Markersdorf sammelt für eine Gedenktafel

Markersdorf, 3. März 2015. Der Markersdorfer Ortschaftsrat sucht Spender für eine Gedenktafel für die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Sie soll das Kriegerdenkmal gegenüber der Ruine der St.-Barbara-Kapelle ergänzen.

Anzeige
cms[SKYSCRAPER]

Deutschland und seine toten Krieger - bitte nachdenken

Gebraucht werden ungefähr 800 Euro. Erst wenn das Geld zusammen ist, wird der Auftrag für die Herstellung der Gedenktafel erteilt. Sollte mehr Geld eingehen als für die Tafel benötigt, garantiert der Ortschaftsrat dafür, dass es nur für die Instandsetzung und Erhaltung des Denkmals verwendet wird.

Wer sich von der Aktion angesprochen fühlt, findet auf der Webseite der Gemeinde Markersdorf die Bankverbindung für seine Spende, die übrigens auch in bar möglich ist, und zum Erhalt eines Spendenbelegs.

Kommentar:

Kriegerdenkmale sind keine deutsche Besonderheit - oder doch? Immerhin wurden sie - die meist an den deutsch-französischen Krieg 1870/71 und vor allem an den Ersten Weltkrieg erinnern - auch in der sowjetischen Besatzungszone von der Siegermacht nicht angetastet. Das lag wohl daran, dass das deutsche Kaiserreich nach dem Attentat von Sarajevo formal aufgrund seiner Bündnisverflichtung in den Krieg eintrat. Losgetreten hatte das Unheil Österreich-Ungarn mit seiner an Serbien gerichteten Kriegserklärung.

Der vermeintliche Sommerkrieg entwickelte sich zur Materialschlacht: Massenmord zu Gunsten der Rüstungsindustrie. Der Waffenstillstand von Compiègne - Sie erinnern sich, der Waggon, in dem es Hitler später den Franzosen heimzahlen wollte - mit den folgenden Reparationslasten für Deutschland gilt als eine der Wurzeln des Zweiten Weltkriegs, ist aber keine Entschuldigung für die in Deutschland zum Durchbruch gelangte Nazi-Ideologie.

Entsprechend schwierig ist ein Opfer-Gedenken im Zusammenhang mit WW2: Während die Frage Opfer oder Täter auf der Hand zu liegen scheint, wird es schwierig, wenn die Täter zu Opfern werden, wenn die Mitläufer zu Opfern werden, wenn die schweigende Mehrheit schlussendlich das Opfer ist.

Hat man den Erzählungen deutscher Soldaten von den "Feldzügen" 1939 bis zum Untergang sorgfältig zugehört, dann ist immer die Floskel "dann hieß es" aufgefallen. Es "hieß so" - und entsprechend sind sie marschiert, die Kameraden, erst vorwärts, dann rückwärts. Dann hieß es, lieber zum Ami. Aber der war 1945 auf den Wiesen am Rhein auch nicht gnädig. Game over.

Hoffentlich, oh, ich hoffe, lassen sich die Markersdorfer nicht zum platten Spruch von den "unschuldigen Opfern" verleiten, denn auch die Schuldigen wurden verleitet von einer Ideologie, von einem Glauben an Deutschland, ein Deutschland, dass mangels Vergleichs halt das Größte über allem war. Ah ja, Deutschland hatte die Sozialversicherung erfunden, Deutschland hatte das diskriminierend gedachte "Made in Germany" zum Qualitätskennzeichen gemacht. Deutschland hatte Arbeit als erstrebenswerten Lebensinhalt positioniert, nanu. Das haben die SED-Linken dann übernommen: Held der Arbeit. Von den Nazis waren die gar nicht so weit weg, nur haben sie die Menschen nicht systematisch umgebracht.

Worauf man alles so kommt, wenn über eine Gedenktafel nachdenkt. Aber dafür ist sowas schließlich da. Ja, für wen, für wen, verdammt, soll so eine Gedenktafel an einem Kriegerdenkmal - nicht Ehrenmal - stehen? Eigentlich muss sie dafür stehen, sich nicht von einer Ideologie verleiten zu lassen, heute muss sie dafür stehen, sich nicht von Medien verleiten zu lassen, vor allem aber nicht von Rattenfängern, die einfache Lösungen für höchst widersprüchliche Probleme propagieren.

Wie könnte eine einprägsame Inschrift lauten? "Den Opfern des Zweiten Weltkriegs und der nachfolgende Kriege. Gewalt ist niemals menschlich."

Denken doch bitte auch Sie mal drüber nach,

hofft Ihr Thomas Beier

Kommentare Lesermeinungen (0)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort Weitere Artikel
  • Quelle: red | Kommentar: Thomas Beier | Fotos: © beiermedia.de
  • Erstellt am 02.03.2015 - 22:29Uhr | Zuletzt geändert am 03.03.2015 - 09:55Uhr
  • drucken Seite drucken