Extreme Nachrichtenlage in Görlitz
Görlitz, 7. April 2019. Von Thomas Beier. In Görlitz ist Kommunalwahlkampf: Alte und neu angetretene Stadt- und Kreisräte wollen in der neuen Legislaturperiode (wieder) mitmischen, das Oberbürgermeisterkandidatenquartett übt sich im Schaulaufen. Spannende Zeiten, auch für die chronisch unterbesetzte Online Redaktion des Görlitzer Anzeigers. Allerdings scheint noch nicht allen Akteuren klar zu sein, wie so eine Online Redaktion funktioniert.
Tipp: Mit einer guten Tageszeitung raus ins Grüne!
Früher, ja, da war alles noch ganz anders. Mein erster Berührungspunkt mit Journalismus war die Lektüre von Egon Erwin Kischs "Der rasende Reporter" in der Ausgabe von 1952. Erst viel später stellte ich fest, dass im SED-Staat der Inhalt der 1925 erschienenen Erstausgabe neu zusammengestellt worden war; einen Fake würde man das heute nennen. 1990 dann ein Seminar des Hoppenstedt-Verlages, in dem man noch lernte, Fotos in der Mitte der Rückseite zu beschriften, damit sie beschnitten werden können, ohne dass die Information verloren geht. Denkt heute wirklich noch jemand beim Beschneiden von Bildern an eine Schere?
Den Reporter, der ausgestattet mit einem üppigen Spesenkonto den Nachrichten auf der Spur ist (Randy, Du hattest es noch gut!), gibt es so wohl nicht mehr. Nachrichtennetzwerke und zentralisierte Redaktionen beherrschen die Nachrichtenwelt, selbstverständlich online. Zeit ist zum knappsten Gut geworden. Wer kann es sich noch leisten, einen halben Tag wegen einer Pressekonferenz zu verjubeln, deren Neuigkeitswert in eine kurze E-Mail passt?
Entsprechend sind Redaktionen, besonders im Online Bereich, auf Zuarbeiten angewiesen. Tatsächlich flattern tagtäglich Pressemitteilungen höchst unterschiedlicher Qualität herein, von plumper Werbung und eitler Selbstdarstellung bis hin zum tatsächlichen Neuigkeitswert. Abgesehen von der inhaltlichen Qualität steht für manche Emittenten die Quantität im Vordergrund. Im Görlitzer Wahlkampf beispielsweise schickt die AfD die meisten Verlautbarungen an den Görlitzer Anzeiger, Motor Görlitz ab und an, während von den Bündnisgrünen, von den Linken wie auch von der CDU im Grunde nichts zu hören ist.
Beispielsweise hat die AfD in den vergangenen Tagen unter anderem informiert:
- 05.04.2019: Görlitz ist weiter ein unsicheres Pflaster
- 04.04.2019: Feuerwehr braucht Neubau und Sanierung des alten Standorts
- 04.04.2019: Ordungsamt ausbauen!
- 01.04.2019: Saturday for Future?
- 28.03.2019: Besuch des OB-Kandidaten Wippel im Gerhart-Hauptmann-Theater
- 27.03.2019: AfD-Anfrage bestätigt: Noch nichts endgültig entschieden beim DLR-Institut
- 25.03.2019: Schrumpfung mit bei uns verwurzelten Rückkehrern aufhalten!
- 20.03.2019: CDU kopiert AfD-Forderung nach Fachkommission 2.0 und mehr Polizisten
Damit man als Leser den Überblick behält, empfiehlt der Görlitzer Anzeiger ausdrücklich das Abonnement einer guten Tageszeitung. Und für heute: Raus ins Grüne!


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- Erstellt am 06.04.2019 - 08:06Uhr | Zuletzt geändert am 07.04.2019 - 05:48Uhr
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