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Görlitz-Zgorzelec. Die Einstellung der Mobilitätshilfe für Behinderte auf dem Görlitzer Bahnhof hat eine breite Welle der Empörung ausgelöst. Die Deutsche Bahn ist aufgefordert, den Service schnellstmöglich wieder anzubieten.

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Behindertenunfreundlicher gewordener Bahnhof löst Empörung aus

Der Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick findet klare Worte: „Die Stadträte der Europastadt Görlitz-Zgorzelec haben sich bei ihrer gemeinsamen Sitzung in diesem Jahr der Erklärung von Barcelona angeschlossen und damit ein deutliches Zeichen gesetzt. Wir nehmen die Belange behinderer Menschen ernst und berücksichtigen diese bei allen Vorhaben. Behinderte haben das gleiche Recht auf Teilnahme am öffentlichen Leben. Aufgrund der baulichen Struktur des Görlitzer Bahnhofs ist diese Mobilitätshilfe für Rollstuhlfahrer zwingend erforderlich, damit die Betroffenen die Bahnsteige erreichen können. Für mich ist es deshalb nicht nachvollziehbar, dass ein Unternehmen wie die Deutsche Bahn diesen Service einstellt.“

In einem Schreiben an die Deutsche Bahn AG will Oberbürgermeister Joachim Paulick sich gegen diese Art des Umgangs mit behinderten Menschen wenden und das Unternehmen auffordern, schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen und den Service umgehend wieder anzubieten.

Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Dr. Ilja Seifert, äußerte ebenfalls sein Unverständnis: "Selbst wenn es sich dabei „lediglich“ um einen vorläufigen Zustand handelt, ist dieser untragbar und ein Zeichen von völlig verfehlter Sparpolitik, deren Folgen nun die mobilitätsbehinderten Reisenden tragen." In jedem Unternehmen, so auch bei der Deutschen Bahn, müsse davon ausgegangen werden, dass Angestellte wegen Krankheit ausfallen können oder - erfreulicherweise - wegen Mutterschaftsschutzes nicht in vollem Umfang einsetzbar sind. Das aber sei keines Falls ein akzeptabler Grund, die barrierefreie Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln auszusetzen. Auch Dr. Seigert erwartet von der deutscheh Bahn, dass umgehend ein akzeptabler Zustand wieder hergestellt wird.

Kommentar:

Klar hat die Bahn in den vergangenen Jahren viel investiert und auch die Mitarbeiter "frisch gemacht", von denen jeder Einzelne im Grundsatz höflich und kundenorientiert arbeitet.
Jedoch sieht man das Unternehmen Bahn als Ganzes, dann ist die Einstellung der Mobilitätshilfe auf dem Görlitzer Bahnhof die Folge unternehmensinterner Prozesse: So ist das, wenn die Corporate Identity vor allem auf flotten Sprüchen und schicken Uniformen basiert, aber das Verhalten des Unternehmens sich nicht am Blickwinkel der Kunden orientiert. Klar steht die Bahn unter Kostendruck. Die Streichung eines Grundservices entschuldigt das aber nicht. Wenn der Lokführer erkrankt, bleibt der Zug ja auch nicht stehen. Für die Mobilitätshilfe sollte sich doch schnell eine unbürokratische und vor allem unaufwendige Lösung finden lassen,

meint Ihr Fritz Stänker

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  • Quelle: (StVGR061208 /Dr.Seifert061208
  • Erstellt am 09.12.2006 - 11:10Uhr | Zuletzt geändert am 09.12.2006 - 11:30Uhr
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