Leben in der Altstadt
Görlitz, 20. Dezember 2020. Dass jeder nach seiner Fasson glücklich werden muss, das wusste schon der Alte Fritz. Selbstverständlich gilt das auch fürs Wohnen. Aber warum zieht es so viele Leute in Wohnlagen wie die Görlitzer Altstadt?
Jedes Wohnumfeld hat seinen Reiz

Zweifellos hat das Leben in der Görlitzer Altstadt, aber auch in den anderen Stadtteilen wie etwa der gründerzeitlich geprägten Südstadt oder in Biesnitz mit seinen “Häusern zum drumherumlaufen”, wie man freistehende Eigenheime gern nennt, oder etwa im ländlich geprägten Schlauroth seine Vorteile.
Aber die historische Altstadt hat eben ihren ganz eigenen Reiz: Wohnungen, deren Zuschnitt nicht auf dem Reißbrett entstanden ist, Spuren der Geschichte allerorten und Ausblicke, an denen Carl Spitzweg seine Freude gehabt hätte. In wohl kaum einer anderen Stadt geben Bürger, auf offener Straße angesprochen, so bereitwillig und kenntnisreich Auskunft über die Geschichte und Besonderheiten ihrer Heimat.
Natürlich kennt das Leben in der Altstadt auch Seiten, mit denen mancher hadert. Doch wer sich angesichts von Märkten wie dem Schlesischen Tippelmarkt, dem Schlesischen Christkindelmarkt zu Görlitz, angesichts von Stadtfesten und etwa dem internationalen Straßentheaterfestival ViaThea angesichts von Geräuschen und Besucherandrang belästigt fühlt, dem muss man sagen: “Du kannst nicht alles haben!” Eine exzellente Wohnlag in einer lebendigen, ja manchmal sogar quirligen Altstadt ist nun einmal kein ländliches Wohnidyll – und auch dort echauffieren sich Zugezogene über krähende Hähne, duftende Ställe und staubende Mähdrescher.
Während auf dem Lande bei der Thematisierung von Parkplatzproblemen etwa schnell die Frage nach dem Stern, von dem man kommt, gestellt wird, ist das Thema in der Görlitzer Altstadt, in die sich der öffentliche Nahverkehr in Gestalt von Bus oder Straßenbahn nie verirren wird, schon fast existenziell, denn die Zahl Anwohnerparkplätze ist nun einmal begrenzt. Kleine Veränderungen beim Anwohnerparken schlagen schnell große Wellen und die Verwaltung wird sicherlich tief durchatmen, wenn Neuregelungen wie zum Parken von Gewerbetreibenden in Anwohnerparkzonen allgemein akzeptiert werden.
Wer in jüngeren Jahren in eine Wohnlage wie die Görlitzer Altstadt zieht, wird irgendwann nie wieder weg wollen. Allerdings wird es schon schwierig, wenn im Alter die Mobilität per pedes nachlässt und das Auto nicht vor der Haustür geparkt werden kann. Auch ein Treppenlift in einem denkmalgeschützten Haus, das zudem vielleicht noch sehr verwinkelt ist, kann zur Herausforderung werden.
Auch wenn die Gaststätten- und Veranstaltungsauswahl dann vor Ort nicht mehr so groß ist, wird für manchen auch der jüngeren Alten der Umzug aufs Land – vielleicht ins stadtnahe Markersdorf – zur Option. Das Auto am Haus zu parken, einen Treppenlift einzubauen, ob nun innen oder gegebenenfalls auch für den Zugang im Freien, all das ist hier viel einfacher zu gestalten. Allerdings zeigt die Erfahrung: Anstelle abends noch einmal in die Stadt zufahren, um einen der Altstadtwirte zu beglücken, genießt man dann doch lieber sein ganz privates Idyll.



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- Quelle: red | Fotos: © BeierMedia.de
- Erstellt am 20.12.2020 - 12:57Uhr | Zuletzt geändert am 19.01.2021 - 14:16Uhr
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