Herrnhuter Siedlungen als UNESCO-Welterbe anerkannt
Görlitz, 30. Juli 2024. Die Siedlungen der Herrnhuter Brüdergemeine, dem Vereinigten Königreich und den USA wurden in die Welterbeliste aufgenommen. Zusammen mit Christiansfeld in Dänemark, das bereits 2015 ausgezeichnet wurde, gehören diese Stätten der evangelischen Glaubensgemeinschaft nun zum Weltkulturerbe. Dies beschloss das UNESCO-Welterbekomitee auf seiner derzeit in Neu-Delhi, Indien, stattfindenden Sitzung. Deutschland zählt damit insgesamt 53 Welterbestätten.
Der Kirchensaal bietet Platz für etwa 600 Menschen.
© Deutsche UNESCO-Kommission
Zeugnis internationaler Zusammenarbeit
Anfang der 2000er Jahre rettete ein Verein das 1721 errichtete Berthelsdorfer Schloss vor dem Verfall.
© Deutsche UNESCO-Kommission
Deutschlands Botschafterin bei der UNESCO, Kerstin Pürschel, unterstrich die Bedeutung dieser internationalen Anerkennung: „Die gemeinsame Einschreibung ist ein schönes Zeugnis erfolgreicher Zusammenarbeit von Vertragsstaaten der Welterbekonvention. Diese Welterbestätte erinnert uns zudem daran, dass Bildung, Solidarität und Inklusion neben der Bewahrung und dem Schutz des Welterbes auch heute für unsere Gesellschaften eine besondere Verpflichtung bleiben.“ Pürschel hob hervor, dass bei der UNESCO intensiv und weltweit gemeinsam an diesem Auftrag gearbeitet werde.
Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, zeigte sich ebenfalls erfreut über die Entscheidung des Welterbekomitees: „Die Siedlungen der Herrnhuter Brüdergemeine stehen für den kulturellen und geistigen Austausch über Ländergrenzen und Kontinente hinweg. Sie sind in Vielfalt vereint und damit ein Sinnbild für die Welterbeidee. Dass sich vier Staaten gemeinsam für diese Auszeichnung eingesetzt haben, ist ein starkes Zeichen! Ich hoffe, dass diese besondere Welterbestätte ihre verbindende Wirkung noch lange entfalten wird.“
Einheitlicher Städtebau mit regionalen Besonderheiten
Die Siedlungen der Herrnhuter Brüdergemeine wurden überall nach denselben Grundsätzen geplant und zeichnen sich dennoch durch regionale Besonderheiten aus. Der einheitliche Städtebau und die schlichte Architektur spiegeln die Ideale der Religionsgemeinschaft und ihre gemeinschaftsorientierte Lebensweise wider. Zu der nun gekürten transnationalen Welterbestätte gehören die charakteristischen Siedlungen Christiansfeld in Jütland, Bethlehem in Pennsylvania, Gracehill in Nordirland und Herrnhut in Sachsen. Letztere markiert den Anfang der Siedlungsgeschichte im 18. Jahrhundert.
Graf Nikolaus Ludwig Zinzendorf, sächsischer Hof- und Justizrat, spielte eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der Herrnhuter Siedlungen. 1722 bot er den ersten Glaubensflüchtlingen aus Mähren auf seinem Gut Berthelsdorf, etwa 70 Kilometer von Dresden entfernt, Schutz. Der Zufluchtsort „unter des Herrn Hut“ in der Oberlausitz wurde so zur Keimzelle der Brüdergemeine.
Bedeutende Prinzipien und architektonische Einflüsse
Die Prinzipien der Herrnhuter Brüdergemeine prägen ihre Siedlungen bis heute weltweit. Viele Gotteshäuser der Gemeinschaft sind dem Herrnhuter Kirchensaal nachempfunden: Ohne Kanzel, ohne Altar, ganz in Weiß gehalten. Auf dem Gottesacker, dem Friedhof der Stadt, symbolisieren einfache, flach auf dem Boden liegende Grabsteine die Gleichheit der Menschen vor Gott. Der Herrnhuter Barock, ein betont schlichter Baustil, brachte sogar eine eigene Maßeinheit hervor, die die Brüdergemeine weltweit verbindet: Türen aus dem Berthelsdorfer Schloss passen problemlos in Gebäude der Herrnhuter in den USA oder Dänemark.
Hintergrund der UNESCO-Tagung
Das UNESCO-Welterbekomitee tagt vom 21. bis 31. Juli in Neu-Delhi. Es setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen und entscheidet jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste. Zudem befasst es sich mit dem Erhaltungszustand eingeschriebener Stätten. Derzeit verzeichnet die UNESCO-Welterbeliste über 1.200 Kultur- und Naturstätten in 168 Ländern. Deutschland stellt dabei 53 Welterbestätten.
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- Quelle: red / PM Deutsche UNESCO-Kommission
- Erstellt am 29.07.2024 - 10:16Uhr | Zuletzt geändert am 30.07.2024 - 06:24Uhr
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