Sächsische Zigarren-Historie auf 500 Buchseiten

Görlitz | Schöneck, 28. Oktober 2014. "Schöneck – Bekannt durch gute Zigarren", so lautet der Titel eines Buches, das zwei Absolventen des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde Mitte Oktober im Plauener Vogtlandmuseum vorstellten. Auf insgesamt 500 Seiten gewährt die Studie einen Einblick in die Historie der Zigarrenproduktion Schönecks und beleuchtet die Industriegeschichte der vogtländischen Kleinstadt.

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"Kubanische Zigarren" aus Schöneck im sächsischen Vogtland

Es sind zahlreiche Fragen, denen Peter F. N. Hörz und Marcus Richter in ihrem Buch nachgehen. Gut hundert Jahre lang wurde die vogtländische Kleinstadt Schöneck von der Zigarrenindustrie bestimmt. Wie kam es dazu, dass genau hier eine Zigarrenmanufaktur entstand? Und wie wirkte sich die Entwicklung auf den Ort und seine Bewohner aus? Die Recherche der Autoren reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück und zeichnet den schwierigen Start dieses Industriezweigs nach. Thematisiert werden das Produkt Zigarre und sein Markt, das Zigarrenhandwerk von Heimarbeit bis hin zur Fabrik, die Arbeitsverhältnisse und das Lohnniveau.

Das nun erschienene Buch ist das Resultat eines langen Arbeitsprozesses, der nicht nur in die Archive führte, sondern auch zu den letzten am Ort verbliebenen Arbeitern und Arbeiterinnen. Dazu führten die Kulturanthropologen narrativ-biografische Interviews mit ehemaligen Beschäftigten, die hier nach kubanischem Vorbild Zigarren drehten – ähnlich der "Galera de Torcido". Das Buch berichtet von der Allgegenwart weiblicher Arbeitskraft ebenso wie von Kinderarbeit in der Zigarrenproduktion des 19. Jahrhunderts. In weiteren Kapiteln zeichnen die Autoren die Entwicklung der Schönecker Zigarrenindustrie nach. Die Reise in die Vergangenheit reicht von den politischen Anstrengungen ihrer Ansiedlung im 19. Jahrhundert bis zum Ende der Schönecker Zigarre im Zuge der planwirtschaftlichen Umprofilierung durch das DDR-Regime.

Schönecks Bürger zeigten sich beeindruckt. Der Umfang der Studie überraschte alle, und die Fülle an Informationen war selbst für die älteren Einwohner der Stadt erstaunlich. Die wenigsten wussten, wie eng die Zigarrenindustrie mit den Geschicken der Stadt und ihrer Bürger verbunden war.

Betreut wurde die Studie von Manfred Seifert, Professor am Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft der Universität Marburg. "Schöneck - Bekannt durch gute Zigarren: Studien zur Industriegeschichte einer vogtländischen Kleinstadt" wurde im Rahmen der Reihe "Kleine Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde" als Band 33 herausgeben.

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  • Quelle: red | Fotos: Rauch: Brigitte Werner, Zigarren: Ubicolor, beide pixabay und © Lizenz CC0 Public Domain
  • Erstellt am 28.10.2014 - 11:21Uhr | Zuletzt geändert am 28.10.2014 - 12:28Uhr
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