Ein Ausbildungsangebot für jeden Jugendlichen in Sachsen

Dresden. Mit dem Bündnis für Ausbildung 2006 hat sich das Kollegium "Lehrstellen und Fachkräfte für Sachsen" auch in diesem Jahr verpflichtet, jedem Jugendlichen ein Ausbildungsangebot zu unterbreiten. Die gemeinsame Initiative von sächsischer Wirtschaft, Gewerkschaften, Kammern, Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit und der sächsischen Staatsregierung hat auf seiner heutigen Tagung zudem beschlossen, einen "Dialog für eine sächsische Berufsbildungsinitiative" zu beginnen, der neue Impulse für das duale Ausbildungssystem geben soll.

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Kollegium "Lehrstellen und Fachkräfte für Sachsen" beschließt Bündnis für Ausbildung 2006

"Betriebliche Ausbildung ist das bewährte und unverzichtbare Instrument zur Qualifizierung der künftigen Facharbeiter, auf die alle Unternehmen angewiesen sind", so Hartmut Paul, Präsident der IHK Dresden. "Chancen für die jungen Auszubildenden sind auch echte Chancen für sächsische Unternehmen, auch wenn einzelne Unternehmen da noch einen Lernprozess vor sich haben. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, betriebliche Ausbildung besser als bisher als Grundlage der Fachkräftesicherung für die Wirtschaft zu stärken."

Karl Peter Fuß, Chef der Regionaldirektion Sachsen der BA: "Kein Jugendlicher darf ohne Perspektive bleiben. Das ist ein klarer Grundsatz des Kollegiums. Jeder muss ein Angebot erhalten, das ihn persönlich auf dem Weg in eine berufliche Perspektive voranbringt. Insbesondere muss das Angebot an Lehrstellen aus der Wirtschaft erhöht werden. Dies erfordert ein enges Zusammenwirken zwischen Wirtschaft, Sozialpartnern, dem Freistaat Sachsen und den Agenturen für Arbeit in Sachsen."
Trotz eines Rückganges der Bewerber um 2.442 ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt weiterhin angespannt. Derzeit stehen 45.653 Bewerberinnen und Bewerbern 13.857 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen gegenüber, 28 mehr als im Vorjahr. Das ergibt ein Verhältnis von 3,3 zu 1.
Es zeichnet sich ab, dass bereits ab 2010 die Zahl der Schulabgänger nicht mehr ausreicht, um die Altersabgänge der sächsischen Wirtschaft auszugleichen. "Die Betriebe müssen daher langfristig denken und schon jetzt mehr in die Ausbildung ihres Nachwuchses investieren", so Fuß weiter.

Mit neuen Förderprogrammen will Sachsens Wirtschafts- und Arbeitsminister Thomas Jurk zusätzliche betriebliche Ausbildungsplätze unterstützen, die insbesondere benachteiligten Bewerbern zugute kommen sollen. "Bei der betrieblichen Ausbildung von Bewerbern mit schlechten Lernergebnissen gibt es eine hohe Zahl von Abbrechern. Da müssen wir ansetzen, beispielsweise mit einer früheren Berufsorientierung und der Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit junger Menschen", so Jurk. "Wirtschaft und Gesellschaft haben sich verändert. Mit dem `Dialog für eine sächsische Berufsbildungsinitiative` wollen Vorschläge wir erarbeiten, wie das duale Ausbildungssystem zukunftsfähig gemacht werden kann. Gefragt sind künftig mehr praktisch Ausgebildete mit akademischen Abschlüssen. Das heißt, wir brauchen eine betriebliche Ausbildung auf höherem Bildungsniveau."

Der Vorsitzende des Kollegiums, Wolfgang Rühlig, Präsident der Handwerkskammer Chemnitz, verweist auf die erhebliche Ausbildungsleistung des Handwerks. "Die Ausbildungsquote im Handwerk liegt trotz anhaltendem Beschäftigungsabbau seit Jahren stabil bei 10 Prozent. Das Handwerk kommt damit seiner Ausbildungsverantwortung weit über dem eigenen Bedarf nach."
Joachim Dirschka, Präsident des Sächsischen Handwerkstages, sieht jedoch auch Schwierigkeiten der Handwerksbetriebe, die Ausbildungsstellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Den Grund sieht er in den zum Teil gravierenden Mängeln der schulischen Leistungen. "Es ist zwar bedauerlich, aber wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass nicht jeder Jugendliche ausbildungsbereit ist", so Dirschka.

"Die sächsischen Berufsschulzentren unternehmen weiterhin große Anstrengungen, um das Lehrstellenangebot der Wirtschaft zu ergänzen", so Kultusminister Steffen Flath. "Insbesondere im kooperativen Landesergänzungsprogramm haben die Berufsschulzentren sich für ein neues Ausbildungsmodell sehr weit in die Pflicht nehmen lassen, das trotz seiner schulischen Organisationsweise mit einer Kammerprüfung in einem anerkannten Ausbildungsberuf abschließt und umfangreiche betriebliche Praktika enthält."

Prof. Frieder Sieber, Vizepräsident der Vereinigung der sächsischen Wirtschaft, sieht die sächsische Metall- und Elektroindustrie auf Wachstumskurs. Seit 1997 ist hier ein durchschnittliches jährliches Beschäftigungswachstum von über 3,5 Prozent zu verzeichnen. Dadurch wurden rund 30.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. "Dies ist die Grundlage für eine höhere Ausbildungsleistung. Die Lehrstellen in den Metallberufen verzeichnen in den letzen Jahren ein stetiges Wachstum und sind inzwischen das stärkste Berufsfeld der betrieblichen Ausbildung im Freistaat."

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  • Quelle: /SMWA /Kollegium "Lehrstellen und Fachkräfte für Sachsen"
  • Erstellt am 12.07.2006 - 21:02Uhr | Zuletzt geändert am 12.07.2006 - 21:05Uhr
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