Weshalb man den Schlesischen Christkindelmarkt zu Görlitz besuchen sollte

Görlitz, 18. Dezember 2016. Mal unter uns: Ohne den Charme der Polinnen (unerreicht, Sie wissen ja) wäre Görlitz – trotz all des schönen Marketing-Geldes – gar nicht das, was es jetzt vorzustellen glaubt. Das quod erat demonstrandum liefert auf dem Schlesischen Christkindelmarkt Angelina Was mit ihren Krakauer Krippen. Aber genau deshalb sollte man am heutigen Sonntag seine letzte diesjährige Chance zum Marktbesuch in Görlitz nutzen.
Abbildung: Wie filigran und detailverliebt! Die Krakauer Krippen gibt es in unterschiedlichen Größen. Entstanden sind sie aus den zwischenzeitlich von der Kirche verbotenen Puppenspielerkrippen – gar zu weltlich und satirisch waren die Stücke, die hier zur Aufführung kamen. Im 19. Jahrhundert waren diese Krippenspiele den Krakauer Maurern vorbehalten, die sich damit im Winter ein Zubrot verdienten. Vielleicht kommt daher die Anlehnung an die Krakauer Architektur.

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Drei Besonderheiten des Görlitzer Weihnachtsmarktes

Da ist zunächst diese kleine Hütte mit den Krakauer Krippen auf dem Görlitzer Weihnachtsmarkt, die ihn so besonders macht. Hier spürt man, dass jemand mit ganzem Herzen dabei ist und sich vor allem darüber freut, dass die Krippen nun eine Heimstatt in den Wohnungen finden.

Zweite Besonderheit ist die "17 Tage ! 17 Essen" Aktion des Fördervereins Kulturstadt Görlitz Zgorzelec und der Görlitzer Kulturservicegesellschaft. Hier wird füreinander gekocht und für den guten Zweck gegessen.

Als Drittes sind die Open-Air-Gottesdienste und die Andachten auf dem Markt zu nennen. "Wir legen besonderen Wert auf die Vermittlung der Weihnachtsgeschichte...", ist auf der Webseite des Görlitzer Marktes zu lesen und "Die Vermittlung der christlichen Weihnachtsbotschaft ist zentraler Bestandteil des Marktes". Entsprechend werden Andachten und Gottesdienste durchgeführt.

Da allerdings kratzt sich der aufgeklärte Bürger am Kopf: Wird hier missioniert, sind Staat und Kirche nicht getrennt? In Deutschland jedenfalls nicht so astrein, wie man glauben sollte, wenn man beispielsweise an die staatliche Kirchenfinanzierung, aber auch die Milliardenvermögen mancher Bistümer denkt. Interessant ist eine Gerichtsentscheidung aus dem Jahr 1990 in Ohio, nach der das Weihnachtsfest und die Darstellung der Krippenszene säkular, also kirchenunabhängig seien, weil weltweiter Kulturbestandteil. Bibellesen und Andachten hingegen seien eindeutig christlich-religiös. Was also Gottesdienste auf einem städtischen Weihnachtsmarkt verloren haben, darf schon hinterfragt werden, immerhin sind rund drei Viertel der Bevölkerung in Sachsen keine Christen, können jedoch mit Weihnachten sehr wohl etwas anfangen. Aber vielleicht ist die Webseite des Görlitzer Marktes da ein wenig hinter der Zeit, ist doch (Stand 18. Dezember 2016 morgens) im Impressum zu lesen "Redaktionsstand: 16. September 2015." Zum Glück sind Programmänderungen vorbehalten.

Woher kommt das Weihnachtsfest?

Das heutige christlich geprägte Weihnachten hat sein Wurzeln vermutlich in heidnischen Sonnenwendfeiern und wurde im alten Rom, das Christentum war Staatsreligion geworden, zum staatlichen Feiertag gemacht. Schon damals wurde von einer "Zeit des auffälligen Konsums und unbeschreiblicher Orgien" berichtet, wie die The Buffalo News vom 22. November 1984 in vielen Internetquellen zitiert wird. Es scheint sich also wenig geändert zu haben.

Wir leben in einer Zeit, in der sich die Weihnachtsmärkte ein Wettrennen an mit Umsatzzielen verbundener Attraktivität liefern, um meist letztlich doch nur immer wieder die abgeguckten Ideen zu verwirklichen. Ein Rundfunksender hat dazu sogar ein "Ranking" aufgestellt, besser kann man die Kommerzialisierung der Weihnachtszeit und des Heiligen Abends nicht zum Ausdruck bringen. Kommt im neuen Jahr das Ranking der andächtigsten Andachten?

Schnell noch hingehen!
Schlesischer Christkindelmarkt Görlitz,
nur noch heute, am 18. Dezember 2016, von 11 bis 20 Uhr.

Den Redaktionsstand des Görlitzer Anzeigers vom 14. Dezember 2015 erfahren Sie hier!
Weihnachtsmarkt in Görlitz

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  • Quelle: TEB | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 17.12.2016 - 20:25Uhr | Zuletzt geändert am 18.12.2016 - 09:26Uhr
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