Wie sinnvoll ist ein strikter Dresscode auf Arbeit?
Görlitz, 1. Juli 2022. Angestellte streben zunehmend nach Freiheit und Individualität im Arbeitsleben. Ist ein einheitlicher Dresscode – zu deutsch Anzugsordnung – oder gar eine einheitliche Betriebskleidung demnach nicht mehr sinnvoll? Der Görlitzer Anzeiger hat sich mit dieser Frage beschäftigt.
Woher Dresscodes kommen
Dresscodes haben unterschiedliche Wurzeln. Oft machen sie einen Berufsstand erkennbar. So erkennt man etwa einen Arzt oder Handwerker wie Schmied, Zimmermann, Bäcker oder Fleischer oft sofort an Ihrer Kleidung. Eine andere Wurzel liegt in der Zeit, als sich Beschäftigte mit Kundenkontakt keine gute Kleidung leisten konnten oder wollten; dann wurden sie von ihren Arbeitgebern ausstaffiert. Wenn heute allerdings Angestellte eines Unternehmens etwa auf einer Messe mit gleichartiger Kleidung anzutreffen sind, dann liegt das nicht an persönlicher Armut, sondern daran, dass Kleidung als Teil des Corporate Designs verstanden wird und Zugehörigkeit und Teamverständnis zum Ausdruck bringen soll. Solchen Dresscodes folgen übrigens in besonders strenger Weise Uniformen und oft auch Arbeitsschutzkleidung.
Dresscodes heute
Wie wichtig Dresscodes sind, verdeutlicht der Privatbereich. Ob Hochzeit, Opern- oder Restaurantbesuch – nur wenige fühlen sich wohl, wenn sie "daneben" angezogen sind. Schaut man sich heutzutage allerdings in modern geführten Unternehmen um, dann sind drei Arten von Dresscodes anzutreffen: Da sind zuerst die schriftlich fixierten Vorgaben eines Unternehmens zu nennen, anzutreffen etwa im Bankbereich. Hier geht es vor allem darum, einen vertrauenswürdigen, zuverlässigen und sachorientierten Eindruck zu vermitteln.In vielen anderen Unternehmen gibt es ungeschriebene Dresscodes in Form "geheimer Regeln". Gemeint sind damit Üblichkeiten und unausgesprochene Erwartungen, an die man sich besser hält. Bei den Herren geht es dann etwa darum, ob ein Binder getragen werden sollte oder Jeans nicht infrage kommen. Bei den Damen wird oft ein Business-Stil erwartet, bei dem sich Freizeitkleidung von allein verbietet. Die dritte Art von Dresscode ist in gewisser Weise paradox: Das sind Firmen, in denen Freizeitkleidung ausdrücklich toleriert wird, woraus allerdings ebenfalls ein Dresscode entsteht: Wer sich nicht an den lockeren Stil hält, fällt zumindest auf.
Dresscodes und vereinheitlichte Kleidung haben ihre Vorteile
- Effizienz
Effizienz im Arbeitsalltag ist sehr begehrt. Unsere sich immer schneller drehende Welt hält für niemanden an – pass dich an oder du wirst umgerissen! Aus diesem Grund stellt sich oft die Frage, ob wir nicht zu viel Zeit vor dem Kleiderschrank verbringen. Wieso sich den Kopf über das heutige Outfit zerbrechen, wenn man stattdessen weiß, welche Art von Kleidung bei der Arbeit erwartet wird? - Leichte Pflege
Wenn wirklich auf Betriebskleidung gesetzt wird und alle das Gleiche tragen, ändert sich das Waschprogramm nicht. Das verbilligt für Arbeitgeber die Ausgaben für die Wäscherei – Zeit und Geld werden gespart. - Seriöser Eindruck
Ob im Restaurant, beim Kundengespräch oder im Supermarkt – Kleidung im Corporate Design des Unternehmens, die ja nicht zwangsläufig uniformiert wirken muss, ist ein ständiger Begleiter des Teams. Das bringt einige Vorteile mit sich: Einerseits wird die Marke aktiv nach außen getragen und prägt sich im Kopf der Kundschaft ein. Andererseits hinterlässt das Auftreten einen stimmigen und damit positiven, seriösen und professionellen Eindruck. Dadurch ist Kleidung, welche mit dem Logo des Unternehmens bedruckt wurde in vielen Branchen vorteilhaft oder sogar unerlässlich, vor allem im Kundenkontakt. Wer im privaten Shirt an der Kasse sitzt, vermittelt einen anderen Eindruck als jemand im firmenspezifischen Kittel oder Hemd beziehungsweise bei den Damen in einer entsprechenden Bluse. - Starkes Zugehörigkeitsgefühl
Jedes Team sollte als Einheit agieren. Für Kunden und andere Kontaktpersonen ist es angenehm, das auch optisch zu erkennen – ein weiterer Punkt, an dem der Dresscode ins Spiel kommt. Wenn alle den gleichen Kleidungsregeln folgen oder soagr das Gleiche tragen, wissen Außenstehende sofort, wer zusammengehört. Wichtig ist das vor allem in Restaurants, denn so weiß ein Gast jederzeit, wer zuständig ist und angesprochen werden kann.
