Die Zeugen sind keine Helden

Mittweida. Diesmal in Mittweida. Denkbar überall in Sachsen. Sachsens Innenminister bittet um Zeugenhinweise - doch die haben offenbar weggesehen.

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Rechtsextremistischer Übergriff - ist die Regierung hilflos?

Am 12. November 2007 wurde bei der Polizei eine Straftat angezeigt, die bereits am 3. November 2007 begangen wurde. An jenem Samstag war eine 17-jährige Jugendliche auf der Lauenhainer Straße im sächsischen Mittweida zu Fuß unterwegs. Im Bereich vor dem dortigen NORMA-Markt bemerkte sie, wie vier junge Männer ein Kind herumschubsten. Das Mädchen weinte bereits laut.

Die 17-Jährige rief den Männern zu, sie mögen das Mädchen in Ruhe lassen. Daraufhin ließen sie von dem Kind ab, griffen die Jugendliche an und rissen sie zu Boden. Drei der Tatverdächtigen hielten nun die junge Frau fest, während der vierte ihr mit einem skalpellartigen Gegenstand ein ungefähr fünf Zentimeter großes Hakenkreuz in die Haut im Hüftbereich ritzte. Der Versuch der Täter, in die Wange des Opfers eine Sigrune zu ritzen, scheiterte an dessen Gegenwehr. Anschließend ließen die Täter von der Jugendlichen ab, so dass sie flüchten konnte. Dem Kind als dem ursprünglichen Opfer der Täter war zwischenzeitlich ebenfalls die Flucht gelungen.

Nachdem die Tat angezeigt worden war, nahm das Kommissariat Staatsschutz der Chemnitzer Kriminalpolizei die Ermittlungen auf. Im Umfeld des Tatortes konnten keine Personen ermittelt werden, die Zeugen des Geschehens geworden sind. Nach Aussage der 17-Jährigen habe sie auf Balkons umliegender Häuser jedoch Menschen bemerkt, denen der Vorfall nicht entgangen sein kann.

Durch die Ermittlungen der Kriminalpolizei gelang es am 15. November 2007 jenes Kind namhaft zu machen, dem ursprünglich der Angriff der Männer galt. Dabei handelt es sich um ein sechsjähriges Spätaussiedlermädchen, das den von der 17-Jährigen geschilderten Hergang bestätigte.

Schließlich konnten die Beamten einen 19-Jährigen aus dem Raum Burgstädt ermitteln, der im Verdacht steht, an der Tat beteiligt gewesen zu sein, in dem er die 17-Jährige mit festhielt.

Bei der Durchsuchung des Zimmers des 19-Jährigen in der elterlichen Wohnung stellten die Beamten mit Sand gefüllte Lederhandschuhe, einen Button mit dem Aufdruck „Sturm 34" und Datenträger sicher.

Die Staatsanwaltschaft Chemnitz beantragte gegen den Beschuldigten den Erlass eines Haftbefehls. Die Untersuchungshaft wurde beim Amtsgericht Chemnitz jedoch abgelehnt, da der Tatverdacht gegen 19-Jährigen nicht ausreichend nachweisbar war.

Mit Hilfe der 17-Jährigen konnten nunmehr Phantombilder erstellt werden, die zwei der vier Männer zeigen, die an der Tat beteiligt waren. Die Polizei hofft mit der Veröffentlichung der Phantombilder Hinweise zur Identität der Personen zu erhalten und darauf aufbauend auch die anderen Verdächtigen ermitteln zu können.

Zu den Tatverdächtigen liegen außerdem folgende Personenbeschreibungen vor:

1.Täter: 21 bis 25 Jahre alt, 1,80 m bis 1,85 m groß; kräftige, etwas schlaksig wirkende Gestalt, glatzköpfig, zur Tatzeit bekleidet mit dunkler Jacke mit dem Aufdruck „Lonsdale" und einem Löwenkopf sowie Schnürschuhen,

2. Täter: 21 bis 25 Jahre alt, 1,80 m bis 1,85 m groß, glatzköpfig, tätowierte Träne unter dem rechten Auge; zur Tatzeit bekleidet mit dunkler Jacke mit Aufnäher „NSDAP" und Springerstiefeln,

3. Täter: 21 bis 25 Jahre alt, 1,80 m bis 1,85 m groß; kräftige Gestalt, glatzköpfig, ovale Kopfform und sehr schmale Augenbrauen; bekleidet zur Tatzeit mit dunkler Hose und dunkler Bomberjacke mit Aufschrift „NSDAP", auffällig waren nach unten hängende schwarz-weiß-rote Hosenträger,

4. Täter, welcher der Geschädigten die Verletzung beibrachte: kräftige Gestalt, glatzköpfig, am Ringfinger und kleinen Finger der rechten Hand war jeweils eine Sigrune tätowiert; weitere Tätowierungen auf anderen Fingern sind wahrscheinlich vorhanden; bekleidet zur Tatzeit mit dunklen Schuhen und dunkler Hose.

Wer Angaben zur Identität der beschriebenen Personen machen kann oder wer hat die Tat beobachtet hat, sollte soviel Mut haben, sich zu melden. Gefragt sind auch weitere Angaben zum Tathergang und den Tatverdächtigen.

Hinweise in dieser Sache, die auf Wunsch auch vertraulich behandelt werden, nimmt die Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge unter Tel. 0371 - 387-2319 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.


Kommentar:

Möglicherweise schlägt sich die Demokratie mit ihren eigenen Grundsätzen: Tatverdacht nicht ausreichend, laufen gelassen ... weitermachen?

Da laufen also offenbar nicht ganz unauffällige Leute herum, die auf offener Straße sechsjährige Mädchen angreifen können und siebzehnjährigen Frauen die Haut aufschneiden.

Was macht der Innenminister? Der sagt was: "Dies ist eine schlimme Nachricht. Sie macht mich nicht nur entsetzt und traurig, sondern auch wütend. Ich bitte alle Bürger, die Polizei und die Justiz bei der Aufklärung zu unterstützen." Und lässt sich über den Fortgang der Ermittlungen informieren.

Vielleicht würde Buttolo aufwachen und sich die Augen reiben, wenn ihm jemand beibrächte, dass Rechtsradikale Terroristen sind, und zwar höchstgefährliche.

Da diskutieren Politiker, ob man nun Autokennzeichen erfassen soll, lassen Reisepässe entwickeln, die an technische Spielerei grenzen, und vor der Haustür der Bürger ist der Terror Realität. Abstumpfung greift um sich.

Wir brauchen keinen traurigen Innenminister, aber einen, der handelt!

Denkt Ihr Fritz Stänker.

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  • Quelle: /red
  • Erstellt am 23.11.2007 - 15:54Uhr | Zuletzt geändert am 23.11.2007 - 16:14Uhr
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