Sachsen plant Schulnetzwerk zur Unterstützung der Informatiklehre
Görlitz, 11. April 2024. In den kommenden Jahren fördert der Freistaat die Einrichtung eines Netzwerks, das Unternehmen und Hochschulen einbezieht, um die Informatiklehre an Schulen zu unterstützen. Deutschland schneidet im internationalen Vergleich in Bezug auf digitale Bildung nach wie vor eher mittelmäßig ab. Schulen stehen vor erheblichen Herausforderungen in diesem Bereich, da ihre technische Ausstattung oft unzureichend ist und es vor allem an Informatiklehrern mangelt. Gleichzeitig steigt in der Wirtschaft der Bedarf an IT-Fachkräften kontinuierlich an.
Etwas übertrieben: Die Realität.
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Dauerhafte Partnerschaft aus Schulen, Hochschule und IT-Wirtschaft als Zielsetzung

Wunsch und Wirklichkeit. Ende gut - Alles gut!
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Die "Digitale Schule Sachsen"-Initiative des Kultusministeriums setzt dem etwas entgegen. Ein zentraler Bestandteil ist dabei eben die Schaffung jenes Schulnetzwerks, insbesondere für Einrichtungen in den ländlichen Regionen von Ost- und Westsachsen. Es ermöglicht den Schulen beispielsweise den Austausch von Erfahrungen in der Informatikbildung sowie von Equipment. Das Konzept wurde Lehrern und Eltern Ende letzten Jahres während der Auszeichnungsveranstaltung des Sächsischen Informatikwettbewerbs an der Hochschule Zittau/Görlitz vorgestellt.
Gleichzeitig ist geplant, dass die Schulen mit externen Partnern wie Universitäten und Hochschulen, Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen aus der Region in dauerhafte und regelmäßige Verbindung gebracht werden. Ein erstes Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler schon frühzeitig zu befähigen, eigene kleine Informatikprojekte umzusetzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie Sensoren programmieren, amüsante Roboter bauen oder Spiele entwickeln. Entscheidend ist das Erfolgserlebnis, das weiteres Interesse weckt und die Begeisterung für Informatik, Physik und Mathematik steigert. In diesem Bereich können Hochschulen oder ansässige IT-Firmen eine wichtige Rolle spielen, indem sie beispielsweise Räume und die Technik für Robotikexperimente bereitstellen.
Wettbewerbsvorteil durch rechtzeitiges und regionales Fördern von Schülern
Möglichkeit, sich frühzeitig einen Wettbewerbsvorteil bei der Rekrutierung von IT-Fachkräften zu sichern. Denn auch in „klassischen“ Branchen wie Maschinenbau oder Textilindustrie herrscht seit Jahren ein intensiver Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter für Automatisierungen, digitale Prozesse und digitale Verwaltungslösungen. Die fortschreitende Digitalisierung in allen Lebens- und Arbeitsbereichen hat den Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften stark erhöht. Heutzutage haben Infotech-Experten die große Wahl, welchen Job sie wo annehmen möchten, ob sie z.B. in einem Softwareunternehmen, in einer KI Agentur für digitale Lösungen oder im produzierenden Gewerbe anfangen. Arbeitgeber werben dabei verstärkt mit attraktiven Gehältern, flexiblen Arbeitszeitmodellen, Homeoffice-Möglichkeiten und sonstigen Vergünstigungen wie Zuzahlungen zur Kinderbetreuung.
Bei einer kürzlich abgehaltenen Veranstaltung im Görlitzer IT-Komplex "InnoLabs" unterstrich der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer die Dringlichkeit, junge Talente für eine Karriere in der Informationstechnik zu begeistern. Görlitz sticht dabei im Vergleich zum Bundesdurchschnitt positiv hervor. Drei Prozent der sozialversicherten Arbeitsplätze in der Stadt sind in diesem Sektor angesiedelt, und diese Stellen sind derzeit gut besetzt. Der Tagungsort selbst, ein hochmoderner Bürokomplex, ist eine Erfolgsgeschichte der regionalen Wirtschaft: Über 160 Mitarbeiter arbeiten hier in verschiedenen IT-Unternehmen.
Analoge Lösungswege über Landesgrenzen hinaus finden
Positive Ansätze gibt es also und es ist wichtig, damit überregional und international zu werben. Und auch für Lösungen von Problemen wie Lehrermangel und Unterrichtsausfall sollte vielleicht öfter der Blick über Landesgrenzen hinaus gewagt werden. Andere Länder haben mit Sicherheit dieselben oder ähnliche Schwierigkeiten zu meistern, sind aber oft sehr viel kreativer und kontinuierlicher bei deren Beseitigung als das inzwischen behäbige, von sich eingenommene und oft denkfaule Land der Denker. Oft wird eben nur noch gedichtet, und zwar in sehr alter Reimform.
Aus der Not eine Tugend machen ist sicherlich ein Anfang. Wenn schon ein halber Unterrichtstag ausfällt, dann kann man Schülern auch die Möglichkeit bieten, Firmen zu besuchen und dort in die praktische Arbeit hineinzuriechen. Dazu gibt es bereits eine Kooperation des Schulamts - das auch die Anfahrt der Schüler organisieren soll - mit einzelnen Firmen. Gefordert sind dabei mehr Engagement der Schulen und der Unternehmen im Landkreis insgesamt. Mit dem Bildungsprogramm „Mint-Hub“ will der Freistaat zudem die Berufsorientierung an Schulen und die Praxis-Förderung in den naturwissenschaftlichen Fächern vorantreiben.
Doch eine Lösung für die Grundprobleme kann es nicht sein, Schüler wie in der DDR – diesmal allerdings nicht nur aus Mangel an Arbeitskräften, sondern zusätzlich aus Lehrkräftemangel – in die Produktion zu schicken. Und ob es noch mehr finanziell gut gepolsterte Projekte mit immer tolleren Namen und vielen gut bezahlten Projektmitarbeitern bedarf, um den momentanen Bildungs- und Fachkräftemangel weg zu organisieren, ist ohnehin fraglich.



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- Erstellt am 11.04.2024 - 11:33Uhr | Zuletzt geändert am 11.04.2024 - 11:58Uhr
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