Vorfreude in schwerer Zeit
Görlitz, 26. November 2020. Update. Die Corona-Pandemie hat unserer Gesellschaft eine schwere Zeit gebracht. Damit sind weniger die formalen Vorsichtsmaßnahmen des Alltags – Abstand, Hygiene, Atemwegsbedeckung und Lüften – gemeint, die an vielen Orten gelten, sondern häufig ist es die neue Einsamkeit, die den Menschen zu schaffen macht. Kindern fehlen die Freunde zum Spielen, vielen der Alten in den Heimen verstehen nicht mehr so richtig, weshalb Besuche ausbleiben, die gewohnte Herzlichkeit im Umgang mit Freunden und Verwandten leidet, wenn man sich nur noch selten oder gar nicht sieht. Die nahende Adventszeit lässt das besonders stark spürbar werden. Doch Weihnachten, das ist auch Trost und Hoffnung und vielleicht findet so mancher in der Weihnachtszeit des Jahres 2020 das, was eigentlich hinter dem steht, was sonst mit Märkten, Geselligkeit und Geschenken gefeiert wird.
Erstmals wandern die Holzfiguren durch die ganze Stadt

Auch das wird fehlen: die große Krippe mit den handgeschnitzten Holzfiguren neben der Bühne des Schlesischen Christkindelmarktes zu Görlitz. Aber fehlen wird die große Krippe nicht am Heiligen Abend, wenn an ihr eine unkonventionelle Andacht stattfindet – nur heißt es diesmal am 24. Dezember nicht "Bethlehem im Bahnhof", sondern "Bethlehem am Bahnhof".
Die Dialogkrippe aus dem Zakopane, der Stadt am Fuße der Hohen Tatra, soll in diesem Advent zwar nicht auf dem Untermarkt, aber an vier anderen Orten in Görlitz zu erleben sein. Das Team des Görlitzer Adventskalenders um Gabi Kretschmer will damit gemeinsam mit der Görlitzer Kulturservicegesellschaft mbH dazu beitragen, dass der Advent trotz aller Einschränkungen eine schöne und besinnliche Zeit der Vorfreude auf Weihnachten wird.
Motto 2020: Bethlehem und die Kranken
Das diesjährige Motto der Dialogkrippe passt genau in dieses ungewöhnliche und beunruhigende Jahr 2020: Betlehem und die Kranken. So stehen bei Maria und Josef und dem frisch geborenen Jesus von Nazareth im Stall zu Bethlehem Persönlichkeiten der Neuzeit, die ihr Leben den unheilbar Kranken gewidmet haben. Da ist der Heilige Damian de Veuster, ein belgischer Priester, der im 19. Jahrhundert den Leprakranken auf einer Insel bei Hawaii beigestanden und dabei sein eigenes Leben geopfert hat. Oder, heute viel bekannter, Mutter Teresa, die als Ordensfrau bei den Ärmsten und den Kranken in Kalkutta gelebt und ihnen Trost und medizinische Hilfe geschenkt hat.Die Krippe wird an jedem Freitag im Advent ihren Platz wechseln und jeweils um 17 Uhr mit einer Feuerschale begrüßt. An den Adventssonntagen, ebenfalls um 17 Uhr, stimmen Bläser an der Krippe für ungefähr 20 Minuten in die vorweihnachtliche Zeit ein. Bei dieser kleinen musikalischen Andacht begrüßt das Team des Görlitzer Adventskalenders die Krippe noch einmal am neuen Ort. Dass die Besucher dabei eine Atemwegsbedeckung tragen und Abstand zueinander halten, ist selbstverständlich.
Update vom 03.12.2020: Coronabedingt muss die Dialog-Krippe ohne Posaunenchor auskommen.
Präsente für die Krippenbesucher
Über ein kleines Geschenk freut sich wohl jeder. Für die Besucher der Krippe sind Motive aus der biblischen Weihnachtsgeschichte, gestaltet vom Görlitzer Künstler Andreas Neumann-Nochten.Das ist der Reiseplan für die diesjährige Dialogkrippe:
- 27. November bis 4. Dezember 2020: Görlitz-Rauschwalde, zwischen der Lindenapotheke und dem Sanitätshaus Scheinflug
- 4. bis 11. Dezember 2020: Görlitz-Weinhübel, Endhaltestelle der Straßenbahn
- 11. bis 18. Dezember 2020: Görlitz-Königshufen, auf dem Boulevard
- 18. bis 23. Dezember 2020: Postplatz, neben dem Gerichtsgebäude
- 23. Dezember bis 7. Januar 2021: Berliner Straße, am Landratsamt
Hingehen!
- Die Andacht an Heiligen Abend am Görlitzer Bahnhof beginnt diesmal erst um 18 Uhr und wird vom Görlitzer Pfarrer im Ruhestand Georg Walter mitgestaltet. Dazu sind alle eingeladen, ob sie sich nun als Christen fühlen oder nicht – der Weihnachtsgeschichte und der Weihnachtsbotschaft "Friede auf Erden" kann sich wohl kaum jemand entziehen.
- Bereits um 16 Uhr ist die Dialogkrippe am 24. Dezember 2020 vor dem Gerhart-Hauptmann-Theater zu erleben. Hier lädt die Pfarrei Heiliger Wenzel zu einer gemeinsamen Krippenfeier unter freiem Himmel ein.
Hintergründe:
Die Idee der Dialogkrippen, von denen Schüler des nach dem Bildhauer und Pädagogen Antoni Kenar (1906-1959) benannten Schulkomplexes der Schönen Künste in Zakopane in jedem Jahr mehrere schnitzen, stammt von Priester Witold Broniewski. Jede der Krippen, die in Bahnhöfen, Krankenhäusern und auf anderen öffentlichen Plätzen aufgestellt werden, steht unter einem eigenen Motto. Der heutige Schulkomplex ist aus der 1876 gegründeten bedeutenden Holzschnitzerschule, aus der sich zunächst eine Berufsschule für die Holzindustrie entwickelte, hervorgegangen.
Antoni Kenar war ab 1954 als Professor Direktor der zweigleisigen allgemeinbildenden und künstlerischen Bildhauerschule, aus der der heutige Schulkomplex hervorgegangen ist. Vor seinem Bildhauer-Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau (Warszawa) hatte er die Bildhauerschule selbst absolviert. Nach dem Warschauer Aufstand 1944 wurde Kenar als Zwangsarbeiter nach Oberhausen und Essen verschleppt. Mit seinem Wirken an der Bildhauerschule gelang es ihm, die Bildhauerei mit der Volkskunst der Goralen zu verschmelzen.
Die Goralen haben zudem einen ganz eigenen Baustil, der in der Region um Zakopane zu finden ist, entwickelt. Und wer als Besucher der Geheimen Welt von Turisede bei Görlitz die Augen offenhält, entdeckt auch hier goralische Einflüsse.



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- Quelle: red | Foto Person: privat, Foto Zakopane: © BeierMedia.de
- Erstellt am 26.11.2020 - 05:16Uhr | Zuletzt geändert am 03.12.2020 - 17:27Uhr
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