Lokführer als Bremser

Dresden. Der Lokführer-Streik trifft die ostdeutsche Wirtschaft gleich doppelt: Einesteils wird die mühsame Aufholjagd zur Westproduktivität aufs Abstellgleis gelenkt, zudem sind es im Osten besonders viele Züge, die nicht rollen.

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Ostdeutsche Wirtschaft leidet besonders

Auch Sachsens Finanzminister Stanislaw Tillich hat sich heute besorgt über die Folgen der Bahnstreiks geäußert: "Medienberichten zufolge fallen im Westen nur 30 Prozent, im Osten jedoch bis zu 90 Prozent der Züge aus. Ostdeutschland ist also vom Streik deutlich stärker betroffen - das betrifft die Bahnkunden, das betrifft aber auch die ostdeutsche Wirtschaft. Deshalb appelliere ich an die Bahn, die für Ostdeutschland besonders nachteiligen Streikfolgen auszugleichen - zum Beispiel durch den vorübergehenden Einsatz westdeutschen Personals auf ostdeutschen Strecken. Gerade die Wirtschaftszentren in den neuen Ländern sollten schließlich in ihrer derzeit positiven Entwicklung nicht ausgebremst werden."


Kommentar:

Kann es der Sinn eines Streiks sein, ganze Volkswirtschaften zu schädigen? Urgedanke des Streikrechts ist es doch, das bestreikte Unternehmen unter Druck zu setzen, um Arbeitnehmerinteressen zu wahren. Der von der Gewerkschaft der Lokführer angezettelte Ausstand schädigt jedoch Unternehmen weit über die Bahn hinaus, wobei die sächsische Wirtschaft ganz besonders betroffen ist.

Dass die Solidarität des Westen soweit geht, verbeamtete Lokführer als Streikbrecher in den Osten zu schicken, wie von Sachsens Finanzminister Tillich angeregt, darf angezweifelt werden.

Die Lokführer - auch bekannt als "Eisenbahner-Adel" - tun sich jedenfalls keinen Gefallen mit ihren überzogenen Forderungen: Weil nicht erfüllbar, kann der Schaden nur wachsen. Anzunehmen ist, dass sich die Streikenden Ost-Eisenbahner in ihrer Haut nicht sonderlich wohlfühlen. Sie sitzen in der Zwickmühle zwischen ihrer Arbeitsmoral und dem Machtspiel Ihrer Gewerkschaftsspitze. Es ist wie in der Politik: Alte Männer sollten einfach abtreten und nicht der Versuchung erliegen, sich ein Denkmal zu bauen.

Das Berufsbeamtentum hatte seine guten Seiten - wenn auch langsam, so bewegte es sich doch. Das war früher.
Heute ist die führerlose Lokomotive bereits technische Realität. Und die Lokführer scheinen alles daran zu setzen, dass sie schnell und massenhaft eingesetzt wird,

Ihr Fritz Stänker

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  • Quelle: /red
  • Erstellt am 15.11.2007 - 23:28Uhr | Zuletzt geändert am 15.11.2007 - 23:59Uhr
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