Landkreis Görlitz: Unbezahlbar oder nicht?
Landkreis Görlitz, 18. März 2020. Je mehr das Marketing von Kreativität und Fantasie beflügelt wird, umso deutlicher liegt eine Bruchlandung in der Luft. Der Landkreis Görlitz ist da offenbar Versuchsobjekt: Den Mut zum "Bananenkreis" ob seiner Gestalt auf der Landkarte hatte er nicht, dafür zu einem Signet, das – ob man nun will oder nicht – an einen Fußtritt erinnert. Nun hat er auch noch die Initiative ergriffen, ein "UnbezahlbarLand" zu werden. Was er mit unbezahlbar verbindet, kann jeder leicht an sich selbst überprüfen.
160.000 Euro für das Ehrenamt im Unbezahlbarland
Ehe hier weiter destruktiven Gedanken gefolgt wird – so verlockend das ist – soll doch lieber jene Komponente ins Licht gerückt werden, die bezahlbar ist: Die ehrenamtlichen Akteure im Landkreis Görlitz bei ihrer Arbeit für das Gemeinwohl. Auch wenn die Kombination von Ehrenamt und Bezahlung ein wenig paradox klingt: 160.000 Euro werden in diesem Jahr über das Portal www.unbezahlbar.land direkt vergeben. Ob Einzelperson, Gruppe oder Verein, ob Trikotsatz, Sommerfest oder Vereinsausflug, ob Kultur, Sport oder soziales Engagement – alle Akteure und Anlässe können vom warmen Regen mehr oder weniger viele Tröpfchen abhaben.
Die sogenannten Unterstützungsleistungen werden in den Kategorien
- Ehrenamt macht schlau
- Ehrenamt macht(s) schön
- Ehrenamt trifft sich
- Ehrenamt Raum geben
- Ehrenamt ist innovativ
- Ehrenamt wertschätzen
- Ehrenamt wächst nach
So funktioniert es
Es werden Beträge von 200 Euro und 500 Euro ausgezahlt, wobei den Unterstützungsbetrag die Antragsteller den Unterstützungsbetrag von 200 Euro schnell und unkompliziert nach Prüfung ihrer Angaben erhalten. Über die Vergabe der Beträge in Höhe von 500 Euro entscheidet eine Jury, die das Anliegen bewertet und gegebenenfalls noch einmal hinterfragt. Die Jury besteht aus fünf Personen aus der Bürgerschaft des Landkreises Görlitz, einem Medienvertreter sowie fünf Vertretern der Landkreisverwaltung. Die Juroren bewerten alle Anträge unabhängig voneinander per online-Abstimmung, in deren Ergebnis die Antragssumme von 500 Euro jedoch bestätigt oder auf 200 Euro herabgesetzt werden.Fördermittelgeplagte werden zu schätzen wissen, dass kein langwieriges Antragsverfahren notwendig ist. Nicht einmal ein Verwendungsnachweis für die erhaltenen Geldbeträge muss erbracht werden – dessen Prüfung könnte ja leicht teurer werden als die Zahlung selbst. Nein, nein: Einzige Voraussetzungen, um gegebenenfalls ans Geld zu kommen, sind das vollständige Ausfüllen des Online-Formulars und eine plausible Darstellung des geplanten Vorhabens.
Marketing-Gag inklusive
Nach Bewilligung des Antrages erhalten die Akteure einen symbolischen Scheck über 200 Euro bzw. 500 Euro zugesandt. Dann müssen sie nur noch ein Foto anfertigen, das "den Scheck zusammen mit seinen freudigen Empfängern zeigt", wie mitgeteilt wird. Erst wenn dieses Foto, das zur Veröffentlichung geeignet sein muss, eingeschickt wurde, wird der Betrag überwiesen – die Datenschutz-Grundverordnung lässt grüßen.Wo und wann können Anträge gestellt werden?
Wer das mitmachen will, muss den Antrag online auf www.unbezahlbar.land stellen.Konkret bedeutet das: Der Gesamtbetrag für 2020 wird jeweils zur Hälfte im Frühjahr und im Herbst vergeben. Das Portal zur Antragstellung wird am 30. März 2020 freigeschaltet und bei Erreichen von 80.000 Euro wieder geschlossen. Die Antragstellung im Herbst soll ab dem 7. September 2020 möglich sein, gleiches Spiel, neue Runde.
Jeder Verein bzw. jede Privatperson kann nur einen Antrag stellen, Mehrfachanträge sind nicht zulässig. Werden mehrere Anträge eingereicht, so wird nur der erste Antrag bearbeitet, das gilt auch für die beiden Antragsphasen: Ein Antragsteller, der im Frühjahr eine Zuwendung erhalten hat, wird im Herbst mit einem weiteren Antrag nicht mehr berücksichtigt.
Logisch, dass wieder Fördermittel im Spiel sind: Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.
Kommentar: Kommt der Wandel für das Ehrenamt?
Ehrenamt ist wichtig, ohne Frage, es ist der soziale Kitt in der Gesellschaft. Wobei wir mit "sozial" bereits beim Thema sind: Nicht nur, dass in vielen Sozialberufen vergleichsweise schlecht verdient wird, viele Aufgaben werden von Ehrenamtlern übernommen. Das hat über Jahrzehnte funktioniert, doch die hohe Wirtschaftsproduktivität, die Digitalisierung und das, was man Künstliche Intelligenz nennt, werden viele der Berufsgruppen, die nebenher ehrenamtlich tätig waren, nach und nach ausmerzen. Ähnlich ist es bei den ehrenamtlich tätigen Senioren: Hier ermöglicht heute noch eine gute Rente das Engagement, künftig werden aber mehr Senioren Geld hinzuverdienen müssen, also weniger Zeit fürs Ehrenamt haben.
Schon jetzt leiden typische Ehrenamtsbereiche die Freiwilligen Feuerwehren unter der Flexibilisierung der Arbeitswelt, die weder Zeit noch Präsenz zulässt, und unter dem Anspruch an eine Lebensqualität, die von weitgehender Unverbindlichkeit gekennzeichnet ist: Der Nachwuchs bleibt aus.
In der gespaltenen Gesellschaft mit den Gutverdienern einerseits und den Gering- oder Nichtverdienern andererseits besteht der einzige Ausweg wohl darin, nicht nur Geringverdienern ein auskömmliches Einkommen zu ermöglichen, sondern auch bisherige Ehrenamtler für ihre Tätigkeit zu bezahlen. Wer sich von Jugend an in der Freiwilligen Feuerwehr, im Sportverein oder im Sozialbereich engagiert, muss dass ab einem gewissen Punkt damit auch seine Lebenshaltung finanzieren können – schon vor der Rente,
meint Ihr Thomas Beier



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- Quelle: red | Kommentar: Thomas Beier |
- Erstellt am 18.03.2020 - 11:12Uhr | Zuletzt geändert am 24.01.2022 - 17:53Uhr
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