Schuldenkrise in der EU: Jenseits von Griechenland

Görlitz, 8. Juli 2015. Das griechische Drama beherrscht seit Wochen die internationalen Schlagzeilen in Europa. Dabei ist Griechenland längst nicht das einzige europäische Land, das unter einem Schuldenberg ächzt: Auch in vielen anderen Ländern der EU wurde lange über die Verhältnisse gelebt. Übrigens auch in Deutschland. Der Görlitzer Anzeiger wagt den Blick über den Horizont der Görlitzer Kirchturmspitzen hinaus - immerhin sieht sich die Stadt in ihrem Selbstverständnis als im Herzen Europas gelegen - und hat die Verschuldung in den europäischen Staaten näher beleuchtet.
Foto: © istock.com/3quarks

Anzeige
cms[SKYSCRAPER]

Die Staatsverschuldung in Europa

Wird über die Schuldenkrise der EU gesprochen, ist zumeist von der Staatsverschuldung die Rede. Den Erhebungen von Statista zufolge liegt Deutschland bei der Staatsverschuldung EU-weit an der Spitze: mit sagenhaften 2.155,23 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Griechenland war zu diesem Zeitpunkt mit "nur" 315 Milliarden Euro verschuldet. Dass Deutschland insgesamt besser da steht, liegt natürlich an der weit stärkeren Wirtschaft, ändert jedoch nichts daran, dass die Staatsschulden in Deutschland enorm sind und auch die nachfolgenden Generationen unter der daraus resultierenden steuerlichen Belastung leiden werden.

In der EU wurde im Vertrag von Maastricht festgelegt, dass die Staatsverschuldung 60 Prozent nicht überschreiten dürfe. Ein hehres Ziel, das jedoch kaum ein EU-Land einhalten kann. In Deutschland liegt sie bei 74,7 Prozent. Zwar führte das Wirtschaftswachstum 2014 zu einem Einnahmenüberschuss von 18 Milliarden Euro, doch aufgrund der Euro-Rettung wuchs der deutsche Schuldenberg weiter. Wer mehr zur Schuldenkrise in der EU erfahren möchte, sollte hier weiterlesen.

Die privaten Schulden in Europa

Nicht nur die EU-Regierungen sind weit über den Kopf hinaus verschuldet: Um den Privatsektor ist es nicht besser bestellt. Im Schnitt lag die Verschuldung der europäischen Haushalte, gemessen am BIP, Mitte 2013 bei 168 Prozent und damit noch über der Quote der USA (160 Prozent). Spitzenreiter sind die Dänen, die mit rund 300 Prozent ihres verfügbaren Einkommens verschuldet sind, gefolgt von den Niederländern, den Norwegern und den Schweden. Schuld daran sind vor allem explodierende Immobilienpreise und damit verbundene hohe Hypotheken.

Umgekehrt gehen die privaten Haushalte der so oft kritisierten südeuropäischen Länder sorgsam mit ihren Finanzen um: Italien und Griechenland belegen gemeinsam mit Deutschland die hintersten Plätze in den Schuldenrängen. Während sich die Deutschen weiterhin kauffreudig geben und von steigenden Löhnen profitieren, müssen in den Südstaaten jedoch viele Menschen den Gürtel enger schnallen, um Schulden zu vermeiden. Das große Nord-Süd-Gefälle ergibt sich hier auch daraus, dass die Immobilienbesitz-Quote im Süden zumeist höher ist: So besitzen 73 Prozent der Italiener und 75,8 Prozent der Griechen eine eigene Immobilie, während es in Dänemark nur 63 Prozent und in den Niederlanden 67,4 Prozent sind – entsprechend mehr Menschen verschulden sich beim Kauf einer Immobilie. In Deutschland bleibt es hingegen beim Mieten: Mit 52,6 Prozent liegen die Deutschen beim privaten Immobilienbesitz im EU-Raum an letzter Stelle.

Kommentare Lesermeinungen (0)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort Weitere Artikel
  • Quelle: red | Foto: © istock.com/3quarks
  • Erstellt am 08.07.2015 - 09:09Uhr | Zuletzt geändert am 08.07.2015 - 09:28Uhr
  • drucken Seite drucken