrhunderte und einer weitestgehend erhaltenen Altstadt glänzen. Jetzt sollen die Bewohner der Stadt sowie die 32.000 im polnischen Zgorzelec lebenden Menschen durch ein neu restauriertes Einkaufscenter zum Geldausgeben animiert werden. Das seit 1913 bestehende Kaufhaus ("Jugendstil-Kaufhaus") wurde von einem Investor erworben und soll nun gründlich renoviert werden. Auf 7.000 Quadratmetern soll ein zweisprachiges Einkaufserlebnis entstehen, das auch das polnische Umfeld anspricht. So werden die Händler nicht drumherumommen, neue Werbemittel zu drucken, die sowohl in Deutsch als auch in Polnisch verfasst sind. Die Bedienung soll ebenfalls in allen Geschäften zweisprachig erfolgen.
Centerkundschaft könnte den Görlitzer Handel neu beleben

Viele Hoffnungen des Görlitzer Handels, von Dienstleistern und der Bürger verbinden sich mit der Wiedereröffnung des Jugendstil-Kaufhauses, das zum "Kaufhaus der Oberlausitz" werden soll.
Ob vom allgemeinen Zulauf auch der Handel im Umfeld des entstehenden Centers profitieren wird, hängt von den jeweiligen Geschäften und dem Vorgehen der betroffenen Händler ab. Geschäftsfelder, die auch im Center vertreten sein werden, bekommen auf jeden Fall Konkurrenz. Doch so abgedroschen es klingen mag: Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Wenn kleinere Läden ausreichend auf sich aufmerksam machen, wird die Laufkundschaft voraussichtlich auch ihnen ein Umsatzplus bescheren. Um die potentielle Kundschaft anzulocken, lohnt sich vor allem eine Mischung aus bekannten Werbemitteln und neuen Ideen. Auf klassische Printwerbung durch Broschüren, Flyer und Visitenkarten wird kaum ein Händler verzichten wollen, zumal viele Webshops inzwischen verschiedenste Druckerzeugnisse sehr günstig anbieten. Doch inwieweit die Görlitzer Händler auch neue Wege bestreiten wollen, um die Printwerbung zu ergänzen, wird man in naher Zukunft vor Ort sehen. Gut sichtbare Beachflags oder Luftballontrauben brauchen wenig finanziellen Einsatz und machen viele Menschen aufmerksam. Ist der Kunde erstmal im Laden, kann man dann mit seinem Service überzeugen. Informationen rund um den Ausbau des Kaufhauses Eröffnung frühestens 2016 Im neuen Glanz eröffnet werden soll das Kaufhaus frühestens 2016. Das Sortiment wird alles umfassen, was man von einem Warenhaus erwartet. Im Erdgeschoss sollen Besucher frische Lebensmittel finden, die überwiegend aus der Region kommen – ein weiterer positiver Effekt für das Görlitzer Umland. Jüngst richtete sich die mediale Aufmerksamkeit jedoch mehr auf den neuen Besitzer des Kaufhauses als auf die Neueröffnung des Kaufhauses selbst. Grund hierfür waren die drastischen Äußerungen des Eigentümers Winfried Stöcker zur aktuellen Asylpolitik Deutschlands. Ursprünglich war Ende letzten Jahres im Jugendstil-Kaufhaus ein Benefizkonzert zugunsten von Flüchtlingen und Asylbewerbern geplant gewesen, das Stöcker kurzfristig abgesagt hatte. Im Zuge dieser Absage kam es zu besagten Äußerungen Stöckers. Inwieweit die Berichterstattung auch das Kaufhausprojekt an sich beeinflusst, wird sich zeigen. Interessierte können sich über den gegenwärtigen Stand der Renovierungsarbeiten und über das Kaufhauskonzept auf der der Website des Projektes informieren.


Kaufkraft am Standort halten
Von Siegrun Roellig am 08.01.2015 - 22:34Uhr
Dass das Kaufhaus wieder öffnet und ein breites Spektrum der Kaufkraft anziehen soll, ist vollkommen in Ordnung. Ja, es wird wieder Zeit.
Doch wenn hier schon die Abwanderung der Bevölkerung angesprochen wird, dann doch bitte auch den Grund ansprechen. Das Kaufhaus ist das eine, es gehört zur Stadt. Doch eine vorhandene Arbeit gehört auch in die Stadt, zumindest in die nähere Umgebung, denn nicht alle wollen unbedingt weg aus ihrer Heimatstadt.
Somit liegt es in der Hand des Stadtvaters, seine Bewohner im Ort zu halten, denn dies erhöht auch die Möglichkeit, die Kaufkraft in den Geschäften am Standort zu halten.

-
Wohnungsbau im Kreis Görlitz: IG BAU fordert Impulse aus Berlin
Görlitz, 21. März 2025. Im Landkreis Görlitz gibt es rund 68.400 Wohnhäuser...
-
GmbH-Krisen meistern – Mit frühzeitiger Liquiditätsplanung und strategischem Handeln Insolvenz abwenden
Görlitz, 19. März 2025. Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung gilt in Deutschland...
-
Kochwettbewerb in Görlitz: Die besten Lehrlinge ausgezeichnet
Görlitz, 13. März 2025. Der diesjährige Oberlausitz Pokal der Kochlehrlinge wurde am ...
-
MediaKom siedelt sich in Görlitz an – 190 Arbeitsplätze geplant
Görlitz, 28. Februar 2025. Die MediaKom GmbH, ein Dienstleistungspartner des deutschen Gesundhe...
-
Maler und Lackierer im Kreis Görlitz: IG BAU fordert höhere Löhne
Görlitz, 19. Februar 2025. Die Löhne der Maler und Lackierer im Kreis Görlitz sorgen ...
- Quelle: red | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
- Erstellt am 08.01.2015 - 16:38Uhr | Zuletzt geändert am 26.02.2025 - 23:32Uhr
Seite drucken