Eine "wilde" Straßenbaustelle im NOL

Horscha. Als der Vertreter der gefragten Spezies Tourist samst Familie, am vergangenen Sonnabend von der niederschlesisch-oberlausitzischen Kreissitzstadt Niesky kommend, über Mücka mit seinem Auto in das UNESCO-Biosphärenreservat der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft eindringen wollte, wurde dem Ausflug nach sieben Kilometern auf der S121 am Ortseingang Horscha mittels rot-weißem Querbalken und rotgerandetem Sperrschild zunächst ein jähes Ende gesetzt.

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Alles egal - ganz wie früher

Ein Hinweis auf die Sperrung ward seit Niesky nicht gesehen. Eine ausgeschilderte Umleitung? Eh, wo denn, wer hier durch die Gegend fährt, kennt sich doch aus, oder? Vielleicht morgen nochmal versuchen, durchzukommen? Aber wie lange wird die Sperrung aufrecht erhalten? Und weshalb wurde gesperrt - ein Volksfest, ein Terroranschlag auf die Freiwillige Feuerwehr oder ein Unfall?

Schnell hatte sich der touristische Kraftfahrer ein Entdecker-Herz gefasst und ab ging´s den Weg links entlang - wär´ doch gelacht, wenn es keinen Schleichweg durch den Ort gäbe! Und siehe, nach einigen hundert Metern gelangte er tatsächlich wieder auf die S121-Magistrale. Die sieht hier zwar ein wenig abgeschrappert aus, aber einige Fahrzeuge schleichen sich darauf entlang - also Mut gefasst und mitgemacht! Leider nur bis zu einer (eigentlich erfreulichen) Baustelle, an der Lastwagen und Straßenbaumaschinen ein Weiterkommen unmöglich machten. Was nun? Wieder links ein Weg! Hinter den Häusern entlang! Unbefestigte Wege! Abenteuerspielplatz NOL! Das ultimative Urlaubserlebnis, das noch jeder Prospekt geheim hält!
Und dann wieder eine Verbindung zur S121, jedoch sind die Gesten des Fahrers der anrollenden Straßenwalze eindeutig: No paseran - hier kommen Sie nicht durch!

Wie der Besucher des NOL samst Familie den Weg nach Mücka gefunden hat, wollen wir verschweigen, um nicht den Argwohn von Behörden und Naturschützern zu erwecken.

Geblieben ist bei ihm nur der Eindruck "Das ist doch völlig unmöglich hier, einfach so die Straße zu sperren!". Solche Erlebnisse, das ist ein Stück der erlebten Realität, die der Urlauber mit nach Hause nehmen wird, und leider werden dadurch viele positive Eindrücke überlagert werden. So kann man mit Kleinigkeiten Tourismusmarketing ad absurdum führen.

Also, liebe zuständige Organe: Die Sperrung von Verbindungsstraßen bitte am Beginn der Straße und anderen geeigneten Stellen rechtzeitig ankündigen und auf Umleitungen verweisen - anderenorts, auch im NOL, klappt das doch hervorragend! Ein Schild zur Dauer der Sperrung und die Nennung des Grundes wären ein weiterer Service, der den Kraft- und Radfahrer freundlicher stimmt.

Und wenn jetzt einer sagt "Das müssen wir nicht!" - dem kann man nur entgegnen: "Den Vorschriften nach vielleicht nicht, aber wenn wir gute Gastgeber sein wollen, dann schon!"

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  • Quelle: /Fritz Stänker
  • Erstellt am 16.07.2006 - 21:39Uhr | Zuletzt geändert am 16.07.2006 - 22:18Uhr
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