Sachsen hat Bedenken gegen polnisches Kernenergieprogramm
Sachsen. Gegen das polnische Kernenergieprogramm hat der Freistaat Sachsen schwerwiegende Bedenken. Das geht aius einer Stellungnahme hervor, die im Rahmen des grenzüberschreitenden Strategischen Umweltprüfungsverfahrens (SUP-Verfahren) vom Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft fristgerecht an die polnischen Behörden übermittelt worden ist. Der Görlitzer Anzeiger stellt das Dokument zum Download bereit.
Nach Störfällen reichen "z.B. Kaliumiodidtabletten"?
Thema: Atomwirtschaft in der Dreiländerregion

Die sächsische CDU hatte im Jahr 2005 über ein Atomkraftwerk in Hirschfelde bei Zittau diskutiert, im Jahr 2011 wurde ein mögliches polnisches Atomkraftwerk an der Neiße zum Thema. Zehn Jahre später steht die Suche nach einem Standort für ein Atommüll-Endlager im Fokus.
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Im polnischen Umweltbericht, der nocht datiert ist, heißt es: "Allgemeine Schlussfolgerung - die Strahlung aus dem Kernkraftwerk stellt keine Gefahr während seines Normalbetriebs, bei Zwischenfällen und Auslegungsstörfåillen dar. Auch bei schwen^/iegenden Havarien, die einmal pro 1 Million Jahre passieren, beschränkt sich die Gefährdung auf den Bereich der eingeschränkten Nutzung. Außerhalb dieses Bereichs sind keine eventuellen lnterventionsmaßnahmen nach Auslegungsstörfällen erforderlich. Nach schwerwiegenden Havarien beschränken sich diese Maßnahmen, die keine langfristige Störung des normalen Lebens bewirken, z. B. Verabreichung von Kaliumiodidtabletten innerhalb eines geringen Radius um das Kraftwerk (geschätzter Radius von ca. 3 km je nachörtlichen Witterungsverhältnissen und dem ausgewählten Reaktortyp.)."
Dieser Absatz muss dem sächsischen Umweltminister Frank Kupfer besonders sauer aufgestoßen sein. Zwar erklärt er diplomatisch: "Zwar ist und bleibt es ein souveränes Recht unseres Nachbarn, sich bei der Wahl des Energieträgers auch für die friedliche Nutzung der Kernenergie zu entscheiden“, um aber hinzuzusetzen: "Allerdings müssen eine Reihe von Aussagen im polnischen Kernenergieprogramm spätestens seit den Ereignissen im japanischen Kernkraftwerk Fukushima überprüft werden."
Laut Kupfer treffe das insbesondere auf die Annahme zu, dass schwerwiegende Havarien nur einmal in einer Million Jahren zu erwarten seien. Ebenso sei die Aussage zu überprüfen, dass die Verabreichung von Kaliumiodidtabletten in einem Umkreis von drei Kilometern um eine havarierte Anlage ausreiche, um nach schwerwiegenden Havarien ‚Störungen des normalen Lebens’ abzuwenden.
Kupfer macht klar, dass die vorliegenden Unterlagen eine fundierte fachliche Stellungnahme über mögliche Umweltauswirkungen auch auf den Freistaat Sachsen nicht zulassen: „Eine so konkrete Bewertung kann erst erfolgen, wenn im Rahmen eines späteren Verfahrens auch Informationen über den gewählten Standort, den Reaktortyp sowie dessen Leistung vorliegen“. Sachsen erwarte jedoch, dass die polnische Seite ein Kernkraftwerk nur nach dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik errichten werde.
Mit seiner Stellungnahme hat das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft auch das Angebot zur Teilnahme an bilateralen Konsultationen mit Polen angenommen. Kupfer will die Gespräche nutzen, um "der polnischen Seite unseren Standpunkt zu verdeutlichen.“
Kommentar
Man muss die polnische Seite verstehen: Um die Kohlendioxid-Emissionen aus der verbreiteten Kohleverstromung zu senken, müssen alternative Quellen für die Stromerzeugung erschlossen werden. Dafür ist Kernenergie ein Option.
Genau an dieser Stelle hört bei den Überlegungen aber der Wahlfreiheit auf - die Kernenergie birgt zwar tatsächlich nur ein geringes quantitatives Störfallpotenzial, das aber bei unbeherrschbaren Folgen. Hinzu kommen ungelöste Probleme wie Endlagerung und Brennelemente-Transportrisiken.
Besonders verwunderlich ist aber, dass die polnische Seite auf "schwerwiegende Havarien einmal in einer Million Jahren verweist" - angeblich nur in einem "Bereich der eingeschränkten Nutzung". Und im Falle eines Falles werden drei Kilometer um einen Unglücksreaktor Kaliumiodidpillen - die die Aufnahme radioaktiven Iods in der Schilddrüse stark vermindern - abgegeben. In Deutschland werden solche überdosierten Tabletten in Gemeinden im Umkreis kerntechnischer Anlagen vorgehalten, in der Schweiz beispielsweise direkt bei den Bewohnern im 20-Kilometer-Radius. Harmlos sind die Tabletten nicht: Bei über 45-jährigen wird das Risiko zur Auslösung einer Schilddrüsenüberfunktion überwiegend größer eingeschätzt wird als der positive Effekt des Schutzes vor der Strahlenbelastung.
Kernkraft ist nicht gut, eine Einstieg in die Kerntechnologie durch Verharmlosung erst recht nicht,
meint Ihr Fritz R. Stänker
Download!
Stellungnahme des SMUL zu Kernenergieprogramm Polens


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- Quelle: red
- Erstellt am 02.01.2012 - 09:01Uhr | Zuletzt geändert am 02.01.2012 - 09:52Uhr
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