Die kluge Bauerntochter oder Geschichten einer Beziehung
Görlitz, 23. November 2022. Von Tina Beier. "Die kluge Bauerntochter" ist ein Märchen der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Es beschreibt, welche Höhen und Tiefen in einer Partnerschaft manchmal durchschritten werden müssen - von der ersten Verliebtheit, dem darauf folgenden Alltag bis hin zu den Situationen, die eine Partnerschaft auf den Prüfstand stellen. Doch die Geschichte nimmt ein glückliches Ende.
Verliebt, verlobt, verheiratet – und dann?
Viele vergleichen es mit einem Sechser im Lotto, den richtigen Partner fürs Leben zu finden. Und so ist es auch: Es nützt nichts, die Suche nach einem Lebenspartner zu forcieren, der Druck führt nur zu falschen Entscheidungen und ergo zu Enttäuschungen. Die Dinge passieren, wie sie passieren sollen.
Und fragt man nach, wie jemand seinen Partner kennengelernt hat, so erfährt man oft die kuriosesten Geschichten. Am Ende ist es egal, ob man sich schon im Sandkasten kennengelernt und dann 20 Jahre später wieder getroffen hat. Wer kennt nicht den Song von Klaus Lage von den tausend Berührungen und dem einen Mal? Heutzutage lernen sich manche im Internet kennen und fühlen sich dann magisch voneinander angezogen; alles ist erlaubt und legitim.
Trifft man die Eine oder den Einen, mit dem oder der man den Rest seines Lebens zusammen sein möchte, steht die Frage nach dem Bund fürs Leben im Raum. Die Vorbereitungen für eine Hochzeit sind aufregend und es gibt viel zu bedenken, nicht nur organisatorischer Art, denn oftmals treffen Familien aufeinander, die sich vorher noch gar nicht gekannt haben.
Noch vor der Trauung möchte so mancher “seinen Senf” dazugeben, jedes Familienmitglied hat seine Vorstellungen und seine Befindlichkeiten. An diesem Punkt muss sich das Paar auf sich selbst besinnen und einig werden, auch wenn die Wellen manchmal hochschlagen und es ohne Diskussionen untereinander wohl eher selten abläuft. Da bekommt man schon mal eine Vorstellung davon, was eine Ehe bedeutet: Toleranz, Akzeptanz und auch konstruktive Konfrontationen und Diskussionen.
Zeichen der Verbundenheit
Wichtig für den dauerhaften Bestand einer Partnerschaft sind Rituale, sprich Gewohnheiten und Abläufe, auf die man sich gegenseitig verlassen kann. Hinzu kommen äußerlich sichtbaren die Symbole der Verbundenheit, traditionell ist es auch heute noch so, dass die allermeisten Brautpaare für die Hochzeit Trauringe in Gold auswählen. Das wertvolle Gold besitzt in seiner Beständigkeit hohe Symbolkraft. Die Form eines Ringes ist endlos, ein Gleichnis für die endlose Liebe zueinander. Eine Gravur im Inneren der Ringe ist etwas Intimes, das können die Namen des Paares mit dem Hochzeitsdatum sein oder eine geheime, beide verbindendes Schlüsselwort, vielleicht der Titel eines Liedes, das für beide von Bedeutung ist.Die eingravierte Botschaft kann das Paar noch nach vielen Jahren der gemeinsamen Zeit daran erinnern, warum man sich füreinander entschieden und vielleicht um die Beziehung gekämpft hat. Eine Partnerschaft ist zu vergleichen mit einem langen gemeinsamen Weg, auf dem sich beide Partner im Laufe der Jahre weiterentwickeln – bestenfalls Hand in Hand.
Zurück ins Märchen
Die kluge Bauerntochter gewann die Gunst des Königs, indem sie ihm bewies, wie klug sie ist. Sie löste ganz gewitzt ein schwieriges Rätsel, das ihr der König gestellt hatte. Deshalb nahm der König sie zur Gemahlin und entließ ihren Vater aus der Haft.Das hat freilich seine Vorgeschichte: Die Familie des Bauern war arm und so bat er den König, ihm ein Stück Land zu überlassen. Der König schenkte dem Bauern ein Stück Land, um es zu bewirtschaften. Der Bauer war sehr dankbar. Beim Bestellen des Ackers fand er einen goldenen Mörser, den er aus Dankbarkeit dem König schenken wollte. Seine Tochter riet ihm jedoch davon ab, denn sie vermutete, der König fordere zum Mörser noch den Stößel. Und so kam es: Der König warf den Bauern in den Kerker, denn ein Stößel zum goldenen Mörser ließ sich nicht finden.
Nun denn, der Vater war also wieder frei und die Ehe glücklich. Doch nach Jahren des Glücks kam es zu einem Streit zwischen zwei Bauern. Einer der beiden Bauern bat die Königin um Rat, denn er erinnerte sich daran, dass sie eine Bauerntochter war. Sie gab ihm einen Rat unter dem Siegel der Verschwiegenheit – doch der König wunderte sich über das kluges Verhalten des Bauern. Da warf er ihn in den Kerker, wo er unter der Folter gestand, die Königin habe ihm den Rat gegeben. Nun fühlte sich der König getäuscht von seiner Gemahlin und warf sie aus dem Schloss. Nur etwas, das ihr Liebste und Schönste sei, sollte sie mitnehmen dürfen. So geschah es: Sie gab ihrem Gatten ein Schlafmittel und nahm ihn in weißes Linnen gehüllt mit in ihre Kate.
Als der König aufwachte, war er sehr verwundert. Er wusste nicht, wo er war, sah seine Gemahlin an und fragte sie, was passiert sei. Ihre Antwort war schlicht: Sie habe das ihr Liebste und Schönste aus dem Schloss mitgenommen, ihren Gemahl. Dem König traten die Tränen in die Augen vor Rührung und Liebe zu seiner Frau. So besann sich der König und bat seine Liebste, ihn erneut zu heiraten. Und so leben sie, wenn sie nicht gestorben sind, noch heute glücklich zusammen.
Was das Märchen lehrt
Es bedarf mehr als Verliebtheit, um ein gemeinsames Leben zu führen. Jeder macht mal Fehler, doch wenn er sich besinnt, kann ihm der Partner vergeben – das gilt für beide. So erwächst aus einer Verliebtheit mit der Zeit echte Liebe und ein gemeinsames Miteinander.Tipp:
In Berlin lädt die Brüder Grimm-Gesellschaft zur Dauerausstellung über das Leben und Werk der Brüder Grimm und zu Sonderausstellungen. Das verspricht einen spannenden Ausflug für die ganze Familie, denn: Wer ist nicht mit den Märchen der Brüder Grimm aufgewachsen?


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- Quelle: Tina Beier | Foto: Kranich17 / Michaela, Pixabay License
- Erstellt am 23.11.2022 - 17:50Uhr | Zuletzt geändert am 23.11.2022 - 18:15Uhr
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