Drei Führungen
Görlitz-Zgorzelec. Seit 1982 erinnert jährlich am 18. April der von ICOMOS (International Council on Monuments and Sites – internationaler Denkmalrat) in Zusammenarbeit mit der UNESCO ins Leben gerufene Internationalen Denkmaltag an die Bedeutung unseres historischen Bauerbes. Gleichzeitig will ICOMOS den Blick auch auf die weltweiten Bemühungen zur Rettung der gefährdeten Kulturgüter lenken. Der Internationale Denkmaltag gilt vor allem im Ausland, insbesondere in Übersee und der Dritten Welt, als Anlass, auf Denkmäler und historische Stätten sowie auf die erforderlichen Anstrengungen zu Ihrer Erhaltung öffentlichwirksam hinzuweisen.
Internationaler Denkmaltag am 18. April 2007
Auch in Görlitz nutzt die Denkmalschutzbehörde seit vielen Jahren diesen Tag, um im Rahmen von Führungen besondere Denkmale, Gebäudetypen und Stadtteile vorzustellen. Auch diesmal konnten hierzu wieder fachkundige Görlitzer gewonnen werden, die in drei Führungen neue Einblicke in unseren vielfältigen Denkmalbestand und die (bauliche) Entwicklung der Stadt gewähren.
Schon vor dem Ende des Ersten Weltkriegs hatte man sich in Görlitz beim Bau der Evangelischen Kreuzkirche deutlich von historischen Stilvorgaben gelöst, ohne jedoch vollständig auf architektonische Traditionen zu verzichten. Die damit eingeleitete Hinwendung zu einer klaren und sachlichen Architektursprache setzt sich auch in den 1920er Jahren fort. Hauptaufgabe zu dieser Zeit war vor allem der Wohnungsbau, der zumeist in kommunaler oder genossenschaftlicher Hand lag. Mit bezahlbaren Wohnungen sollte den sozialen Folgen von Krieg und wirtschaftlichem Zusammenbruch begegnet werden. Es sollten Unterkünfte mit funktionalen Grundrissen und einfachem, bis dahin jedoch oftmals nicht üblichen Komfort entstehen. Diese wurden den zukünftigen Bewohnern zu einem moderaten Mietzins überlassen. Viele Fassaden dieser Wohnungsbauprojekte wurden mit deutlich ablesbaren architektonischen Anspruch gestaltet. Ein weiterer Augenmerk lag auf der Durchgrünung der Straßenzüge und der rückwärtigen Flächen.
Die damals erreichte Wohnqualität und das Wohnumfeld erfahren auch heute noch eine große Akzeptanz durch die Bewohner. Dennoch sind gerade in Görlitz im Rahmen des Stadtumbaus viele der damals entstandenen Bauten stark gefährdet oder sogar schon dem Abriss zum Opfer gefallen. Dr. Andreas Bednarek lädt um 10.00 Uhr zu einem Rundgang durch Teile der Südstadt ein. Treffpunkt ist an der Kreuzkirche, Erich-Mühsam-Straße 1.
Der ehemalige Görlitzer Stadtteil Moys - das heutige Ujazd - am östlichen Ufer der Neiße ist vor allem durch die hier 1757 ausgetragene Schlacht von Moys bekannt geworden. Beim Rückzug der preußischen Armee nach deren Niederlage in der Schlacht von Kolín stellten ihnen die Österreicher bis hierher nach, um schließlich die Kampfhandlung zu eröffnen. Der preußische General Hans Karl von Winterfeldt erlitt damals eine tödliche Verwundung und verstarb einen Tag später in Görlitz. Sein Korps musste sich zurückziehen.
Da sich das Ereignis nun zum zweihundertfünfzigsten Mal jährt, bietet Dr. Ernst Kretzschmar einen Spaziergang nach Moys an. Das im frühen 14. Jahrhundert erstmals erwähnte Dorf erfuhr mit dem Anschluss an die Bahnlinie nach Kohlfurt 1847 und der bald darauf einsetzenden großen räumlichen Ausdehnung von Görlitz einen grundlegenden Wandel. Das beschauliche Bauerndorf bekam damals den Charakter einer Vorstadt. Unter anderem wurden Straßenzüge mit kleineren Villen angelegt und auch Produktionsbetriebe wie die der Kofferfabrik Arnade errichtet. Diese Entwicklung mündete schließlich 1929 in der Eingemeindung nach Görlitz. Bekannt war Moys auch als einer der Görlitzer Militärstandorte. Nach Hans Karl von Winterfeldt benannt, entstand hier in den 1930er Jahren ein umfangreicher Kasernenkomplex mit Gemeinschafts-, Wohn- und Wirtschaftsbauten. Viele dieser Gebäude sind mittlerweile zu zivilen Wohnzwecken umgebaut.
Jedoch wurden nicht alle dörflichen Strukturen zerstört, sonder oftmals lediglich überlagert. So ist das in Neißenähe gelegene Niedergut mit seinem barocken Herrenhaus noch heute ein Zeugnis vormoderner Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen.
Die Führung mit Dr. Ernsdt Kretzschmar beginnt um 13.00 Uhr. Treffpunkt ist in Zgorzelec vor dem Dom Kultury. Bitte denken Sie an Ihren Personalausweis.
Nachdem sich bereits 1847 in Görlitz die erste nachmittelalterliche jüdische Gemeinde gegründet hatte, konnte 1853 der erste Synagogenbau an der Langenstraße geweiht werden. Schon 1849 hatten die Gemeindevertreter ein Grundstück an der Biesnitzer Straße erworben, um hier einen eigenen Friedhof mit den erforderlichen Gebäuden - wie etwa einer Feierhalle - zu errichten. Die seit dieser Zeit angelegen Gräber sind weitgehend erhalten. Dies liegt daran, dass für jüdische Gräber die Unantastbarkeit der Totenruhe gilt und die Grabstellen nicht wie bei vielen anderen Friedhöfen nach einer gewissen Ruhezeit abgeräumt werden. Auch blieb der Görlitzer Friedhof von Vandalismus oder systematischer Zerstörung während der NS-Zeit verschont.
Da sich der jüdische Totenkult deutlich von christlichen Bräuchen unterscheidet, hat sich dies auch in einer anderen Begräbnis- und Erinnerungskultur niedergeschlagen. Grabmale, Inschriften und Symbole haben ihre eigene Sprache, die sich Außenstehenden oft nicht automatisch erschließt. Erst seit dem späteren 19. Jahrhundert halten mit zunehmender Assimilierung vieler Juden auch bürgerliche Repräsentationsformen christlicher oder kommunaler Friedhöfe Einzug. Dies ist auch in Görlitz zu beobachten.
Ines Anders, Mitarbeiterin der Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur, möchte diesen besonderen Ort anlässlich des Internationalen Denkmaltags vorstellen. Die Führung mit Ines Anders beginnt um 15.00 Uhr, Treffpunkt ist der Eingang des Jüdischen Friedhofs. Männliche Teilnehmer benötigen eine Kopfbedeckung.


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- Quelle: /red
- Erstellt am 17.04.2007 - 09:57Uhr | Zuletzt geändert am 17.04.2007 - 10:02Uhr
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