Dresscodes können auch nachteilig wirken
Das Problem: Je einheitlicher eine Kleidung ist, umso mehr büßen ihre Träger an Individualität ein. Tatsächlich nutzen viele Menschen Kleidung als Mittel der Selbstdarstellung. Wenn sie in ihrer Kleiderwahl eingeschränkt werden, verlieren sie ein Stück weit ihre persönliche Identität. Vergleichbar ist das Vorschriften für Frisuren, wie es sie etwa beim Militär gibt.Wenn sich Unternehmen mit Dresscodes beschäftigen, dann muss gut überlegt werden, wo es eine Kleidungsvereinheitlichung im Sinne einer Uniformierung geben muss und wo Regeln etwa zur Rocklänge, zu Anzügen oder Hemden ausreichend sind. Zugehörigkeit kann ja auch über Aufdrucke, Stickereien oder Abzeichen zum Ausdruck gebracht werden. Wird eine eigene Unternehmenskleidung gestellt, sollten durchaus unterschiedliche Ausführungen zur Wahl angeboten werden.
Unterm Strich
Die Implementierung eines Dresscodes oder weitgehend einheitlicher Unternehmenskleidung ist auf jeden Fall von der Branche und der gelebten Unternehmenskultur abhängig. Es gibt Unternehmen, von denen ein Dresscode oder zumindest teils einheitliche Kleidung erwartet wird, etwa wenn Ansprechpartner erkennbar sein müssen. Ebenso gilt sicherlich: Je höherwertig das Geschäft, so strenger die Regeln für den Dresscode.Jedes Unternehmen bestimmt selbst, wie intensiv es auf Dresscodes setzen möchte und wie weit diese implementiert werden; verbreitet ist etwa Business Casual. In vielen Bereichen setzt man heute auf beduckte Shirts, Hemden oder Kittel und nutzt so einen guten Kompromiss zwischen professioneller, aber nicht zu strenger Erscheinung und güntigen Kosten.
Man kann es ja auch übertreiben: Unvergessen die Begegnung mit dem Geschäftsführer und dem Prokuristen eines Unternehmens, die bis ins Detail völlig gleich angezogen waren. Auf dieser Ebene wirkt das einfach nur lächerlich. Die Tendenz geht in die andere Richtung: Für die Herren sind "Schlips und Kragen" in vielen Bereichen auf dem Rückzug, die Damen hingegen brauchen noch immer ein gutes Gespür dafür, was in der Geschäftswelt tragbar ist oder nicht. Angesichts des aktuellen heißen Wetters sollte man wissen, dass ab 30 Grad Celsius Dresscodes gemeinhin als aufgehoben gelten; Vorgesetzte sollten das zur Eindeutigkeit klar kommunizieren.
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- Quelle: red | Foto: Yan Krukov, Pexels License
- Erstellt am 01.07.2022 - 12:06Uhr | Zuletzt geändert am 01.07.2022 - 13:54Uhr
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