Bundestagsmitglied Gunkel für Theater Zittau
Zittau. Mit einem dem Görlitzer Anzeiger vorliegenden Schreiben vom 8. Dezember 2011 wendet sich Wolfgang Gunkel, Sprecher der Landesgruppe Sachsen in der SPD-Bundestagsfraktion, an die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Prof. Dr. Dr. Sabine Freifrau von Schorlemer. Er beschreibt die Sorge vieler Bürger um den Erhalt des Zittauer Gerhart-Hauptmann-Theaters und fordert, "die Kürzungen im Kulturraumetat zurückzunehmen und im kommenden Doppelhaushalt zusätzlich einen Inflationsausgleich einzustellen". Ferner hat er den Wortlaut einer "Bürgeranfrage: Ich möchte nicht auf den letzten Vorhang warten!", die als Massenbrief verschickt wird, seinem Schreiben beigefügt.
Der Inhalt der Dokumente
Thema: Theater

Wenn man über die Theaterlandschaft der Oberlausitz spricht, führt kein Weg am Gerhart-Hauptmann-Theater (GHT) vorbei.
Das Schreiben vom 8. Dezember 2011 an Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst lautet:
Sehr geehrte Frau Staatsministerin,
wie Ihnen sicher bekannt ist, stehen die Theater und Orchester sowie insgesamt die Kulturschaffenden im Freistaat Sachsen vor einer großen Belastungsprobe. Die indirekten Kürzungen im Kulturraumetat von 3, 1 Millionen Euro in Folge der Eingliederung der Landesbühnen können vorrangig nur durch Personalabbau und Gehaltskürzungen bei den Künstlern und dem technischen Personal kompensiert werden. Hier im Landkreis Görlitz gehen die Verantwortlichen des Gerhart–Hauptmann–Theaters Görlitz-Zittau davon aus, dass ein Abbau von ca. 24 Mitarbeiterstellen konkret im Zittauer Theater notwendig wird. Bittere Konsequenz daraus ist eine drastische Reduzierung des Spielplans.
In Sorge um den Erhalt des Zittauer Gerhart-Hauptmann-Theaters erreichen mich unzählige Anschreiben von Bürgerinnen und Bürgern aus der Region und anderen Bundesländern Deutschlands.
Da ich davon ausgehe, dass es Sie als zuständige Staatsministerin interessiert, welche Bedeutung das traditionsreiche und älteste Stadttheater Ostdeutschlands für die Menschen hat und anzunehmen ist, dass der Inhalt der Anschreiben große Ähnlichkeiten mit den Positionen der Bürgerinnen und Bürger anderer Kulturräume Sachsens aufweist, sende ich stellvertretend für die vielen Zuschriften ein Beispiel zu Ihrer Kenntnisnahme.
In den „Massenbriefen“ werden grundsätzlich Positionen vertreten, die seit Jahren Grundlage meiner kulturpolitischen Haltung sind. Aus meiner Sicht schadet der Eingriff in den Kulturetat der Entwicklung der ohnehin schon strukturschwachen Region und darüberhinaus nimmt insgesamt das Kulturland Sachsen schweren Schaden. Das Markenzeichen für Bildung und Weltoffenheit sowie ein Magnet für die Tourismusbranche wird schwer beschädigt.
Fakt ist auch, dass die Lebensqualität leidet und durch Einsparungen am sogenannten weichen Standortfaktor der Freistaat als Wirtschaftsstandort und für den Zuzug von hochqualifizierten Fachkräften am guten Ruf einbüßt.
Deshalb fordere ich Sie auf , die Kürzungen im Kulturraumetat zurückzunehmen und im kommenden Doppelhaushalt zusätzlich einen Inflationsausgleich einzustellen.
Über eine möglichst zeitnahe Stellungnahme zu diesem Schreiben wäre ich in Anbetracht der aktuellen Debatte dankbar.
Mit freundlichen Grüßen
(gezeichnet Wolfgang Gunkel)
Sprecher der Landesgruppe Sachsen in der SPD-Bundestagsfraktion
stellvertretender Vorsitzender, Parlamentarischer Beirat der Stiftung für das sorbische Volk
Der Beispielbrief der "Massenpost" hat folgenden Inhalt:
Bürgeranfrage: Ich möchte nicht auf den letzten Vorhang warten!
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großer Bestürzung habe ich in den vergangenen Tagen den Medien entnommen, dass im Mai 2012 durch den Kreistag des Landkreises Görlitz ein neues Sparprogramm verabschiedet werden soll. Nach den bekannt gewordenen und bisher nicht dementierten Plänen werden dabei insbesondere das Zittauer Theater und sein Ensemble und also wir Bürgerinnen und Bürger aus Zittau und Umgebung die Leidtragenden sein.
Ich bitte Sie höflich, bei den zweifellos notwendigen Einsparungsplänen folgendes dringend zu beachten:
1. Gerade in einer strukturschwachen Region wie der unseren ist das Theater nicht nur ein unverzichtbarer Identifikationsort, sondern ein wichtiger Generator von Lebensqualität.
2. Gerade in Zeiten des demografischen Wandels ist das Theater ein unverzichtbarer Vermittler von Bildung für die hier aufwachsenden Kinder und Jugendlichen. Kürzungen beim Theater beschneiden direkt die Möglichkeiten sowohl unserer jungen Eltern als auch unserer Schulen und der Hochschule Zittau/Görlitz zur Vermittlung kultureller, insbesondere auch sozialer Kompetenz.
3. Das Theater ist wichtiger Wirtschaftsfaktor der Stadt Zittau und der gesamten Region. Im Vordergrund stehen dabei noch nicht einmal die gefährdeten Arbeitsplätze in der Theater GmbH, sondern besonders die zahlreichen, von einem schleichenden Sterben des Theaters betroffenen, Dienstleistungsbetriebe von der Reinigungsfirma bis zur Druckerei.
4. In einer mehr und mehr vom Tourismus abhängigen Region bedeutet der Wegfall des Theaters einen empfindlichen Nachteil im Ringen um touristische Übernachtungsgäste. Gerade zahlungskäftige, kulturaffine Touristen sind es jedoch, welche wir hier am dringendsten benötigen.
Sehr geehrte Damen und Herren, die geplanten Kürzungen bedeuten für unser Theater einen langsamen Tod auf Raten. Ich möchte Sie bitten, sich persönlich dafür einzusetzen, dass alles menschenmögliche getan, jede noch so kleine Option sorgfältig geprüft wird, dass im Theater Zittau nicht über kurz oder lang der letzte Vorhang fallen muss!!!
Ich freue mich auf Ihre Antwort!
Mit freundlichen Grüßen



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- Quelle: red
- Erstellt am 15.12.2011 - 22:25Uhr | Zuletzt geändert am 15.12.2011 - 22:45Uhr
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