Erste Integrationsmesse des Landkreises Görlitz

Bild zu Erste Integrationsmesse des Landkreises GörlitzLandkreis Görlitz, 26. Februar 2019. Der demografisch gebeutelte Landkreis Görlitz, der einen Mangel an Leistungsträgern und vor allem Leistungsträgerinnen weder verbergen kann noch will, hat sich etwas einfallen lassen: Eine "Integrationsmesse" unter der Motto "Ankommen und Leben im Landkreis Görlitz". Sie richtet sich an (neu) Zugewanderte, haupt- und ehrenamtliche Akteure sowie Unternehmen und soll eine Plattform für das gegenseitige Kennenlernen, den Informationsaustausch sowie das Knüpfen neuer Netzwerke sein.

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Es geht um Migranten

Mehr als 60 Aussteller wollen auf der Messe über Bildung, Arbeit und Beruf, Leben und Wohnen, Freizeit und Vereine sowie Ämter und Behörden informieren. Die Messebesucher können regionale und nationale Förder- und Unterstützungsprogramme für Betriebe kennenlernen und sich über Hilfe bei der Suche nach ausländischen Fachkräften informieren. Außerdem soll die neue Messe die Möglichkeit bieten, Partner zu finden, die ausländischen Mitarbeitern beim Einleben im Landkreis Görlitz erleichtern. Ergänzt wird das Programm durch Workshops für Geflüchtete, womit wohl Migranten insgesamt gemeint sind, zum Bewerbungsmanagement und Bewerbungscoaching.

Die Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping, soll als Schirmherrin der Messe, so ist vorgesehen, diese eröffnen. Sie freut sich auf viele interessante Gespräche und Begegnungen: "Ich habe sehr gern die Schirmherrschaft für die erste Integrationsmesse des Landkreises Görlitz übernommen. Die Integrationsmessen, die inzwischen in vielen sächsischen Städten und Gemeinden von den lokalen Verantwortlichen initiiert werden, bieten eine gute Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Probleme und Fragen können im direkten Austausch oftmals gleich vor Ort gelöst und beantwortet werden. Außerdem lernt man sich gegenseitig kennen und erweitert dadurch sein persönliches Netzwerk."

Veranstalter der Integrationsmesse ist der Landkreis Görlitz. Sie wurde in enger Zusammenarbeit mit der Ausländerbeauftragten des Landkreises Görlitz, dem Kirchenbeauftragten für Integration und Asyl, der Servicestelle für ausländische Servicekräfte sowie den Arbeitsmarktmentor und vielen weiteren Unterstützern konzeptioniert.

Hingehen!
Mittwoch, 6. März 2019, von 10 bis 15 Uhr,
Messe- und Veranstaltungshalle Löbau, Görlitzer Straße 2, 02708 Löbau
Eintritt frei.

Programm:

  • Eröffnung und Begrüßung durch Staatsministerin Petra Köpping und Dezernentin Heike Zettwitz
  • Filmvorführung "Görlitz – Gesichter und Geschichten – Fragen an Zugezogene aus nah und fern"
  • Präsentation des Integrationskonzeptes des Landkreis Görlitz
  • Vorstellung SiLk Görlitz – ehrenamtlicher Sprachmittlerpool im Landkreis Görlitz für KiTas und Schulen
  • Best Practice: FormularLotse – Fallstricke in der Bürokratie
  • Vorstellung des Modellprogramms "Arbeitsmarktmentoren für Geflüchtete"
  • Best Practice: Erfahrungen von Unternehmen mit ausländischen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen
  • Vorstellung: MiMi – Migranten schulen Migranten


Kommentar:

Eine der effizientesten Methoden der Demoskopie, der Meinungsforschung, ist es, im Untersuchungsgebiet Taxi zu fahren und mit dem Taxifahrer einen Schwatz zu machen. Als Fahrgast wird man bei solchen Gelegenheiten oft ganz unbeabsichtigt zum Meinungsforscher. In der vielleicht bedeutsamsten Stadt des Landkreises ist mir das erst neulich wieder passiert. Berichtet wurde mir von einer befreundeten Familie des Fahrers, die zur Zuzugsidealzielgruppe mit Vermehrungswunsch gehört, nun aber wohl in die alten Bundesländer zurückgehen wird. Dafür wurden drei Ursachen genannt: Entgegen der anfänglichen Begrüßungseuphorie ständige Gängelei im Arbeitsalltag, keine Chance, einen Hausarzt zu finden, und deutlich teurere Immobilienpreise im Vergleich zur Herkunftsregion.

Liest man jedoch die obenstehende Ankündigung der Integrationsmesse, so kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass diese Familie nicht zur Zielgruppe gehört, sondern dass die Messe ausschließlich für Migranten konzipiert ist (nicht etwa für Geflüchtete, einem Begriff, der an unmittelbare Lebensbedrohung denken lässt). Hört man sich die Geschichten der wild Zugewanderten an, dann geht es oft ganz einfach um verständliche Suche nach einer Chance auf ein besseres Leben, die in Deutschland gesucht wird, wie man in einigen Videos dieser Dokumentation nachvollziehen kann).

Menschen aus Deutschland, die in den Landkreis Görlitz umziehen möchten, der ja durchaus mit Reizen nicht geizt, sind, so scheint's zumindest, nicht die Zielgruppe der Veranstaltung. Sie jedoch von der Unterstützung bei der Zuwanderung auszublenden, das wäre sträflich und würde jenen Kräften in die Hände spielen, denen die Integrationsbemühungen für Migranten eh ein Dorn im Auge sind,

meint Ihr Thomas Beier

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  • Quelle: red | Kommentar: Thomas Beier |
  • Erstellt am 26.02.2019 - 07:00Uhr | Zuletzt geändert am 26.02.2019 - 08:14Uhr
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