So ändert sich das Freizeitverhalten

Görlitz, 10. März 2016. "Die Jugend heutzutage ist auch nicht mehr das, was sie mal war", hört man oft von Älteren. Die sind nämlich der festen Überzeugung, dass sie in jungen Tagen viel aktiver waren, mehr erlebt und geschafft haben - und selbstverständlich auch besser erzogen worden sind. Ist da was dran?

Abbildung: War Jugend nicht schon immer etwas anders als die Eltern?

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Gibt es bei der Jugend einen Werteverfall?

Über die seit tausenden von Jahren anhaltenden Klagen der Älteren über den "Werteverfall" bei den Jugendlichen gibt es viele nachgewiesene Zitate - nur komisch, selbst die ganz alten Kritiken an den Jüngeren würden auch in unsere Zeit passen. Das kennt wohl jeder: Senioren werden nicht müde zu betonen, dass bei Ihnen noch "Zucht und Ordnung" herrschte, die Lehrer Autorität genossen und strenge Tischsitten herrschten.

Lassen wir sie schmunzelnd bei ihrer Meinung und fragen lieber:

Was ist an der heutigen Jugend wirklich anders?


Dass etwas anders ist, sieht man schon auf den ersten Blick im Straßenbild: Viele junge Leute erscheinen heute - gelinde gesagt - deutlich besser genährt als noch vor ein oder zwei Generationen. Damals gab es in jeder Schulklasse in der Regel einen, der dick war, heute sind es gewöhnlich mehrere.

Der Begriff "Couchpotatoes" (wörtlich Sofakartoffeln, im übertragenen Sinne Stubenhocker) hat längst die Runde gemacht. In der Tat sind es wohl Computerspiele und inzwischen das Internet, die junge Leute dazu verleiten, sich kaum noch zu bewegen, aber dafür mit junk food (schlechtem und süßem Essen, Fertignahrung und Süßgetränken) vollzustopfen. Dieses Überangebot an Energie kann der Körper nur noch in Fett umsetzen.

Dank leistungsfähiger Internetvernetzung wird nicht einmal mehr das Haus verlassen, wenn man spielen will - Mitspieler gibt’s schließlich im Internet. Hier ist die Zahl der Spielangebote in den letzten Jahren explodiert, Rollenspiele, Geldspiele oder das Setzen mit einem Sportwetten Bonus ziehen viele Menschen tagtäglich in ihren Bann.



Video: Dicke Kinder werden immer mehr


Auch Kulturanbieter spüren die Veränderung. Konzerten und anderen Veranstaltungen schwinden die Besucher, weil die Jugend immer öfter vom Sofa aus per Internet und in den social networks am Leben teilnimmt.

Gewarnt werden muss an dieser Stelle aber davor, der heutigen Jugend einen "Werteverfall" zu unterstellen. Werte verfallen ja nicht abstrakt, sondern sie werden durch neue Werte abgelöst. So scheint es, als ob die Rangordnung unter Jugendlichen, die früher notfalls mit einer ordentlichen Rauferei geklärt wurde, in bestimmten Kreisen heute viel mehr durch erreichte Levels oder Gewinne im Internet geregelt wird.

Auch muss man es akzeptieren, dass junge Leute die Ihnen gebotenen Möglichkeiten des Internets nutzen. Mehr denn je ist aber der bewusste Umgang damit gefragt. Reduziert sich die Freizeit allein auf den Konsum elektronischer Medien, auf Computerspiele und das Agieren in den Sozialen Netzwerken ohne persönliche Kontakte in der realen Welt, sollten Eltern oder Freunde einschreiten.

Dennoch wird heute die enge Verbandelung der Jugend mit der Computerwelt als selbstverständlich angesehen, die Gamer (deutsch etwa "Computerspieler") sind Teil der Jugendkultur. Und auch für Erwachsene ist es längst normal, einen Teil der Freizeit im Internet zu verbringen.

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  • Quelle: red | Foto Hippiemädchen: tookapic, Foto zwei Mächen: jolier, beide pixabay, Lizenz CC0 Public Domain
  • Erstellt am 10.03.2016 - 13:32Uhr | Zuletzt geändert am 10.03.2016 - 13:53Uhr
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