Weihnachten in einfacher Sprache

Görlitz, 24. Dezember 2006. Weihnachten reklamiert jeder für sich: Urchristlich, genauer vielleicht urjüdisch und – ach Du Schreck – urdeutsch. Irgendwann wird man es als das Fest des Einzelhandels feiern, statt leuchtender Kinderaugen leuchtende Händleraugen, die Heilige Nacht zur Umsatz-Zufriedenheit. Der Görlitzer Anzeiger hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Wurzeln des Weihnachtsfestes, so wie es uns der Evangelist Lukas überliefert hat, leicht verständlich nahe zu bringen. Wir wünschen unseren Lesern und unseren Kunden eine frohe Weihnachtszeit!

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Die Weihnachtsgeschichte

Als der alte August noch Kaiser war – nicht zu verwechseln mit dem verfressenen Sachsenkönig – wollte er mal wissen, wie viele Untertanen er eigentlich habe. Also setzte er flugs eine Volkszählung – eine noch nie da gewesene Aktion – auf den Plan. Bürokratie war schon damals kein Fremdwort, und so, wie heute der Hartz-Vierer wegen jeder Lapidarität seinen Hintern persönlich zur öffentlich-rechtlichen Anstalt bewegen muss, hatte sich ein jeder in seiner Stadt einzufinden.

Josef war auch so ein Kunde, der hatte den David in der Ahnengalerie und musste sich deshalb auf die Socken machen nach Bethlehem, Davidstown gewissermaßen. Beim Aufbruch aus Nazareth vergaß er löblicherweise seine Gute, die Maria, nicht. Die war schwanger, und Josef fragte sich pausenlos: "Wie konnte es geschehen? Wie nur?" Die Ausrede mit der unbefleckten Empfängnis war ihm noch nicht bekannt und dass Gottvater flugs ein neues Testament verfasste, als die Sache aufflog, spricht Bände.

In Bethlehem kamen sie in einer Art Jugendherberge unter. Dort war es proppevoll, weswegen die Familie im Stall kampieren musste. Unter diesen widrigen Umständen gebar Maria ihren ersten Sohn. Im Deutschland der Gegenwart wäre aus dem Kerlchen nicht viel geworden, da hängen die Bildungschancen bekanntlich von der sozialen Herkunft ab, und als Stallgeborener hätte man da schlechte Karten. In der "DDR" hätte Josef – von Beruf Zimmermann – noch auf "Arbeiterklasse" reiten können, aber offenbar konnte er sich Zeit und Ort der Geburt nicht aussuchen. Sie mussten es halt nehmen, wie es war: Maria wickelte Ihren Kleinen in Windeln und legte ihn in die Futterkrippe, was blieb ihr auch übrig?

Im Outdoorbereich rund um die Herberge entfalteten sich des nachts ungewöhnliche Aktivitäten: Die Hirten, die dort rumstanden, zollfreien Tabak rauchten und auf ihre Herde aufpassten, sahen sich plötzlich mit einem Engel konfrontiert. Der behauptete, von seinem Herrn gekommen zu sein und benahm sich sehr beeindruckend, was die Hirten jedoch als very shocking empfanden.

Das hatte der Engel schlau eingefädelt – erstmal Angst machen und dann beruhigen. Wörtlich sagte er: "Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen."

Die Hirten hatten sich gerade wieder beruhigt, als das nächste Theater losging. Jetzt erschienen die himmlischen Heerscharen! Die lobten ihren Gott und sprachen:

Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden
bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Dann war es vorbei, die seltsamen Besucher fuhren auf zum Himmel und die Hirten fragten sich, ob sie wach seien oder träumten. Einer schob es auf den Tabak, der wohl mit Gras gestreckt gewesen sei. Nach einigem hin und her entschlossen sie sich, mal nachzugucken, ob da was dran sei mit dem Kind in der Krippe.

Und in der Herberge fanden sie alles vor wie beschrieben! Die Hirten hatten nun nichts eiligeres zu tun, als überall herumzuerzählen, was sie mit dem Engel erlebt hatten. Die Leute staunten nicht schlecht, Maria aber nahm jedes Wort tierisch ernst.

Die Hirten fanden ihr Erlebnis toll, sie berichteten immer wieder ganz verzückt davon, und wenn sie nicht gestorben sind, dann lobpreisen sie noch heute.

Mehr:
Die Weihnachtsgeschichte nach dem Evangelisten Lukas,
in: Die Bibel - Lukas 2, 1- 20

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  • Quelle: /FST
  • Erstellt am 24.12.2006 - 10:37Uhr | Zuletzt geändert am 21.12.2021 - 21:26Uhr
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