Görlitz will Ort für Modefilme und Modefotos werden

Görlitz, 8. Juli 2014. Der Grundgedanke ist strategisch richtig: Dort, wo man erfolgreich ist, andocken und weitermachen. Görlitz als kulissen- und komparsengebende Filmstadt hat sich etabliert, warum nun nicht den Hintergrund für Modefotos liefern? Die lokale Wirtschaftsförderung in Gestalt der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH (EGZ) will hier ansetzen und dieses Potential stärker nutzen, indem sie gezielt die Aufmerksamkeit der Modebranche auf sich zieht. Deshalb zeigt sich die Neißestadt erstmals auf der Fashion Week in Berlin als "Location for Film and Fashion Industry", wie die EGZ mitteilt.

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Die Stadt hat alles: Von morbide bis Prunk

Bei der EGZ glaubt man, dass die Görlitzer Vorteile, die Filmproduzenten hervorheben, auch für die Modewelt interessant sind. So wird auf besondere und ungesehene Kulissen, auf kurze Wege und flexible Betreuung vor Ort wie auch auf ein inspirierendes deutsch-polnisches Flair verwiesen. "Die aktive Weiterentwicklung der Vermarktung in diese Richtung ist daher nur ein konsequenter Schritt“, begründet EGZ-Marketingleiterin Eva Wittig den strategischen Ansatz. In Görlitz sei im Grunde alles zu finden, vom morbiden Charme einer alten Fabrikhalle über die besondere Atmosphäre einer prunkvollen Gründerzeitvilla bis hin zu den Hausfassaden aus Gotik, Barock, Renaissance und Jugendstil.

Stadt sponsert polnisches Modelabel

Schon sind erste Foto-Shootings von deutschen und polnischen Produktionen in Görlitz verwirklicht und weisen auf das Potenzial der Stadt im Modebereich hin. Zur aktuellen Berliner Fashion Week sponsert Görlitz das polnische Label Kedziorek und stellt sich im Umfeld der Schauen als vielseitige Location vor. Die EGZ nennt auch Runway Management, einen etablierten Veranstalter in der Modebranche und seit 2009 Mitorganisator der Berlin Fashion Week, als "wichtigen strategischen und konzeptionellen Partner".

Hoffnung auf neues Wachstum


Thomas Klatte, Geschäftsführer der Europastadt GmbH, kommentiert den Schritt in Richtung Mode so: "Die aktive Vermarktung als Film- und Fashion-Location ergänzt unsere bestehenden Maßnahmen ideal. Wir hoffen, für Görlitz damit neues Wachstum ankurbeln zu können, von dem die Stadt in vielfältiger Weise profitieren kann - sowohl in Bezug auf Image und Öffentlichkeit als auch wirtschaftlich und touristisch.“

Die Strategie, so die EGZ, ist langfristig ausgelegt. Sie soll durch regelmäßig stattfindende Modeevents flankiert werden. Dazu gehört im Herbst 2015 eine große Veranstaltung im bis dahin sanierten Görlitzer Jugendstilkaufhaus, das ein weiterer wichtiger Partner der EGZ in diesem Projekt ist.

Kommentar:

Görlitz als Modestadt? Die Stadt, in der einst ein Warenhauskonzern wagte feilzubieten, was woanders nicht mehr ging - bis es bei ihm selber nicht mehr ging? Die Stadt, in der schicke Frauen aus Deutschland als Polinnen angesprochen werden?

Aber darum geht es ja gar nicht, es geht und Kulissen und Örtlichkeiten, die - um Missverständnisse auszuschließen - im Fachsprech Locations genannt werden. Und es geht um eine auf das Filmgeschäft eingespielte Verwaltung, um entgegenkommende Immobilienverwalter und flexible Dienstleister. Da kann Görlitz besser Punkten als jede deutsche Nationalmannschaft.

Nicht für die örtliche Wirtschaftsförderung hingegen spricht der Hinweis, dass die Strategie langfristig ausgelegt sei: Sonst wäre es doch keine Strategie, Kinnings! Überhaupt, wer zu oft von Strategie palavert legt die Schlussfolgerung nahe, dass auf kurze Sicht nichts passiert.

Dennoch, die Idee, Mode nach Görlitz zu holen, ist charmant und kann für Görlitz nur gut sein. EGZ-Chef Klatte hat das sehr schön formuliert,

meint Ihr Fritz R. Stänker


P.S.: Strategisch gesehen wären wir schon längst Fußballweltmeister.

Görlitz-Video zur fashion week in Berlin:

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  • Quelle: red | Foto ganz oben: mydear430 / pixabay, Foto unten: smilenesita / pixabay, beide Lizenz Public Domain CC0 (beide Fotos gelöscht)
  • Erstellt am 07.07.2014 - 22:01Uhr | Zuletzt geändert am 25.10.2019 - 14:52Uhr
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