Thorarolle aus der Neuen Synagoge Görlitz wieder aufgetaucht
Görlitz, 16. Dezember 2021. Die 1938 aus der Neuen Synagoge Görlitz entfernte – wohl gerettete – Thorarolle ist teils wieder aufgetaucht. Dazu eine Überlegung vorab: Aus deinem Haus wird ein Bild – warum auch immer – von einem Unbekannten mitgenommen. Später verkaufst du das Haus. Das Bild taucht wieder auf, doch wem gehört es nun? Nach dem Prinzip "nicht fest verbunden" doch nicht dem neuen Hauseigentümer, oder?
Ausstellung soll vorbereitet werden

Thema: Jüdisch

Juden hatten und haben einen großartigen Anteil an der Entwicklung Deutschlands in Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft. Leben ist undenkbar ohne die Erinnerung an die Zeit, als es in Deutschland ausreichte, Jude zu sein, um verhaftet, deportiert und umgebracht zu werden, wenn man nicht rechtzeitig geflohen war.
Teile der in der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 aus der neuen Synagoge zu Görlitz verbrachten – die Stadt Görlitz verwendet in einer Mitteilung den Begriff "verschwundenen" – Thorarolle wurden vom Vater des Kunnerwitzer Pastors i.R. Uwe Mader vor der Vernichtung bewahrt und über Jahrzehnte bei einer befreundeten Familie versteckt. Uwe Mader erfuhr von seinem Vater erst kurz vor dessen Tod Ende der 1980er Jahre davon und hat sich, inzwischen selbst 79 Jahre alt, nun entschlossen, diese historischen Dokumentteile dem Görlitzer Ratsarchiv zu übergeben und die damit verbundene Geschichte öffentlich zu machen.
Bei den Teilen der Thorarolle handelt es sich um Abschnitte einer Thora-Rolle aus der Görlitzer neuen Synagoge auf der Otto-Müller-Straße. In der Reichspogromnacht war versucht worden, sie in Brand zu setzen, doch die Feuerwehr löschte. Die jetzt übergebenen Teile waren wohl in großer Eile herausgechnitten worden sind. Es handelt sich um das Buch Genesis (1. Mose), Teile des Buches Numeri (4. Mose 35, 32 – 36,13) sowie Teile des Deuteronomiums (5. Mose 1,1 – 11,6a – 10 Gebote).
In Absprache mit dem Überbringer, Pastor i.R. Uwe Mader, und in Anwesenheit des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer wurden die Thoreteile heute den Medien und damit der Öffentlichkeit vorgestellt. Oberbürgermeister Octavian Ursu sagtedabei: "Wir sind sehr dankbar, dass wir solch einen wertvollen historischen Schatz für unser Ratsarchiv bekommen haben. Nach Inventarisierung und Aufarbeitung der mit den Dokumentteilen verbundenen Geschichte werden wir in enger Absprache mit jüdischen Vertreterinnen und Vertretern Sachsens eine Ausstellung der Thora-Teile für die Öffentlichkeit vorbereiten."
Ministerpräsident Michael Kretschmer dankte für die Übergabe: "Die Teile der Thora-Rolle sind wie eine Tür in die Görlitzer Geschichte der vergangenen Jahrzehnte, die sich nun öffnet. Herzlichen Dank für das große Vertrauen von Pfarrer Mader und seiner Familie."
Mehr:
Radio Zwickau berichtete


Geplündert
Von Avraham Yacobowitz am 16.12.2021 - 23:21Uhr
Diese „Rettung“ soll zurückgegeben werden an den Eigentümer: die Synagogen-Gemeinde Görlitz und ihre Nachkommen. Die Thora Fragmente waren geplündert. „Du sollst nicht stehlen“ gehört zu den zehn Geboten, die auch hier gerettet waren!

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- Quelle: red | Fotos: Paweł Sosnowski
- Erstellt am 16.12.2021 - 18:37Uhr | Zuletzt geändert am 16.12.2021 - 19:09Uhr
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