Zum Abriss im Görlitzer Gründerzeitviertel
Görlitz, 10. Dezember 2021. Das Stadtforum Görlitz zeigt sich bestürzt, weil aus seiner Sicht beim Abriss des Gründerzeitdenkmals Jauernicker Straße 31 "eilends vollendete Tatsachen geschaffen wurden". Ziel der Stadt müsse, so teilte das Stadtforum schon vor drei Tagen mit, der Erhalt der Einzeldenkmale, und – aus seiner Sicht noch wichtiger – der historischen Gesamtensembles sein.
Stadtforum Görlitz kritisiert Vorgehensweise der Stadt

"Die bis in die 1990er Jahre fast ungestört erhaltenen Görlitzer Gründerzeitviertel sind eines der größten zusammenhängenden Stadtquartiere des Historismus in ganz Deutschland, nur vergleichbar mit denen der Partnerstadt Wiesbaden und dem inzwischen stark perforierten Gründerzeitbestand Leipzigs", ist in der Mitteilung des Stadtforums Görlitz zu lesen. Deshalb sei es unbedingte Aufgabe der Stadt, darauf hinzuwirken, dass Eigentümer notleidender Denkmale entsprechende Reparaturarbeiten vornehmen.
"Im Baurecht gibt es viele Möglichkeiten, (untätige) Eigentümer historischer Gebäude zur Vornahme von Reparaturmaßnahmen zu bringen", so Andreas Vogel, Vorstand des Stadtforums Görlitz. Gerade die Görlitzer Stadtverwaltung, die wegen der verheerenden Reaktionen auf den im Jahr 2017 erfolgten Abriss der Landeskronstraße 34 eigentlich eine entsprechende sensiblere Herangehensweise an den Tag legen müsste, habe hier völlig unangemessen reagiert und einen wohl vermeidbaren Abriss zugelassen, da mit den heutigen baulichen Möglichkeiten auch statische Probleme, so die denn existierten, gut gelöst werden können.
In jedem alten Gebäude, wie auch in der Jauernicker Straße 31, stecke "graue Energie", die durch einen Abriss, der erneut Ressourcen benötigt, verloren gehen. Der nachfolgende Neubau, der auch gestalterisch mit der benachbarten Gründerzeitbebauung bricht, belastet die Öko-Bilanz erneut. Nicht ohne Grund hat der Bund Deutscher Architekten bereits im Jahr 2019 die Forderung formuliert, dass im Baubereich Wiederverwenden, Umnutzen, Nachnutzen und Mitnutzen an vorderer Stelle stehen müssen.
Problematisch ist nach Ansicht des Stadtforums auch die Tatsache, dass die städtische Denkmalschutzbehörde nicht mehr unabhängig entscheiden kann, da sie von einem eigenen Amt zu einem nachrangigen Sachgebiet im Amt für Stadtentwicklung degradiert wurde und der starke Denkmalschutz der 1990er Jahre, offensichtlich politisch gewollt, nicht mehr existiert. "Will man nunmehr durch die bereits erfolgten und geplanten Abrisse tatsächlich die Basis für Tourismus und Filmgeschäft schwächen?", so die Frage des Stadtforums Görlitz.
"Mit dieser Beliebigkeit in Denkmalschutzdingen wird Görlitz seinen bislang noch guten Ruf in Denkmalschutzkreisen über kurz oder lang verlieren", meint Thomas Göttsberger, stellvertretender Vorstand des Stadtforums Görlitz. Festzuhalten sei, dass in Görlitz seit der Wende mehr historische Häuser abgerissen wurden, als es die DDR je vermochte. "Dies sollte Mahnung genug sein, um zukünftig einen anderen, besseren Umgang mit denkmalgeschützter Substanz an den Tag zu legen", so das Stadtforum Görlitz.
"Bei solch grundsätzlichen Dingen sollte die Stadtverwaltung Transparenz walten lassen, den Stadtrat, auch wenn originär wohl die Zuständigkeit bei der Stadtverwaltung liegt, mit einbeziehen und frühzeitig die Öffentlichkeit informieren", fordert Göttsberger. Hier bestehe aktuell noch erheblicher Verbesserungsbedarf.
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02.12.2021: Wohnhausneubau im Gründerzeitviertel



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- Quelle: red | Fotos: Stadtforum Görlitz
- Erstellt am 10.12.2021 - 20:17Uhr | Zuletzt geändert am 23.02.2022 - 10:58Uhr
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