Buchvorstellung im Schlesischen Museum: Granica - die Grenze

Görlitz. "Granica - die Grenze" heißt ein Buch, das Herausgeberin Karoline Gil um Schlesischen Museum zu Görlitz vorstellt. In dem Sammelband analysieren Historiker, Politologen, Soziologen und Kulturwissenschaftler aus Deutschland und Polen die seit dem 19. Jahrhundert geführten Debatten um die deutsch-polnische Grenze. Sie fragen nach ihrem Bedeutungswandel im Spannungsfeld von Nationalisierung und Europäisierung. Autor Dawid Smolorz vertieft eines der Themen und fragt nach dem Alltag an der Grenze in dem 1922 zwischen Deutschland und Polen geteilten Oberschlesien.

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Von der "blutenden Grenze" zur einigenden Grenze

Die Grenze zwischen Polen und Deutschland war seit dem 19. Jahrhundert ein umstrittenes Politikum. In der Weimarer Republik galt die im Versailler Vertrag gezogene neue Ostgrenze des Deutschen Reichs als ,blutende Grenze'. Nach dem Zweiten Weltkrieg zelebrierten die DDR und die Volksrepublik Polen an der "Oder-Neiße-Friedensgrenze" eine vordergründige und verordnete Freundschaft zwischen den "Brudervölkern". In der alten Bundesrepublik hingegen gab es heftige Auseinandersetzungen um die Anerkennung der polnischen Westgrenze an Oder und Neiße. Erst der deutsch-polnische Grenzvertrag aus dem Jahr 1990 sowie die sogenannte "Osterweiterung" der Europäischen Union trugen dazu bei, der Grenze allmählich ihren konfliktgeladenen und trennenden Charakter zu nehmen.

Die Kulturwissenschaftlerin Karoline Gil arbeitet bei der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Berlin. Zusammen mit Christian Pletzing hat sie einen Sammelband herausgegeben, in dem Historiker, Politologen, Soziologen und Kulturwissenschaftler aus Deutschland und Polen die vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart geführten Debatten um die deutsch-polnische Grenze analysieren. Frau Gil stellt den Band vor und erleutert, wie die Bedeutung der deutsch-polnische Grenze sich im Lauf der Zeit wandelte.

Einer der Autoren des Bandes, der Historiker und Übersetzer Dawid Smolorz aus Gleiwitzer (Gliwice), erinnert an die deutsch-polnische Grenze in Oberschlesien, die nach dem Versailler Vertrag und einer von bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen überschatteten Volksabstimmung 1922 gezogen wurde. Dawid Smolorz hat in einem Projekt des Hauses der deutsch-polnischen Zusammenarbeit erstmals den Alltag an der Grenze zwischen 1922 und 1939 untersucht und dargestellt.

Im Vorfeld der 3. Sächsischen Landesausstellung "Via Regia" und in einer Region, die von der Realität der Grenze im Guten wie im Schlechten geprägt ist, können die aktuellen wissenschaftlichen Zugänge zur Grenze zur Diskussion anregen.

Prädikat: Unbedingt hingehen!
Donnerstag, 14. April 2011, 19 Uhr,
Eingang Fischmarkt 5, Eintritt frei.
Buchvorstellung im Schlesischen Museum zu Görlitz

Das Buch!
Titel: Granica - die Grenze
Gil, Karoline/Pletzing, Christian: Granica. Die deutsch-polnische Grenze vom 19. bis zum 21. Jahrhundert.
München (Meidenbauer) 2010, 180 Seiten,
29,- EUR, ISBN: 978-3-89975-213-7.

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  • Quelle: red | Fotos: Schlesisches Museum
  • Erstellt am 09.04.2011 - 12:27Uhr | Zuletzt geändert am 09.04.2011 - 12:43Uhr
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