Kanzlerinwetter

Görlitz, 21. Mai 2014. Den Seinen gibts der Herr im Schlafe - und wenn es das Kanzlerinwetter zum gestrigen Besuch von Dr. Angela Merkel in Görlitz ist. Nur im Publikum waren nicht alle auf eitel Sonnenschein gestimmt.

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Fritz R. Stänker und der Sozialismus

Man mag ja politisch stehen, wo man will, die Leistung der Bundeskanzlerin für Deutschland verdient Hochachtung (auch auf die Gefahr hin, dass der Görlitzer Anzeiger zum "CDU-gesteuerten Medium" erklärt wird). Immerhin hat die Kanzlerin hat den CDU-Hofstaat auf Linie gebracht und ergänzt die Kohl'sche Eigenheit des Aussitzen Könnens mit der Fähigkeit zum erfassen und analysieren komplexer Zusammenhänge, mit Pragmatismus und entschlossenem Handeln. Das kommt nicht unbedingt laut daher, sondern zeigt sich in der Fähigkeit, zur richtigen Zeit an den richtigen Strippen der Hampelmänner und -frauen zu ziehen.

Das mag insbesondere dem linken Spektrum nicht gefallen. Dort geistert, insbesondere unter den Jungkadern, die Meinung, der DDR-Sozialismus sei gar kein richtiger Sozialismus gewesen, der komme erst noch. Heilige Einfalt! Die DDR war der Sozialismus mit allen Begleiterscheinungen: Massive Einschränkung von Freiheit, Bevorzugung von Parteikadern gegenüber Leistungsträgern, staatlich gelenkte Wirtschaft inklusive "Amt für Preise", Verfolgung von Andersdenkenden, militaristische Erziehung schon im Kindergarten, Verhinderung von Bildung bei nicht genehmer "sozialer Herkunft" und so weiter.

Ergänzt werden muss, dass dieser real existierende Sozialismus in der Sowjetischen Besatzungszone im Vergleich zu anderen Ostblockstaaten hinsichtlich des Wohlstandes und der Volksgesundheit noch relativ erträglich war, auch wenn grundlegende soziale Fragen nicht gelöst werden konnten: Altersarmut und Wohnungsmangel waren bis zur Implosion des linken SED-Staates allgegenwärtig. Ein anderer Sozialismus linker Denkart ist nicht möglich, weil stets an der Umverteilung von "Reich" nach "Arm" angesetzt wird, was zu Nivellierung und Stagnation führt.

Beim Nachdenken über eine alternative Gesellschaft sind die Spielarten des Sozialismus linker und rechter Prägung keine Option. Wem dazu nichts einfällt, der lässt sich im Wahlkampf gar zu gern dazu hinreißen, sich - anstelle der politischen Auseinandersetzung - auf die Person der Kanzlerin einzuschießen. Damit allerdings setzt man sich selbst ins politische Aus und verhilft der CDU bei den vielen Wählern, die von der CDU-Politik profitieren, zu Stimmen.

Ach ja, die Kanzlerin war ja in Görlitz. Wissen Sie was, kaufen Sie sich mal die Sächsische Zeitung, dort hat Sebastian Beutler den Job schon gemacht und dazu was aufgeschrieben.

Ihr etwas wahlkampfmüder Fritz R. Stänker

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  • Quelle: Fritz R. Stänker
  • Erstellt am 21.05.2014 - 06:50Uhr | Zuletzt geändert am 21.05.2014 - 07:17Uhr
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