Braunkohle und Kohlendioxid

Ketzin | Dresden. Die erste in Europa auf dem Festland befindlicheTestanlage zur Speicherung von CO2 wurde am Mittwoch im brandenburgischen Ketzin von Dr. Joachim Wuermeling, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, und Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesforschungsminister, gemeinsam eröffnet. Zugleich ktitisiert Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk den heute im Bundeskabinett gefassten Beschluss, den Braunkohlekraftwerken keine höheren Benchmark beim CO2-Ausstoß zuzugestehen.

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Wissenschaft und Bundespolitik agieren aneinander vorbei

Staatssekretär Dr. Joachim Wuermeling verwies darauf, dass fossile, d.h. CO2haltige Energieträger noch für Jahrzehnte eine wesentliche Rolle für die deutsche und vor allem für die weltweite Energieversorgung spielen werden. "Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, um das klimafeindliche CO2 unserer heutigen Kraftwerke so weitgehend wie möglich unschädlich zu machen. Die praxistaugliche Abtrennung von CO2 wäre deshalb ein Riesenschritt. Damit könnten die fossilen Energieträger weiter genutzt werden, ohne das Klima mit CO2 zu belasten. Wenn es in naher Zukunft gelingt, neben der Sicherheit auch die Wirtschaftlichkeit der sog. CCS-Technologien (Carbon Capture and Storage) zur Abtrennung und Lagerung von CO2 nachzuweisen, wäre viel für eine sichere und klimafreundliche Energieversorgung getan. Eine wichtige Vorraussetzung für die Umsetzung der CCS-Technologie sind aber auch weitere Anstrengungen zur
Wirkungsgradsteigerung der Kraftwerke."

Die Abtrennung des Treibhausgases Kohlendioxid aus dem Abgas von Kraftwerken und dessen Speicherung in tiefen geologischen Formationen ist eine mögliche Schlüsseltechnologie für die umweltverträgliche Nutzung fossiler Energieträger und somit ein wichtiger Baustein von Klimaschutzstrategien.

Erfahrungen mit der CO2-Speicherung gibt es zwar aus der Kohlenwasserstoffgewinnung, trotzdem sind noch wesentliche Fragen durch gezielte Forschung und Entwicklung weiter zu untersuchen. Dr. Wuermeling unterstrich dies sehr deutlich: "Was uns derzeit aber am meisten fehlt, ist die endgültige Klarheit darüber, ob die Lagerung bzw. Speicherung von CO2 im geologischen Untergrund eine belastbare und sichere technologische Option ist."

Als potenzielle CO2-Speicher für die CCS-Technologien sind in Deutschland nahezu erschöpfte und ausgeförderte Öl- und Gasfelder sowie tief liegende poröse Gesteinsschichten mit sehr salzhaltigen Wässern (salinare Aquifere) relevant. Entsprechende Optionen zur CO2-Speicherung werden derzeit weltweit untersucht.

Auch die Bundesregierung stellt umfangreiche Mittel zur Verfügung, um die Entwicklung der innovativen CCS-Technologie voranzutreiben.

Die gesamte CCS-Technologiekette wird im Rahmen des international anerkannten BMWi-Forschungsprogramms COORETEC (CO2-Reduktionstechnologien) untersucht. Im Rahmen der High-Tech-Strategie werden die Fördermittel für Verbundprojekte zwischen Energieversorgern, Anlagenbauern, Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen ausgehend von einem Basiswert von 18 Mio. Euro im Zeitraum von 2007 bis 2009 jährlich schrittweise um 7 Mio. bis 14 Mio. Euro erhöht.

Die weiteren Forschungsaktivitäten zur Speicherung im Untergrund werden im Bundesministerium für Bildung und Forschung gebündelt. Wichtige Themen sind hier Überwachungssysteme für die Kohlendioxid-Speicher, innovative Injektionstechnologien und Wechselwirkungen von Kohlendioxid mit Speicher- und Deckgesteinen.

Missmutige Töne aus Sachsen


Unterdessen appelliert der sächsche Wirtschafts- und Arbeitsminister Thomas Jurk an die SPD-Bundestagsfraktion, der Braunkohle eine Chance zu geben. "Die Braunkohle ist auf mittlere Sicht unverzichtbar für eine sichere, kalkulierbare und finanzierbare Energieversorgung. Darum darf sie im Wettbewerb der Energieträger nicht schlechter gestellt werden", kritisiert er den heute im Bundeskabinett gefassten Beschluss, den Braunkohlekraftwerken keine höheren Benchmark beim CO2-Ausstoß zuzugestehen. Er werde die SPD-Fraktion auffordern, sich hinter den am Freitag mit Mehrheit im Bundesrat gefassten Beschluss zu stellen.

"Braunkohle ist unbestritten die CO2- intensivste Form der Stromerzeugung. Mit einem Anteil von rund einem Viertel am Strommix ist sie momentan nicht zu ersetzen", verwies Jurk auf die Realitäten. Es gehe nicht um eine "Sonder-, sondern um eine Gleichbehandlung mit Energieträgern wie Steinkohle und Gas, denen jeweils ein Benchmark zugestanden wird, das technisch erreichbar ist. Nicht mehr und nicht weniger fordere ich für die Braunkohle."

In Sachsen arbeiten die weltweit modernsten Braunkohlekraftwerke mit dem höchsten Wirkungsgrad. Die Universitäten Dresden und Freiberg forschen intensiv an der Braunkohle-Verstromung ohne C02-Freisetzung.

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  • Quelle: /red | Foto: BeierMedia: Braunkohlenkraftwerk Boxberg
  • Erstellt am 13.06.2007 - 17:28Uhr | Zuletzt geändert am 13.06.2007 - 18:13Uhr
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