Eine Zukunft in Görlitz

Görlitz, 12. Juni 2014. Zugegeben, die letzten Jahrzehnte waren für Görlitz nicht gerade rosig, war es doch wirtschaftlich in mancherlei Hinsicht genauso an den Rand gedrängt wie geographisch. Doch seit einigen Jahren scheint sich die Lage zu stabilisieren und nicht zuletzt die Beliebtheit als Filmkulisse hat dafür gesorgt, dass die Neißestadt verstärkt wahrgenommen wurde. Diese neue Wahrnehmung sorgte dafür, dass immer mehr Senioren darauf aufmerksam wurden, wie wunderbar sie ihren Lebensabend in einer der wunderschönen Gründerzeit-Altbauwohnungen verbringen könnten. Seither locken die günstigen Immobilienpreise, die Schönheit und auch Abgeschiedenheit der Lausitz und nicht zuletzt Görlitz selbst mit seinen wachsenden kulturellen Angeboten seit einigen Jahren beständig Rentner in die Stadt.

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Perspektiven für die Jugend?

Das bringt natürlich auch für den Nachwuchs einige berufliche Chancen mit sich. Ältere Menschen brauchen Ärzte, Therapeuten, Beschäftigungsmöglichkeiten und im schlimmsten Fall eben auch einige Pflegeeinrichtungen. Für eine Stadt, in der bisher den meisten Heranwachsenden klar war, dass sie sie irgendwann verlassen müssen, um berufliche Ziele zu erreichen oder sich weiterzuentwickeln, ist das ein Lichtstreifen am Horizont. Wenn zunächst auch nur ein sehr schmaler.

Allerdings scheint die starke Abwanderung junger Leute vom Osten in den Westen in letzter Zeit eine Gegenbewegung zu erfahren. Wie in diesem Bericht der WELT ersichtlich wird, trifft eine sinkende Zahl von Abwanderungen auf eine steigende Zahl von Rückkehrern, so dass sich die Wanderungsbewegungen generell inzwischen einem Gleichgewicht annähern.

Kein Wunder, denn viele junge Absolventen aus Görlitz und Umgebung haben zunächst das Bedürfnis ein anderes Leben weitab der überschaubaren Heimat zu führen. Und was eignet sich dazu besser, als eine Ausbildungs- oder Studienzeit in der Ferne? Doch nach einigen Jahren wird die Sehnsucht nach Freunden und Familie immer stärker. Zudem lockt die oftmals bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familiengründung und so wird nach Wegen gesucht, wieder in die Nähe der Heimat zurückkehren zu können.

Einmal Mainz und zurück

Eine ideale Voraussetzung für die Rückkehr ist dann natürlich ein Beruf, mit dem man in Görlitz schnell Arbeit finden und wieder Wurzeln schlagen kann. Wie bereits angedeutet, wäre dafür das Gesundheits- und Pflegewesen gut geeignet, eine Fachrichtung, die man inzwischen in Halle und Dresden, aber auch in weiter entfernten schönen Studentenstädten, wie beispielsweise Mainz, studieren kann.

Vor allem in der letztgenannten Stadt kann man die Zeit nutzen, weit entfernt vom engen Elternhaus auf eigenen Füßen zu stehen und nebenbei das Studentenleben in vollen Zügen zu genießen. Das ist dort ohne weiteres möglich, denn die Stadt ist sehr durch ihre fast 40.000 Studierenden geprägt und so ist die Auswahl welche Kneipen, Cafés, Clubs oder Kellerkonzerte man besuchen will die einzige Qual, der man sich stellen muss.

Zudem hat Mainz im Vergleich zu anderen vergleichbaren Hochschulstädten einen relativ gemäßigten Wohnungsmarkt, wovon man sich mit einem Blick auf diese Seite überzeugen kann. Generell sind große Wohnungen günstiger, weshalb WGs nach wie vor die beliebteste Wohnform darstellen. Irgendwie gehört das ja auch zum Studentenleben dazu. Und umso schöner sind die seltenen Besuche im aufgeräumten, ruhigen Elternhaus.

Doch irgendwann will die Zukunft eben geplant werden und dann lockt in einigen Fällen der Wunsch nach engerem Familienkontakt, die Sorge um die älter werdenden Eltern, die erschwinglichen Wohnungs- und Grundstückspreise, die bessere Kinderbetreuung oder schlichtweg ein inneres Gefühl der Entwurzelung zur Rückkehr in die Heimat.

Mit Pflege- und Gesundheitsberufen kann man dort seinen Beitrag leisten und gleichzeitig mit anderen jungen Menschen das kulturelle und gesellschaftliche Leben wieder erwecken und verjüngen, so dass Orte wie Görlitz auch in hundert Jahren noch lebenswert sind.

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  • Quelle: red | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 12.06.2014 - 14:02Uhr | Zuletzt geändert am 12.06.2014 - 16:46Uhr
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