Görlitz-Zgorzelec: die Vorurteile schwinden
Görlitz, 5. August 2020. Schritt für Schritt entwickelt sich die Europastadt Görlitz-Zgorzelec zum deutsch-polnischen Schmelztiegel, was sogar ein wenig internationales Flair mit sich bringt. Polen siedeln sich in Görlitz an, polnische Unternehmen nutzen Büroservices in der Neißestadt, um deutschen Kunden einen Ansprechpartner in Deutschland zu bieten. Auch die Deutschen gehen immer selbstverständlicher mit dem polnischen Stadtteil und seinen Einwohnern um, nicht wenige erlernen die polnische Sprache.
An manchen Klischees ist was dran. Na und?

Dieses immer näher Zusammenrücken bringt nicht nur neue Bekanntschaften, Freundschaften und geschäftliche Aktivitäten hervor, sondern damit geht der Abbau von Vorurteilen einher. Es ist ausgesprochen lustig, in deutsch-polnischer Runde über die lange Zeit gepflegten, manchmal auch regelrecht geschürten gegenseitigen Vorurteile auszutauschen und gemeinsam darüber zu lachen. Da geht es nicht nur um Plattitüden wie die polnische Liebe zu deutschen Autos, die so stark ist, dass man sie mit nach Hause nimmt, oder den strammen Deutschen, der für alles eine Vorschrift braucht und dem eine bestimmte Form von Ordnung über alles geht.
Wobei: Kompliziert ist das schon, denn Vorurteile entstehen nicht von allein. So, wie die polnische Automafia nach dem Fall des Eisernen Vorhangs tatsächlich jahrelang zum Problem wurde, ist es für viele Polen heute unerträglich, wenn ihr Land von deutschen noch immer als rückständig eingeschätzt wird. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat deutsch-polnische Klischees thematisiert und führt als Beispiel an, dass ein polnischer Hersteller top-moderner Busse diese lieber unter Namen verkauft, die nicht an Polen erinnern, weil man in Deutschland polnischen Unternehmen solche HighTech-Lösungen nicht zutraut.
Insgesamt aber nähern sich Deutschland und Polen in den realen Lebenswelten immer weiter an, nicht zuletzt haben die hervorragenden polnische Brauereien das deutsche Reinheitsgebot für sich entdeckt. Die nach 1990 Geborenen folgen zudem nicht mehr dem Täter- und Opfer-Klischee, sondern gehen unvoreingenommen aufeinander zu. Wie modern das heutige Polen ist, kann man in den Gewerbegebieten und Einkaufszentren rund um Breslau (Wrocław) – gerade mal knappe zwei Autobahnstunden von Görlitz entfernt – erleben. In den deutschen Medien wird das nicht unbedingt so widergespiegelt, hier steht eher die Politik der national-konservativen PIS-Partei im Fokus.
Wie dem auch sei: Nach Polen fahren, Land und Leute kennenlernen, das ist der beste Weg, Hemmschwellen abzubauen. Wer sich vorbereiten möchte, dem seien die Bücher von Steffen Möller , der brachiale Klischees als sexy empfindet, empfohlen.
Was sind also die wichtigsten Vorurteile, die in den Köpfen kleben wie Pech und Schwefel? An einem ist leider etwas dran, wenn man als Deutscher seine Landsleute in Polen beobachtet: Den arroganten Deutschen, der seine Verunsicherung hinter Überheblichkeit verbirgt, gibt es wirklich. Dass Deutsche in Polen als geizig gelten, das verwundert hingegen nicht, fahren doch viele in das Land, um vor allem Einkaufsschnäppchen zu machen. Dabei übersehen sie, was das heutige Polen an Kultur, Städten und Landschaften zu bieten hat – womit schon das nächste Klischee auftaucht: Hat es ein Pole geschafft, wie man so sagt, und baut sich ein Haus, dann gern so, dass alle sehr deutlich sehen, dass er "es geschafft" hat. Davon zeugt dann auch immer wieder ein prächtiges, zumindest aber ein schönes Gartentor, auch wenn es, was durchaus häufig der Fall ist, auf lange Sicht noch gar keinen Zaun gibt.
Einem Vorurteil der Deutschen gegenüber den Polen allerdings muss man ganz entschieden entgegentreten: Polen seien faul. Das Gegenteil ist richtig, denn was Polen auf sich nehmen, um arbeiten zu können, daran kann sich mancher Deutsche ein Beispiel nehmen. Beobachten lässt sich das auf der Autobahn bei Görlitz, wenn zum Beginn und zum Ende des Wochenendes die Pendlerwelle durchrollt. In Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Belgien und Großbritannien sind die Arbeitsplätze, die die polnische Heimat nicht bieten konnte.
Mehr:
Eine nicht ganz ernstzunehmende – Oder doch? – Vergleichsstudie über die unterschiedlichen Arbeitsweisen von deutschen und polnischen Handwerkern, erstellt von einem angeblichen "Institut für Arbeitsehtik der Universität in Görlitz".



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- Quelle: TEB | Fotos: © BeierMedia.de
- Erstellt am 05.08.2020 - 07:28Uhr | Zuletzt geändert am 24.02.2021 - 13:04Uhr
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