Nächste Volkszählung 2011?

Ministerpräsident Milbradt hat heute das Statistische Landesamt in Kamenz anlässlich seines 175jährigen Bestehens als ein für die Regierungsarbeit unentbehrliches Amt gewürdigt. "Ohne Statistik wäre in der heutigen Zeit kein Staat zu machen. Für die Wirtschaftspolitik zum Beispiel ist es von entscheidender Bedeutung zu wissen, wie die verschiedenen Branchen bei Beschäftigung und Wertschöpfung aufgestellt sind. Denn auf diese Branchen müssen wir unsere knappen Ressourcen konzentrieren", so Milbradt.

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175 Jahre amtliche Statistik in Sachsen

So sei es auch der Fachkompetenz der Statistiker zu verdanken, dass Sachsen seit 1990 die Weichen in der Wirtschaftspolitik richtig gestellt habe. Sachsen sei das einzige neue Bundesland, das gegenüber den alten Ländern aufhole und den Abstand zu diesen Stück für Stück verringere. Einige Industriezweige verzeichneten zweistellige Zuwachsraten. Diese Dynamik mache Hoffnung für die Zukunft.

"Zugleich führt uns die in Kamenz erfasste Bevölkerungsstatistik vor Augen, dass dieser Dynamik Gefahr droht. Sachsens Bevölkerung schrumpft und altert. Dies hat besonders starke Auswirkungen auf die erwerbsfähige Bevölkerung", so der Ministerpräsident weiter. Eine expandierende Wirtschaft brauche qualifizierte Arbeitskräfte, um weiter wachsen zu können. Deshalb sei die Politik der Staatsregierung darauf ausgerichtet, die großen und kleinen Zentren im Land gerade für junge Menschen noch attraktiver zu gestalten. Schon jetzt verzeichneten Städte wie Dresden und Leipzig, aber auch Bautzen, Döbeln und Plauen Zuzug und z.T. steigende Geburtenzahlen. "Mehr Geburten lösen zwar auch auf mittlere Sicht die Probleme noch nicht, aber wenn wir jetzt die richtigen Rahmenbedingungen setzen, damit Sachsen das kinderfreundlichste Bundesland wird, dann können wir die Abwärtsspirale des Schrumpfungsprozesses stoppen", gibt sich der Ministerpräsident optimistisch.

Darüber hinaus müsse der Staat seine Strukturen und Instrumente an eine schrumpfende und alternde Bevölkerung anpassen. Mit Hilfe der Statistik habe die Staatsregierung schon vor Jahren erkannt, welche Herausforderung mit dem demographischen Wandel auf Sachsen zukommt und hierauf reagiert. Milbradt: "Fundament ist unsere solide Finanzpolitik. Wir haben von vornherein unsere Ausgaben den Einnahmen angepasst, haben Investitionsmittel stets zweckbestimmt eingesetzt - mit der Folge einer hohen Investitionsquote - und werden die Netto-Neuverschuldung bis 2009 auf Null absenken." Sachsen werde auch weiterhin seine Strukturen und Instrumente an eine schrumpfende und alternde Bevölkerung anpassen.

Die Präsidentin des Statistischen Landesamtes Professor Dr. Irene Schneider-Böttcher erklärte: "Unsere wechselhafte und im Ergebnis sehr erfolgreiche Geschichte von 175 Jahren ist uns Verpflichtung für die Zukunft. Wir sind bestrebt, den Verwaltungsaufbau im Bereich der Statistik zukunftsfest zu gestalten. Die Ziele der Sächsischen Landesregierung zum Aufbau eines zentralen IT-Dienstleisters und zur Anpassung unserer Arbeitsprozesse an eine knappere Ressourcenausstattung sind uns Verpflichtung für die Zukunft."

Der Präsident des Statistischen Bundesamtes Johann Hahlen sieht die größte strategische Herausforderung, vor welcher die Statistik in Deutschland heute steht, in einer nächsten Volkszählung. In Westdeutschland liege die letzte Volkszählung 19 Jahre zurück, in den neuen Ländern 25 Jahre. Zudem habe sich das generative Verhalten geändert und die Lebenserwartung sei gestiegen, so Hahlen. "Deshalb hoffe ich, dass Bund, Länder und Gemeinden bald entscheiden, im Rahmen der nächsten europaweiten Zensusrunde im Jahr 2011 in Deutschland eine Volkszählung durchzuführen."

Hier stehe ein Paradigmenwechsel an. Eine neue Volkszählung müsse nicht mehr als Totalerhebung mit hunderttausenden von Zählern durchgeführt werden, sondern registergestützt, also durch Auswertung von Verwaltungsdaten und ergänzt durch Stichproben. Ein solcher Zensus verlange von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder alle Kreativität und allen Einsatz ab. Hahlen zeigte sich jedoch überzeugt, diese Herausforderung erfolgreich zu meistern.

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  • Quelle: /SSK /SLK
  • Erstellt am 13.04.2006 - 23:17Uhr | Zuletzt geändert am 13.04.2006 - 23:17Uhr
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