Welches Europa wollen wir sein? Mit Grenzen oder grenzenlos?

Bild zu Welches Europa wollen wir sein? Mit Grenzen oder grenzenlos?Görlitz | Berlin, 25. April 2019. Europa – das ist gerade für uns in Deutschland eine Art von Lebensversicherung gegen Krieg und für Wohlstand. Wir genießen, dass die Staatsgrenzen in den Hintergrund treten und eher zu Nahtstellen des zusammenwachsenden Europas werden. Nicht allen gefällt das und so steht die Frage "Welches Land wollen wir sein?" im Raum.
Abbildung: Fragment eines Wahlplakates an der Reichenbacher Straße in Görlitz (Ausschnitt), aufgenommen am Tag des Gewerbecenterbrandes am 25. Februar 2019

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Kooperation mit dem Festival für zeitgenössische Künste "Zukunftsvisionen"

Die Initiative Offene Gesellschaft, ein als gemeinnützig anerkannter Verein, hat sich unter dem Motto "Die offene Gesellschaft in Bewegung" auf eine außergewöhnliche Reise quer durch die Bundesrepublik begeben. In zehn Städten – darunter die Europastadt Görlitz-Zgorzelec – und auf Festivals diskutiert sie mit Ausstellungen, Debatten, Workshops oder Kunstaktionen die Frage, was für ein Land wir sein wollen.Der zweite Tourstopp – nach dem ersten in Schwerin – liegt in der Neißestadt an der Via Regia und zwar von Mittwoch, 22. Mai, bis Montag, 27. Mai 2019. Da war doch was? Stimmt, am 26. Mai findet in Görlitz nicht nur die Kommunal- und Oberbügermeister(in)wahl statt, sondern auch die Europawahl. Deshalb ist das Motto beim Aufenthalt in der Europastadt leicht verändert und lautet: Welches Europa wollen wir sein? Das Anliegen der Aktion insgesamt ist es, an jedem Ort der Tour durch Deutschland nach Ideen und Zukunftsvisionen für eine offene Gesellschaft zu suchen. Gemeinsam mit lokalen Gruppen und Vereinen, der Politik und interessierten Bürgern sollen neue Gedanken entwickelt und es soll guten Ideen und Engagement eine Bühne gegeben werden.

Zentraler Anlaufpunkt jeder Station der offenen Gesellschaft in Bewegung ist eine interaktive Ausstellung, in Görlitz im Uferpark in Form eines riesigen Ausrufezeichens. In der Ausstellung und in einem mobilen Ideenlabor, das an unterschiedlichen Orten in der Stadt Halt macht, sollen die brennenden Fragen und Themen der Görlitzer diskutiert und gemeinsam Lösungsansätze entwickelt werden. Die gesammelten Ideen werden anschließend von Ort zu Ort weitergetragen und am Ende der Tour veröffentlicht.

Rund um die Ausstellung finden an den sechs Aktionstagen außerdem Veranstaltungen statt, die von lokalen Partnern organisiert werden. Am 24. Mai 2019 lädt zum Beispiel der Aktionskreis für Görlitz e.V. zu einer Lesung mit anschließender Debatte mit der Autorin Jana Hensel und dem Soziologen Wolfgang Engler ins Schlesische Museum zu Görlitz ein – Thema: "Wer wir sind – Die Erfahrung ostdeutsch zu sein." Zu weiteren Veranstaltungen lädt die offene Gesellschaft in Bewegung in Kooperation mit dem parallel stattfindenden Festival für zeitgenössische Künste "Zukunftsvisionen".

Mitmachen!
Auch weitere Görlitzer sind zum Mitmachen aufgerufen. Interessierte Vereine, Initiativen, Unternehmen oder Bürger, die Veranstaltungen ausrichten möchten, können Anfragen bis kurz vor dem Start an in-bewegung@die-offene-gesellschaft.de stellen.

Hintergrund: Wer ist die Initiative Offene Gesellschaft?
Die Initiative Offene Gesellschaft versteht sich als unabhängige bürgerschaftliche Initiative ohne Parteibindung. Sie will Ideen-Plattform für die offene Gesellschaft sein, veranstaltet Aktionen und verbindet Menschen, die etwas für eine lebendige Demokratie tun wollen. Dabei setzt sie sich für Freiheit, Begegnung und eine starke Zivilgesellschaft ein. Einmal mehr sind Fördermittel im Spiel: Die Initiative Offene Gesellschaft wird im Bundesprogramm "Demokratie leben!" durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.


Kommentar:

Auf den ersten Blick regt diese Initiative an zum Ablästern über das Sendungsbewusstsein der Berliner (woanders gern Saupreißn genannt) an, über jene, die glauben, draußen in der Republik mal erklären zu müssen, was Sache ist. Immerhin hat Görlitz bereits eine Lesebühne, die ausschließlich Berliner Autoren vorbehalten ist.

Die andere Seite: Fährt man – beispielsweise – auf der Straße zwischen dem vorgelagerten Ortsteil Schlauroth und Görlitz-Rauschwalde, fällt eine Häufung von AfD- und NPD-Plakaten auf. Zum Glück wissen wir längst, dass Masse nicht Klasse bedeutet und außerdem die Stadtratskandidaten, die auf der Freien Liste von Motor Görlitz kandidieren, ganz auf Plakatwerbung zugunsten der Unterstützung gemeinnütziger Projekte verzichten: "Gute Tat statt Plakat!" heißt das Motto.

Dennoch fragen sich vor allem Leute von anderswo, was hier, tief im Osten, los ist (und woanders kommt man in Erklärungsnot). Ist ein neues Tal der Ahnungslosen entstanden oder erleben wir "DDR" 2.0: Grenzen dicht machen, Überwachung über alles und Polizeipräsenz sollen eine Gesellschaft heilen und in Bezug auf Grundwerte einen?

Den Wandel, so sehr er auch verunsichern mag, kann man nur mitgestalten, nicht aber verhindern. Dafür braucht es Leute, die sich in der Veränderung verorten können und Zusammenhänge begreifen, die ableiten können, was zu tun ist, nicht aber jene, die mit der Präzision eines mechanischen Uhrwerks, eines geschlossenen Systems, im Sinne eines "wenn – dann" denken.

Die Zeiten trivialer Entscheidungen sind vorbei,

meint Ihr Thomas Beier

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  • Quelle: red | Kommentar: Thomas Beier | Foto:
  • Erstellt am 24.04.2019 - 14:32Uhr | Zuletzt geändert am 25.04.2019 - 00:19Uhr
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