Gene mitverantwortlich für Adipositas
Görlitz, 15. September 2015. Auch im Görlitzer Straßenbild fällt auf, was Statistiken belegen: Jeder vierte Mensch ist stark übergewichtig. Gemäß der Definition der Weltgesundheitsorganisation wird ab einem Body-Mass-Index von über 30 von Adipositas (Fettleibigkeit) gesprochen. Fettleibigkeit wir in mehreren Stufen definiert. Liegt der BMI-Wert über 30 wird von "Adipositas Grad I" gesprochen. "Adipositas Grad II" wird ab einem BMI-Wert von 35 und "Adipositas Grad III" ab einem BMI-Wert von 40 diagnostiziert. In Deutschland hat die Prävalenz von Adipositas in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen und jeder Fünfte wird als adipös eingestuft.
Studien belegen: Adipositas liegt in den Genen
Beleibtere Menschen sind vielen Vorurteilen seitens der Gesellschaft ausgesetzt. Fehlende sportliche Betätigung und falsche Ernährungsgewohnheiten sind nicht die ausschließlichen Faktoren, die Fettleibigkeit begründen. Die genetische Ausstattung beeinflusst unter anderen die Veranlagung zu Fettleibigkeit.
Erste wissenschaftliche Hinweise bereits 1986
Bereits 1986 lieferte der Psychiater Albert Stunkard von der Universität of Pennsylvania eine umfassende medizinische Datensammlung von dänischen Adoptivkindern und deren leiblichen Eltern, die exakte Angaben zu Gewicht und Größe enthielt.
Auffällig war, dass die leiblichen Eltern von übergewichtigen erheblich dicker waren als die der schlanken Kinder. Es wurde kein Zusammenhang zwischen der Figur der Adoptiveltern und der Adoptivkinder gefunden. Vier Jahre später beobachtete Albert Stunkard, dass eineiige Zwillinge sich auffallend im Gewicht ähnelten, selbst dann, wenn diese kurz nach der Geburt getrennt wurden.
Erbgut hat Einfluss auf Körperfülle
Heute gehen Wissenschaftler davon aus, dass die Gene 50 bis 70 Prozent für die Varianz der Körperfülle verantwortlich sind. Die Gene scheinen sogar zu definieren, wie das Fett im menschlichen Körper verteilt und ob es eher am Bauch, Hüften, Oberschenkel oder Po angesiedelt ist.
Insgesamt sind es mehr als 100 Gene, die für viszerale Adipositas und Übergewicht verantwortlich sind. Die weltweit größte gemomweite Assoziationsstudie, die in "Nature" veröffentlicht wurde, belegte insgesamt 97 Gene, die den BMI beeinflussen. Eine weitere Studie in Nature aus 2015 bringt 49 Genvarianten mit der Fettleibigkeit in Verbindung. Diese Gene beeinflussen die Hirnfunktionen und wirken sich auf den Energiestoffwechsel aus.
Das internationale Forscherteam "Genetic Investigation of Anthropometric Traits" um Elizabeth Speliotes der Universität Michigan kam zu dem Ergebnis, dass der Gesamteinfluss der Gene bei 21 Prozent liegt. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sich die genetische Disposition auf die Körperfülle auswirkt. Leider gibt es kein alleiniges Gen, das die genetische Disposition der Fettleibigkeit erklärt und Ansatzpunkt für eine Therapie liefern würde.
Eine zweite Publikation von Karen Mohlke von der Universität of North Carolina in Chapell Hill gibt Aufschlüsse darüber, warum die spezielle Zunahme am Bauch erfolgt. Als Marker für viszerale Adipositas gilt das Taille-Hüft-Verhältnis, das sich auf eine Störung der Insulinwirkung zurückführen lässt. Die Genvarianten (SNP) betreffen allerdings die Wirkung von Insulin und die Angiogenese. Auffallend war, dass 19 SNP lediglich das Verhältnis von Taille und Hüfte bei Frauen beeinflussen, während sich lediglich eine DNP bei Männern auswirkte.
Verantwortlich für Adipositas: Genvariationen der Adipositas-Gene
339.000 menschliche Proben wurden in der bislang größten internationalen Genomstudie herangezogen. Diese Studie ergab, dass ca. 21 Prozent der adipositas-assoziierten Genvarianten den BMI beeinflussen. 68 Genstellen sind für die Fettverteilung im Körper verantwortlich, was die Analyse des Genoms von 224.000 Personen ergab.
Forscher und Wissenschaftler attestieren, dass die Unterschiede in der Abfolge der Nukleotiden (Abfolge der Genbausteine) eine großen Einfluss auf die körperliche Disposition haben. Es gibt nicht das eine Adipositas-Gen, sondern eine Vielzahl von Genvariationen sind für das Körpergewicht und den BMI verantwortlich. Die Wechselwirkung zwischen Gehirn und Genen, die im Limbischen System, Hypothalamus und Hippocampus aktiv sind, entscheiden über die Fettleibigkeit.
Die Studien bilden eine Grundlage für weitere Forschungen und entbinden Menschen nicht von der persönlichen Verantwortung, denn neben dem individuellen Genprofil sind der Bewegungsmodus und die Ernährung für das Körpergewicht verantwortlich.
Quellen:
- http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1502214
- http://www.healthexpress.eu/de/fettleibigkeit.html#Ursachen
- http://www.welt.de/wissenschaft/article10223944/Der-Ursprung-von-Uebergewicht-liegt-in-den-Genen.html
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- Quelle: red
- Erstellt am 15.09.2015 - 06:22Uhr | Zuletzt geändert am 29.04.2020 - 16:31Uhr
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