Gemeinsames Erinnern

Görlitz-Zgorzelec | Breslau (Wrocław). Am Sonntag, dem 27. April 2008, fand im Leopoldina-Saal der Universität Breslau eine Historikerkonferenz zum Thema „Aussiedlungen, Vertreibungen und Fluchtbewegungen 1939-1959“ in Polen statt. Anlass war die Vorstellung des gleichnamigen Buches, das anhand von zahlreichen Karten, Fotografien und Dokumenten die erzwungenen Migrationsbewegungen in Polen nachzeichnet und unter der Schirmherrschaft von Prof. Władysław Bartoszewski, dem außenpolitischen Berater des polnischen Premierministers, erschienen ist. Lutz Thielemann, Geschäftsführer der Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH, informierte sich auf der Tagung über die wissenschaftlichen Hintergründe von Flucht, Vertreibung und Umsiedlung polnischer, deutscher, jüdischer und ukrainischer Bevölkerungsgruppen im Zeitraum von 1939-1959 und suchte das aktive Gespräch.

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Konferenz zu „Aussiedlungen, Vertreibungen und Fluchtbewegungen“ in Breslau (Wrocław)

Auf der Konferenz diskutierten rund 150 renommierte Historiker und Politiker. Markus Meckel, Vorsitzender der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe, betonte die Notwendigkeit, Fragen der Zeitgeschichte europäisch zu behandeln, um dabei die Erfahrungen des anderen kennen zu lernen und zu respektieren.

„Die Vorträge und Expertenmeinungen haben uns in unserem Vorhaben für eine länderübergreifende Aufarbeitung des Themas bestärkt - gemeinsame Zukunft braucht gemeinsames Erinnern“, fasste Thielemann seine Eindrücke zusammen. Besonders hervorgehoben worden sei von den polnischen und deutschen Historikern, dass Politiker Geschichte nicht zum Streitpunkt machen dürften.

Bereits in der vergangenen Woche konnte Europastadt-Chef Thielemann in seiner Rolle als Sachverständiger im Rahmen der 55. Sitzung des Ausschusses für Tourismus des Deutschen Bundestages die Ausschussmitglieder für das Projekt sensibilisieren.
Eine weitere Möglichkeit, aktiv für die Initiative zu werben, bietet sich am 18. Juni 2008 in Görlitz, wo die Thematik im Rahmen einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion zum Auftakt des 5. Sächsischen Mittel-Osteuropatages besprochen wird.


Kommentar

Angesichts der politischen Diskussionen, die in der Vergangenheit um das "Zentrum gegen Vertreibung" und vor allem dessen Standort wogten, ist das Görlitzer Engagement, das auch auf der polnischen Seite unterstützt wird, nicht ohne Charme.

Die Europastadt Görlitz/Zgorzelec hatte im letzten Jahr eine deutsch-polnische Initiative zur Einrichtung eines Forschungs-, Erinnerungs- und Dokumentationszentrums zu Flucht, Vertreibung und erzwungener Aussiedlung in Görlitz-Zgorzelec gestartet und wirbt unter der Bezeichnung „Gemeinsames Erinnern“ in beiden Staaten für eine transnationale, grenzüberschreitende Bearbeitung dieser Thematik in der Europastadt. Prominente Politiker und renommierte Wissenschaftler aus beiden Ländern haben sich in der Vergangenheit bereits für den Standort Görlitz-Zgorzelec ausgesprochen und auf die Signalwirkung dieser Wahl hingewiesen.

Görlitz-Zgorzelec hat sowohl im deutschen als auch im polnischen Stadtteil einen besonders hohen Anteil von Bürgern mit Migrationshintergrund und ist als geteilte/wieder zusammenwachsende Stadt prädestiniert als Standort einer dauerhaften Einrichtung zum Thema Vertreibung, meint nicht nur

Ihr Fritz R. Stänker



Unsere Abildung zeigt eine Plastik des Holzgestalters Jörg Beier, Schwarzenberg, aufgenommen zur Vernissage einer Ausstellung im Foyer des Schauspielhauses Chemnitz am 27. Februar 2006.
Foto: /Beiermedia.de


Mehr zur Ausstellung:
http://www.freie-republik-schwarzenberg.de/news.php?article=14

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  • Quelle: /FRS | Foto: /BeierMedia.de
  • Erstellt am 28.04.2008 - 20:20Uhr | Zuletzt geändert am 28.04.2008 - 21:29Uhr
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