Görlitz hat die Neißstraße zurück
Görlitz, 23. Juli 2016. Gedauert hat's ja - aber gut Ding will Weile haben, weiß schon der Volksmund. Jedenfalls ist die Neißstraße, die im Herzen der Görlitzer Altstadt als Teil der historischen Via Regia den Untermarkt mit der Altstadtbrücke und damit dem polnischen Stadtteil verbindet, jetzt fertig saniert. Nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit wurde sie gestern wieder für den Verkehr freigegeben. Wobei das mit dem Verkehr einer Anmerkung bedarf: Mit der Freigabe startete ein Verkehrsversuch, der eine "Fußgängerzone Neißstraße" testet. Manche glauben, die Verbannung von Kraftfahrzeugen könne die touristische und die gewerbliche Nutzung der Straße noch besser in Einklang zu bringen. Über den Verkehrsversuch informierten gestern der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege und Peter Starre als Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Görlitz AG Anwohner, Gewerbetreibende und Presseleute bei einem Vor-Ort-Termin.
Abbildung oben: Die Görlitzer Neißstraße beim ViaThea-Straßentheaterfestival 2016, noch vor der offiziellen Wiederfreigabe.
Komplexes Bauprojekt inmitten der Görlitzer Altstadt mit Bravour zu Ende gebracht
Neben regionalen Unternehmen wie dem Planungsbüro Richter und Kaup, der STL Bau GmbH aus Löbau, der Elektro Schönau GmbH sowie dem Ingenieurbüro Schliep sind die Stadtwerke Görlitz AG (SWG) als Auftraggeber gemeinsam mit der Stadt Görlitz Partner dieser bedeutenden Sanierung gewesen.
Während die Stadt Görlitz die Verantwortung für den Pflasterstraßenbau innehatte, haben die Stadtwerke Görlitz unterirdisch gewirkt. "Insgesamt haben wir 1,25 Kilometer Kanäle, Leitungen und Kabel unter der Neißstraße ausgewechselt. Das bedeutet 220 Meter Trinkwasser- und Gasleitung, zirka 60 Meter Regenwasser-Kanal, 50 Meter Schmutzwasser-Kanal, gut 300 Meter Niederspannungskabel, rund 100 Meter Mittelspannungskabel sowie reichlich 300 Meter Datenkabel“, zählte Brigitte Hill, Baustellenverantwortliche und Referentin Netztechnik bei SWG, die Fakten auf.
Zum überirdischen Projektteil erläuterte Svend Schmoll, Leiter des Sachgebiets Straßen- und Tiefbau der Stadt Görlitz: "Es ging ja um den grundhaften Ausbau der Geh- und Fahrbahn auf einer Länge von immerhin 185 Meter – das bedeutet, es sind in der Altstadt 1.700 Quadratmeter Verkehrsfläche hergerichtet worden." Weil die Neißstraße inmitten der Görlitzer Altstadt liegt, ist die Sanierung von der Materialauswahl bis zur Gestaltung der Verkehrsfläche mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt worden.
Weshalb dieser Aufriss?
Dass die Neißstraße derartig umfassend angepackt werden musste, lag am Alter der Kanäle und Leitungen im Erdreich – und der Bedeutung der Straße als Verbindungsachse zwischen Neiße und Stadtzentrum.
Bautechnisch war das eine enorme Herausforderung, denn beispielsweise musste Gasleitung über die gesamte Länge der Straße tiefer als zuvor in das Erdreich eingezogen werden; Grund: Die Neißstraße ist unter allen Denkmalschutzaspekten nun so ausgebaut worden ist, dass sie auch unter schwerer Belastung befahrbar bleibt.
Auf eine zusätzliche Herausforderung verwies Bauingenieurin Hill: "Das Gebäude Neißstraße 24 wurde von der Denkmalschutzbehörde als gefährdet eingestuft. Für uns bedeutete das natürlich besondere Vorsicht bei den Bauarbeiten." Vor dem Weiterbau sind Grabungen und Beweissicherungen erfolgt. Ziel war, dass die unvermeidlichen Erschütterungen durch die Bauarbeiten bei den Gebäuden 24 bis 27 keine Schäden hinterlassen. Die enge Zusammenarbeit vom SWG und Stadtverwaltung war eine gute Voraussetzung dafür.
Straßen- und Tiefbau-Experte Schmoll erläuterte den Straßenbelag: "Unser Ziel war es, bei der Straßenpflasterung eine besonders dauerhafte Verkehrsanlage zu errichten." Deshalb wurde die Pflasterung in eine Mörtelschicht eingelassen, nicht etwa wie üblich in feinem Sand. Die darunter befindliche Betontragschicht mit Dehnungsfugen sichert unterdessen die Stabilität der Straße trotz ihrer recht starken Steigungs- und Neigungsverhältnisse.
Die Neißstraße als Erfolgsgeschichte
Beide Auftraggeber – die Stadt und ihre Stadtwerke – haben für die Sanierung der Neißstraße über eine Million Euro investiert, wobei: Auch aus dem Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" wurde Geld beigesteuerrt.
Selbst gestandene Fachleute sehen die gelungene Fertigstellung der Neißstraße als eine echte Erfolgsgeschichte. Hill: "Nach 37 Berufsjahren war diese Baustelle doch eine Besondere. Ich bin sehr froh, dass unsere Görlitzer Altstadt durch die Sanierung der Neißstraße noch schöner geworden ist." Und Schmoll setzte hinzu: "Der Dank gilt zudem Anwohnern und Gewerbetreibenden für das Verständnis und ihre Kooperation."
Durch regelmäßige Gespräche, konstruktive Hinweise und gute Abstimmungen vor Ort hatten auch die Baufirmen zielorientiert arbeiten können. "An alle Beteiligten unseren herzlichen Dank", würdigte Schmoll noch einmal das prima Zusammenwirken aller Beteiligten und Betroffenen dieser Straßensanierung.



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- Quelle: red | Foto Neißstraße: © www.goerlitzer -anzeiger.de; Foto Banddurchschnitt: Stadtverwaltung Görlitz
- Erstellt am 22.07.2016 - 23:58Uhr | Zuletzt geändert am 23.07.2016 - 00:53Uhr
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