Jüdische Spuren in Görlitz
Görlitz, 21. August 2015. Es ist nur ein Bruchteil der Orte des Grauens, die Deutsche in der Zeit des Nationalsozialismus geschaffen haben: Das Konzentrationslager Groß-Rosen (heute Rogoźnicy), reichlich 60 Kilometer südwestlich von Breslau (Wrocław). Nun wird deutlicher an dessen Görlitzer Außenlager erinnert.
Jüdischer Friedhof in Görlitz erhält neuen Gedenkort
Was bleibt, ist Erinnerung. Stelen der Erinnerung werden am 1. September 2015 auf dem Jüdischen Friedhof in Görlitz eingeweiht.
70 Jahre sind seit dem Ende der deutschen Naziherrschaft vergangen. Nun wird der Zwangsarbeiter-Gedenkort auf dem Görlitzer Jüdischen Friedhof erweitert: Auf sieben Stelen erhalten 148 Opfer, die im Görlitzer Außenlager des Konzentrationslagers Groß Rosen zu Tode gebracht wurden, mit ihrem Namen eine Erinnerungsstätte. Das hat Gewicht: Zur Einweihung am Weltfriedenstag werden Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich sowie Monik Mlynarski und Shlomo Graber, zwei frühere Lagerhäftlinge, erwartet.
Seit 1951 erinnert ein Denkmal auf dem - ja, versteckt gelegenen - Jüdischen Friedhof anonym an die 323 Görlitzer Lagertoten aus mindestens neun Nationen.
Deutsche Gründlichkeit: Die Namen von 148 Toten, die im Krematorium Görlitz eingeäschert wurden, blieben durch die dortige Registratur erhalten. In lateinischer und hebräischer Schrift werden sie künftig in Fächern der Erinnerungsstelen nachvollziehbar sein. Übersetzt hat die Namen der Toten ins Hebräische der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Dresden Alexander Nachama. Von ihm stammt ebenso die Übersetzung eines Bibelspruchs für ein Schriftband, das am Gedenkort in den Boden eingelassen wird.
Einige der Fächer in den Stelen blieben offen, weil Namen unbekannt sind und die Geschichte des Lagers nach wie vor fragmentiert ist. Doch in den Namensfächern können Besucher kleine Steine ablegen, wie es nach jüdischer Tradition zur Totenverehrung üblich ist.
Informationen
Der Weg zu den Erinnerungsstelen führt an fünf Informationstafeln vorbei, die über die Geschichte der Jüdischen Gemeinde in Görlitz, über Symbole auf Grabsteinen, über das frühere Lager "Biesnitzer Grund" und über die Entstehung der Denkmalanlage informieren.
Eigentümerin des Friedhofes ist die Jüdische Gemeinde Dresden. Der Eigenbetrieb Städtischer Friedhof Görlitz verwaltet das Areal an der Biesnitzer Straße im Auftrag der Stadt Görlitz.
Öffentliche Einweihungszeremonie
Zur Einweihung der Stelen der Erinnerung werden Stanislaw Tillich, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Dr. Nora Goldenbogen von der Jüdischen Gemeinde Dresden, Siegfried Deinege, Oberbürgermeister der Stadt Görlitz, und Monik Mlynarski, Holocaust-Überlebender, Grußworte halten. Die musikalische Getaltung hat Alex Jacobowitz übernommen, die Liturgische Leitung Rabbiner Alexander Nachama. Auch Schüler der Melanchthon-Oberschule Görlitz wirken mit.
Prädikat: Unbedingt hingehen!
Dienstag, 1. September 2015, 16 Uhr,
Biesnitzer Straße, 02826 Görlitz
Öffentliche Einweihungszeremonie. Männliche Besucher werden gebeten, auf dem Jüdischen Friedhof eine Kopfbedeckung zu tragen.
Jugendtheater im Schlesischen Museum
Im Schlesischen Museum zu Görlitz (Eingang Fischmarkt) führt das Jugendtheater des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz/Zittau am gleichen Tag um 19 Uhr sein "Nathanprojekt 2015" auf. Im Anschluss gibt es ein Gespräch mit den jungen Laiendarstellern. Der Eintritt ist frei.
Jüdische Spurensuche in Görlitz
Jüdische Spurensuche war der Titel einer Ausstellung in der Görlitzer Synagoge von November 2010 bis Januar 2011. In Görlitz berichtete nur der Görlitzer Anzeiger darüber:



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- Quelle: red | Foto: © Görlitzer Anzeiger
- Erstellt am 21.08.2015 - 01:57Uhr | Zuletzt geändert am 24.05.2020 - 06:54Uhr
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