Wie weiter mit dem Kaisertrutz?

Görlitz-Zgorzelec. "Viele Köche verderben den Brei" ist eine alte Volksweisheit. Doch auch einzelne Küchenhelfer können durch falsche Zutaten ein sorgsam konzipiertes Menü ad absurdum führen. Museumsleiter Dr. Jasper von Richthofen hat nun offenbar Anlass, seine Fachkompetenz in die Waagschale zu werfen, um den konzipierten Ausbau der Görlitzer Museumslandschaft gegen neue Widerstände voran zu bringen. Dr. von Richthofen und das Kulturhistorische Museum begrüßen ganz ausdrücklich das große Interesse von Rolf Weidle und das der Görlitzer Stadtratsfraktion „Bürger für Görlitz“ an der Nutzungs- und Ausstellungskonzeption des Kaisertrutzes nach der Landesausstellung. Auch den anderen Fraktionen will die Museumsleitung gern für ihre Fragen zu diesem Thema zur Verfügung stehen.

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Konzeption der Dauerausstellung im Kaisertrutz sieht Präsentation auf vier Ebenen vor

Das Konzept für die Nutzung des Kaisertrutzes und die Themen der Dauerausstellungen des Kulturhistorischen Museums werden durch die Fachkuratoren und die Leitung des Museums auf der Grundlage des Stadtrat-Beschlusses vom 30.11.2006 beständig fortgeschrieben und weiter qualifiziert. Seit 2005 haben sich die Rahmenbedingungen für die Raumnutzung mehrfach verändert, so dass die Konzepte diesen Veränderungen immer wieder neu anzupassen waren. Dazu zählte auch die durch das Museum vorgeschlagene Verbindung zwischen Touristeninformation und Kaisertrutz, die sich in anderen Städten durchaus bewährt hat. Zu keiner Zeit aber bestand jedoch das Problem aufgrund des geplanten Flächenzuwachses für Ausstellungen von drei auf fünf Etagen à ca. 380 Quadratmeter, eine geeignete Nutzung für das Gebäude zu finden. Im Gegenteil: Für die umfassende Präsentation der reichhaltigen und international bedeutenden Görlitzer Sammlungen besteht akuter Platzmangel! Immerhin eine Viertelmillionen Exponate schlummern in ungeeigneten Depoträumen und warten darauf, in Sonder- oder Dauerausstellungen der Öffentlichkeit zum Teil erstmals gezeigt zu werden. Die Ausstellungsmacher sind daher dazu gezwungen in der Dauerausstellungsplanung thematische Schwerpunkte zu setzen. Themen der Görlitzer Stadtgeschichte, die so in der dauerhaften Präsentation nur am Rande gestreift werden können, sollen dafür in interessanten Sonderschauen gewürdigt werden. Stoff für attraktive Sonderausstellungen war und ist reichlich vorhanden. Dies zeigen die durchweg gut besuchten Ausstellungen in der Neißstraße 30 und dem Kaisertrutz. Zuletzt zeugten die in allen Häusern guten Besucherzahlen der Görlitzer Museumsnacht von der Qualität der geleisteten Arbeit.

Dies gilt nicht nur für das Schlesische Museum und das Staatliche Museum für Naturkunde sondern eben auch für die drei Häuser - Reichenbacher Turm, Neißstraße 30 und Kaisertrutz - des städtischen kulturgeschichtlichen Museums.

Die Dauerausstellungen im Kaisertrutz sollen zukünftig auf vier Ebenen über die Kulturgeschichte der Region und der Stadt informieren. Dies beginnt mit der Vorgeschichte bis zur Gründung des Sechsstädtebundes im Untergeschoss, führt im Erdgeschoss bis zum Beginn der Deutschen Kaiserzeit und von dort im ersten Obergeschoss bis in das Wendejahr 1989. Das zweite Obergeschoss soll für attraktive Sonderausstellungen mit wechselnden Schwerpunkten zur Verfügung stehen. Im Dachgeschoss soll eine Galerie des 20. Jahrhunderts mit Kunstobjekten - Malerei und Plastik - aus Görlitz und der östlichen Oberlausitz entstehen, die seit der Schließung der Gemäldegalerie nicht mehr zu sehen waren. Zielgruppe sind vor allem Schüler und Jugendliche, die immerhin ein Viertel der Besucher stellen, Görlitzer Bürger und nicht zuletzt die zahlreich in die Stadt strömenden Touristen. Weitere Bereiche müssen für Museumsladen, Kasse und Garderobe sowie für die verstärkt nachgefragte Museumspädagogik vorgehalten werden. Soweit die Planung von Dr. Jasper von Richthofen und seiner Mannschaft.

Die politischen Rahmenbedingungen dafür wurden im Stadtrat im November letzten Jahres mit großer Mehrheit, übrigens auch mit den Stimmen der Bürger für Görlitz, darunter auch die von Rolf Weidle, beschlossen. In der Beschlussvorlage lag den Stadträten auch eine Schätzung der Folgekosten vor. Diese geht davon aus, dass eine Erhöhung der Betriebskosten aufgrund der Beheizung des Kaisertrutzes durch Erhöhung der Einnahmen aus Eintrittsgeldern sowie Verkaufserlösen des Museumsladens im erstmals ganzjährigen Betrieb des Hauses kompensiert werden könne.

Wer nun den Verzicht auf den vollständigen Ausbau der städtischen Museumslandschaft propagiert oder an dem fachlichen Vermögen der Görlitzer Ausstellungsmacher zweifelt, das Museum auch nach der Landesausstellung noch mit Leben erfüllen zu können, nimmt zumindest eine Gefährdung der 3. Sächsischen Landesausstellung billigend in Kauf! Für diese ist ganz unzweifelhaft eine vollständige Nutzung des Kaisertrutzes und die Fertigstellung der Neißstraße 30 zwingende Voraussetzung.

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  • Quelle: /red
  • Erstellt am 21.09.2007 - 10:44Uhr | Zuletzt geändert am 21.09.2007 - 10:44Uhr
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