345 Euro und basta!
Kassel. Nun hat es das Bundessozialgericht bestätigt: Der Hartz IV-Regelsatz soll zum Leben ausreichen - sowohl zum Überleben als auch zur Teilnahme am sozialen Leben.
Kommentar
Das mit dem Stempel "Hartz IV" versehene Arbeitslosengeld 2 ist dafür gedacht, Grundbedürfnisse in einer überschaubaren Zeitspanne zu befriedigen, bis der Bezieher eine Arbeit gefunden hat. Die geringe Höhe der Leistung soll motivieren, jede beliebige Arbeit anzunehmen. Soweit die Theorie aus dem Blickwinkel eines Konzernvorstandes, dem man mit Sicherheit Weltfremdheit unterstellen darf. Wer das nicht glaubt, dem sei das Buch "Wie ein Vogel im Aquarium. Aus dem Leben eines Managers." des ehemaligen VW-Konzernvorstandes Daniel Goeudevert empfohlen.
Die Praxis sieht ganz anders aus: Viele Arbeitslosengeld 2-Empfänger haben am Arbeitsmarkt keinerlei Chance mehr - mangels Arbeitsangebot und bei durchaus vielen mangels Beschäftigungsfähigkeit. Wer über 25 Berufsjahre hinweg die gleiche einfach Tätigkeit in der Industrie ausgeführt hat, dem ist kaum Flexibilität abzuverlangen. Hartz IV als Dauerzustand.
Hinzu kommt, dass man sich auch mit dem Arbeitslosengeld 2 einrichten kann - warm, sicher und trocken ist garantiert, und hungern muss auch keiner. Die sozialen Ziele der DDR sind erfüllt, ganz ohne Arbeitsstress. Auf diesem Boden gedeiht die Unterschicht.
Aber heute soll es ums Geld gehen. Wo ist nun das Problem?
Das Leben richtet sich nicht nach dem Hartz IV-Regelsatz. Oft genug kommt es vor, dass ein Amt einfach mal nicht zahlt, vielleicht, weil ein Papierchen fehlt, von dem der Hartz IV-Empfänger nicht mal weiß, dass es existieren sollte. Den Betroffenen zu informieren, kommt den zentralbeheizten Mitarbeitern nicht in den Sinn - der wird sich schon melden, wenn das Geld alle ist. Und dann kann man ja schön engagiert tun: "Da kümmere ich mich gleich drum, das kommt in den nächsten Tagen!" Ist doch toll! Bürgernähe, Verständnis, persönliche Betreuung!
Dass der Hartz IV-Empfänger zwischenzeitlich Spießruten läuft, weil er Rechnungen nicht zahlen kann, Mahngebühren anfallen (die bei 345 Euro zum Leben so richtig wehtun), das Telefon gesperrt wird - weil er zwangsläufig keine Reserven für das Überleben hat, kann man sich auf einem Amt wohl nicht so richtig vorstellen.
Das alles stinkt so sehr zum Himmel, dass einige - wohlgemerkt nicht alle - Mitarbeiter der für die Verwaltung der Massenarbeitsloigkeit zuständigen Anstalten (des öffentlichen Rechts) und Behörden mit einer Nasenklemme herumlaufen müssten.
Wie kann es sein, dass eines der reichsten Länder der Welt es nicht fertig bringt, seinen Bürgern eine sinnvolle Beschäftigung anzubieten? Schon, um der sozialen Verwahrlosung Einhalt zu gebieten. Und wie kann es sich eine Volkswirtschaft leisten, auf ein riesiges Potenzial kluger Köpfe und starker Arme, denen Arbeit ein Bedürfnis ist, zu verzichten?
Bitte denken Sie weiter,
Ihr Fritz Stänker


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- Quelle: /Fritz Stänker
- Erstellt am 24.11.2006 - 07:44Uhr | Zuletzt geändert am 24.11.2006 - 08:19Uhr
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