Bühnenliteraten aus Görlitz und Wiesbaden im Duell

Görlitz, 5. April 2016. Ach, es gibt Bühnenliteraten, da wünscht man sich die Zeiten richtiger Duelle zurück, mit Degen und Pistolett - wie sehr könnte das dem Bühnenfrieden zuträglich sein! Aber nein, die verzärtelte Generation setzt aufs reine Wortgefecht und den Kampf ums letzte der Worte. So soll es geschehen gerade mal einen Tag vor der offiziellen Eröffnung der 2. Literaturtage an der Neiße: Am Mittwoch, dem 6. April 2016, treten Bühnenliteraten aus Görlitz und Wiesbaden im Studentenclub Maus an - und zwar gegeneinander. Sind der Worte dann genug geredet entscheidet schlussendlich das Publikum, welche der beiden Städte sich mit dem Sieg schmücken kann.
Abbildung: Links die Görlitzer Triade, rechts das Wiesbadener Dreigestirn. Da darf man gespannt sein, wie der Poetry Slam endet. Grafik: Mike Altmann

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Sechs Literaten und ein Literatenbändiger

Thema: Lesebühnen

Bild zu Lesebühnen

Lesebühnen sind in Görlitz fester Kulturbestandteil - teils musikalisch unterlegt, teils mit Autoren von vor Ort, teils mit weitgereisten Schreib- und Lesenden.

Wiesbaden, Görlitzer Partnerstadt und unvergessen großzügige Helferin in der schwierigen Zeit nach der Implosion der SED-Diktatur, besitzt seit 1999 eine Poetry-Slam-Institution namens "Where the words wild are". Genau von dort kommt die Mannschaft für den Poetry Slam in Görlitz: Eva Schilling, Robin Baumeister und Jan Cönig wollen in der Maus zeigen, dass der hessische Wortschatz durchaus mit dem sächsisch-schlesischem Slang mithalten kann. Was für eine Herausforderung!

Görlitz setzt auf das, was früher immer gut klappte: Erfahrung, Improvisationstalent und Naivität, die heutzutage als Ünbekümmertheit verkauft wird. Die alten Herrren des Görlitzer Teams - Mike Altmann und Udo Tiffert - bringen zusammen rund hundert Lenze auf die Bühne. Den Altersschnitt drückt das taufrische Talent Shari Joko. Als Triade wollen sie ihren Heimvorteil gnadenlos ausnutzen. Mannschaftskapitän Tiffert steht souverän auf der Brücke, das Lesebuch in der Hand: "Es ist wichtig, dass wir stabil stehen und hinten nichts anbrennen lassen. Vorne fackeln wir ein Feuerwerk für unsere Fans ab, flanken uns die Gags zu und verwandeln die Pointen eiskalt mit heißem Herzen." Denn man tau!

Der Literatenbändiger

Als Moderator des literarischen Städtewettkampfs hat sich der Hans-Joachim Kulenkampff der Görlitzer Bühnenszene Axel Krüger verdungen. Seine Aufgabe ist es, einerseits die Bühnenliteraten zu bändigen, aber dennoch für das Publikum einen gewissen Showwert zu generieren.

Zur Publikumsjury gehören, zwecks Sicherung (Stichwort: Sicherheit!) des Qualitätsniveaus und der Neutralität, diesmal auch Kulturexperten ("Was nicht unbedingt Gutes verheißt", murmelt soeben Kollege Stänker am Nachbar-PC). Diese Jury hat den Job, die einzelnen Textvorträge zu bewerten. Die finale Situation entsteht, wenn zum Schluss alles zusammengerechnet wird und die siegreiche Stadt resp. deren Vertreter und Vertreterinnen mit einem Kranz aus rheinländischem Frohsinn, ach nein, das sind die Menschen hier so nicht gewohnt, also Lorbeer, gekrönt werden.

Von der Werthaltigkeit der Veranstaltung

Entgegen all' den übliche Gerüchten und Klischees müssen auch Literaten ab und an essen und zwecks Erlangung des Musenkusses auch trinken. Ferner ist es so, dass sie durchaus Fahrkarten erwerben und zur Nacht ein festes Haus bevorzugen. Richtig erkannt - die Sache kostet Geld. Das führt zu einer Doppel- und Dreifachbelastung der Besucher und Besucherinnen der Veranstaltung; die müssen sich nicht nur hinbewegen und das Ganze über sich ergehen lassen, sondern obendrein noch Eintritt - eine Art Strafzoll für den Besuch der Show - bezahlen.

Kurz und gut, die Karten kosten acht Euro. Wer mit angemessenen zehn Euro gerechnet hatte, kann sich über gesparte zwei freuen. Wer Anspruch auf ermäßigten Eintritt hat, braucht nur fünf Euro zu legen. Wohin? Die Tickets gibt es an der Görlitzer Theaterkasse, gern online unter www.g-h-t.de. Kartenreste kann man versuchen, an der Abendkasse zu erheischen, jedoch ist der Vorverkauf für alle Beteiligten inkl. Publikum die entspanntere Variante.

Prädikat: Hingehen!
Mittwoch, 6. April 2016, 19.30 Uhr,
Studentenclub Maus, Gottfried-Kiesow-Platz 2, 02826 Görlitz

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  • Quelle: red | Grafik: Mike Altmann
  • Erstellt am 05.04.2016 - 09:49Uhr | Zuletzt geändert am 06.04.2016 - 18:22Uhr
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