Computerspiele: Neue Studie liefert interessante Erkenntnisse

Görlitz, 27. September 2017. Ob man nun will oder nicht: Der Sommer scheint sich endgültig verabschiedet zu haben – der Herbst ist da. Statt an einem tristen Sonntagnachmittag an der Landeskrone spazieren zu gehen, wird der eine oder andere seine Zeit daher eher auf der Couch verbringen. Und manch einer wird die ruhige Zeit daheim auch für Computerspiele nutzen. Immerhin spielen Bitkom zufolge rund 20 Millionen Menschen hierzulande zumindest gelegentlich Videospiele. Doch so einseitig schädlich wie vor einigen Jahren noch angenommen, scheint dieser Zeitvertreib gar nicht zu sein. Das besagt zumindest eine aktuelle Studie.
Abbildung oben: © Flickr "Joystick", Foto: James Baker, Lizenz: CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten.

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Wie sich Ego-Shooter und andere Spiele auf das Gehirn auswirken

Räumliches Denkvermögen trainieren, Kombinationstalent beweisen, seine Geschicklichkeit steigern und dabei auch noch eine Menge Spaß haben – Browserspiele, die man heutzutage auch bequem online spielen kann, machen es jedem möglich – auch ohne dass man dafür eigene Spielekonsolen oder teure PC-Spiele kaufen muss. Damit wird auch die Schwelle zum Videospielgenuss immer niedriger. Und bei sogenannten Denkspielen ist der positive Nutzen für den Spieler direkt ersichtlich – man hat Spaß, hält aber gleichzeitig auch seine grauen Zellen auf Trab.

Bei First-Person-Shootern wie dem beliebten Call of Duty ist ein solcher Vorteil hingegen nicht unmittelbar ersichtlich. Kanadische Forscher haben nun allerdings rausgefunden, dass auch diese Art von Computerspielen sich positiv auf das Gehirn auswirken kann. Das hängt allerdings stark davon ab, welcher Lerntyp man ist. Getestet wurde das Ganze mit zwei unterschiedlichen Probandengruppen und dem genannten First-Person-Shooter Call of Duty.

Computerspiele können Gedächtnisbildung beeinflussen

Eine Gruppe, die das Spiel zum ersten Mal spielte, wandte das sogenannte Reiz-Reaktion-Lernen an. Die Teilnehmer merkten sich schlichtweg, welche Bewegungen – wie beispielsweise links-links-rechts-links – zum positiven Ergebnis führten. Die andere Teilnehmergruppe orientierte sich dagegen an virtuellen Objekten wie Bäumen oder Felsen und bevorzugte somit das räumliche Lernen.

Bei den Spielern, die auf Reiz-Reaktion-Lernen setzten, konnten die Forscher einen Zusammenhang zum Rückgang der Grauen Substanz im rechten Hippocampus feststellen – dem Gehirnbereich also, der für die Überleitung vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis entscheidend ist. Bildet sich die Graue Substanz zurück, wird es für den Betroffenen schwieriger, Erinnerungen abzuspeichern. Dafür nahm allerdings die Graue Substanz in dem Bereich des Gehirns zu, der für Gefahrenanalyse und die emotionale Bewertung von Situationen mitverantwortlich ist – fachsprachlich Amygdala genannt. Bei den Spielern, die sich räumlich orientierten, nahm dagegen die Graue Substanz im Hippocampus sogar zu. An der Amygdala konnten allerdings keine Veränderungen festgestellt werden.

Ob das Spielen von First-Person-Shootern sich nun vorteilhaft oder nachteilhaft auf den Hippocampus auswirkt, hängt im Wesentlichen vom Lerntyp ab, so das Fazit der kanadischen Forscher. Beim Spielen von 3D-Jump’n’Run-Spielen wie Super Mario 64 konnte übrigens sowohl bei den Räumlich-Orientierten als auch bei den Reiz-Reaktions-Lernern eine Zunahme der Grauen Substanz festgestellt werden. Mit diesen Erkenntnissen kann man an einem tristen Sonntagabend wohl auch mal ohne schlechtes Gewissen zum Controller greifen.

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  • Quelle: red | Foto mit einem Controller: © Flickr "Joystick", Foto: James Baker, Lizenz: CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten; Foto mit zwei Controllern: JESHOOTS / Jan Vašek, pixabay, Lizenz CC0 Public Domain
  • Erstellt am 27.09.2017 - 06:49Uhr | Zuletzt geändert am 27.09.2017 - 07:47Uhr
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