Wüstengras als Lebensspender: Senckenberg-Studie zeigt ökologische Bedeutung
Görlitz, 8. Juli 2024. Forschende vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz und vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) der Universität Tübingen haben in einer neuen Studie die Rolle des Wüstengrases Stipagrostis sabulicola in der Namib-Wüste untersucht. Die im Fachjournal „Scientific Reports“ veröffentlichte Studie belegt, dass die Pflanze Feuchtigkeit aus Nebel aufnimmt und somit eine essenzielle Grundlage eines unerwartet komplexen Nahrungsnetzes in der dürren Landschaft darstellt.
Bild von Ruhrgebiet auf Pixabay
Überlebensstrategien in der Wüste
Thema: Senckenberg Görlitz

Das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz ist ein beliebtes Ziel für Wissbegierige aller Altersklassen. Mit seiner Mischung aus hochkarätiger Forschung und familienfreundlichen Ausstellungen gehört es zu den bedeutendsten Einrichtungen der Senckenberg Gesellschaft.
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Die Namib-Wüste erstreckt sich über rund 2000 Kilometer entlang der südwestafrikanischen Küste und scheint auf den ersten Blick lebensfeindlich zu sein. Dennoch haben sich zahlreiche Tier- und Pflanzenarten an die extremen Bedingungen angepasst. „Stipagrostis sabulicola, das Namib-Dünen-Buschmanngras, ist eine dieser Pflanzenarten“, erklärt Dr. Huei Ying Gan vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen. Gemeinsam mit Dr. Karin Hohberg und Dr. Clément Schneider vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz sowie weiteren Forschenden hat Gan das bis zu zwei Meter hohe, mehrjährige Gras und seine Rolle im Wüstenökosystem untersucht. Die Pflanze verfügt über ein breites System flacher Wurzeln, das ihr hilft, sich im Dünensand zu verankern. „Darüber hinaus besitzt Stipagrostis sabulicola spezialisierte Blattstrukturen, die effektiv Feuchtigkeit in Form von Nebel und Tau aus der Luft kondensieren. Diese regelmäßige Feuchtigkeitsquelle ist wichtiger als der seltene Regen“, erläutert die Tübinger Biogeochemikerin.
Nebel als Lebensspender
Der Nebel entsteht, wenn feucht-warme Luft vom Atlantik auf die kalte Meeresoberfläche trifft und abkühlt. Dieser Nebel kann kilometerweit ins Landesinnere ziehen und wird von Pflanzen wie Stipagrostis sabulicola aufgenommen. „Das Wüstengras fängt das Nebelwasser ein und leitet es in den Sand ab“, ergänzt Dr. Karin Hohberg. Die Studie zeigt, dass das nebelaufnehmende Gras eine wichtige ökologische Nische bildet und als primäre Kohlenstoffquelle für wirbellose Tiere dient.
Bedeutung für das Nahrungsnetz
Das Forschungsteam untersuchte die natürlichen Schwankungen der stabilen Kohlenstoff- und Stickstoffisotope (δ13C und δ15N) in wirbellosen Tieren sowie in pflanzlicher Biomasse und Streu. Sie stellten fest, dass das Buschmanngras den Kohlenstofffluss im Nahrungsnetz fördert. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Pflanze die primäre Nahrungsquelle für oberirdische Wirbellose wie Ameisen, Spinnen und Milben darstellt. Zwölf Gliederfüßer-Arten fanden wir auf der Pflanze, weitere sieben Arten beobachteten wir“, erläutert Dr. Clément Schneider. Bodenorganismen wie Nematoden nutzen hingegen vor allem vom Wind verwehte Sedimente als Energiequelle. Dennoch spielt Stipagrostis sabulicola eine zentrale Rolle, da viele Gliederfüßer, die auf das Gras angewiesen sind, als Nahrung für größere Räuber wie Zauneidechsen und Jagdspinnen dienen. Diese wiederum sind wichtige Beutetiere für die Kreuzotter Bitis peringueyi. „Unsere Analysen unterstreichen die entscheidende Rolle von Nebelpflanzen in den hyperariden Namib-Dünen“, fasst Dr. Gan zusammen.
Weiterführende Informationen sind auf den Webseiten des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment und des Senckenberg Museums für Naturkunde in Görlitz abrufbar.



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- Quelle: red / PM Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
- Erstellt am 08.07.2024 - 10:06Uhr | Zuletzt geändert am 08.07.2024 - 10:57Uhr
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